19.10.2020 - 16:36 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona: Kleine Notizen wären große Hilfe

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Corona-Ampel, AHA-Regel, diverse Verbote: Allgemeine Regeln sind das eine. Aber auch jeder Einzelne kann mithelfen, die Pandemie einzudämmen. Eine Idee ist ein Kontakt-Tagebuch. Das Gesundheitsamt wäre dafür.

Ein Kontakt-Tagebuch wäre für die Rückverfolgbarkeit der Kontakte sehr wichtig.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Hand aufs Herz: Wer weiß schon noch, wo er in den vergangenen 10 oder 14 Tagen jeweils war? Wann er wo mit einer größeren Gruppe zusammen war? In Pandemie-Zeiten wäre dieses Wissen aber sehr nützlich. So könnte besser nachvollzogen werden, wo sich ein Infizierter angesteckt hat. Denn sonst können "Cluster" weiter wachsen.

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Oberpfalz

Der Berliner Virologe Dr. Christian Drosten macht im "Corona Virus Update" des Senders NDR Info gewisse "Abnutzungserscheinungen" in der Gesellschaft aus. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen deutlich steigt, sei es schwer, das Verständnis für strenge Maßnahmen aufrecht zu erhalten.

Wichtiger Zusammenhalt

Dabei werde der Zusammenhalt in der Gesellschaft dringend gebraucht. Er plädiert für allgemeingültige Maßgaben und nimmt auch jeden Einzelnen in die Pflicht, nicht nur die AHA-Regeln (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske) einzuhalten, sondern auch die eigene Aufmerksamkeit wieder zu schärfen. Die Politik könne nicht jede Alltagssituation regulieren.

Sein Vorschlag, der auch beim Schwandorfer Gesundheitsamt gut ankommt: Das Führen eines Cluster-Kontakt-Tagebuchs, auch als Aufmerksamkeitsübung. Dabei geht es nicht darum, jede Person zu notieren, die man tagsüber getroffen hat. Vielmehr solle man sich auf Situationen konzentrieren, in denen man sich nicht ganz wohl in seiner Haut gefühlt hat: Etwa, weil die Abstände zu gering waren, keine Masken getragen wurden oder zu viele Leute in einem geschlossenen Raum waren.

Einerseits könnte das die Sinne für riskante Situationen schärfen, so Drosten im Coronavirus-Update (Folge 60). Andererseits wären so die Quellen von Infektionen besser zu lokalisieren. Die Meldestatistiken zeigen laut Drosten, dass bei mehr als der Hälfte aller erfassten Infektionen unklar ist, wo sich die Betroffenen angesteckt haben. Der Virologe sieht da einen Schwachpunkt der Meldesysteme, nicht nur in Deutschland. Die Fallverfolgung richte sich stark auf das Verhindern von künftigen Infektionen, wenn ein Mensch positiv getestet wurde.

Die Leute können nicht sagen, wo sie sich angesteckt haben könnten

Der Berliner Virologe Christian Drosten.

Der Berliner Virologe Christian Drosten.

Da ist der Betreffende vielleicht schon gar nicht mehr so infektiös, wie noch ein paar Tage vorher. "Was das Infektionsgeschehen aber wirklich treibt, ist das Quellcluster, aus dem er seine Infektion hat", sagt Drosten in der Sendung. Meist könnten sich Menschen nicht mehr an Gefährdungssituationen erinnern, die sieben oder zehn Tage zurückliegen.

"Cluster köchelt noch"

"Das Problem aber ist, diese Gefährdungssituation, in der wir uns vor sieben bis zehn Tagen infiziert haben, die besteht immer noch. Dieses Cluster köchelt immer noch." Zwar würden derzeit immer wieder Familienfeiern als Treiber des Pandemie-Geschehens angesehen.

Das sei aber nur ein Eindruck. Der rühre nur daher, dass diese Feiern bei der überwiegenden Zahl der rekonstruierten Fälle als Auslöser ausgemacht wurden. Aber: Laut Drosten ist bei über der Hälfte der Infektionen der Auslöser nicht mehr aufklärbar. "Die Leute können nicht sagen, wo sie sich angesteckt haben könnten", so Drosten. Deshalb schlage er das Cluster-Kontakttagebuch vor.

Für Rückverfolgung wichtig

Ereignisse wie Familienfeiern bleiben natürlich eher in Erinnerung wie vielleicht ein Meeting im Job, Gedränge in Bus oder Bahn, ein Abend beim Sport oder sonst irgendein Treffen mit mehreren Bekannten in der zurückliegenden Zeit. Für die Rückverfolgung wären diese Daten aber wichtig. Und ein paar Notizen am Abend sind auch keine große Herausforderung.

Der Vorschlag ist es wert, näher geprüft zu werden.

Landratsamts-Sprecher Hans Prechtl

Landratsamts-Sprecher Hans Prechtl

"Das Gesundheitsamt findet den Vorschlag von Professor Drosten nicht schlecht", antwortete Landratsamts-Sprecher Hans Prechtl auf eine Anfrage der Oberpfalz-Medien. "Der Vorschlag ist es wert, näher geprüft zu werden." Die Erinnerung der Menschen sei "natürlich fehlerbehaftet", so Prechtl. So würde bei der Kontaktnachverfolgung auch gefragt, ob man selbst bei einer bestimmten Begegnung eine Maske getragen habe. "Da kommt der ein oder andere dann doch schon ins Nachdenken."

Das Update als Podcast

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