06.11.2020 - 08:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona im Landkreis Schwandorf: Stresstest für Intensivstationen

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Die Coronainfektionen steigen beständig, die Belegungszahlen in den Krankenhäusern wachsen. Für den Kreis Schwandorf werden 51 Intensivbetten gemeldet. Noch ist die Situation entspannt. Doch gibt es für die Betten auch genug Fachpersonal?

Auf Intensivstationen sind extrem umfangreiche medizinische Geräte wie Infusionstechnik, Beatmungs- und Monitoringeinheiten verbaut und ermöglichen die bestmögliche Behandlung für Corona-Patienten. Doch die wertvollen Kapazitäten sind knapp und können in einer Pandemie-Notlage schnell an ihre Grenzen kommen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

19 990 neue Corona-Infektionen meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag für die vergangenen 24 Stunden in Deutschland. Der höchste Stand seit Ausbruch der Pandemie macht sich zeitversetzt auch in den Krankenhäusern und den Intensivstationen bemerkbar. Die Auslastung steigt. Wie ist die Situation im Landkreis Schwandorf?

Von den vier Krankenhäusern im Gemeindeverband gelten die Asklepios-Kliniken in Oberviechtach und in Lindenlohe als sogenannte "Non-Covid-Häuser". Corona-Patienten werden dort nicht behandelt – auch keine leichten Krankheitsverläufe. Diese beiden Häuser verfügen zudem nicht über Intensivstationen. Anders ist dies in der Burglengenfelder Asklepios-Klinik im Städtedreieck und dem Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf. Beide Kliniken bilden die Zentren der Corona-Bekämpfung im Landkreis und verfügen mit neuen Intensivstationen über beste medizinische Ausstattung.

Wie gut sind die Häuser gerüstet, wenn sich die zweite Pandemiewelle zuspitzt und die Zahl der Coronapatienten deutlich steigt? Auskunft dazu gibt das Divi-Intensivregister. Die gemeinsame Online-Plattform von RKI und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) erfasst bundesweit die Zahl der Intensivbetten sowie der beatmeten Covid-19-Patienten. Für den Landkreis meldet Divi 51 Intensivbetten. Eine beachtlich hohe Zahl – die meisten anderen bayerischen Kreise kommen nicht über 30 Betten.

51 Intensivbetten im Landkreis?

Eine Anfrage von Oberpfalz-Medien hat ergeben, dass zu den 51 Plätzen die Klinik Schwandorf 22 beisteuert, Burglengenfeld meldet 17. Macht zusammen 39. Die restlichen 12 Plätze verteilen sich auf die Kliniken Oberviechtach und Lindenlohe. Dort werden aber keine Coronapatienten behandelt und klassische Intensivstationen gibt es nicht - dafür aber sogenannte Intermediate-Care-Betten (IMC). Dass die beiden Häuser trotzdem 12 Plätze melden, hängt also damit zusammen, dass das Divi-Register auch die IMC-Betten zählt. Hier ist der Patient zwar verkabelt und an ein EKG angeschlossen, aber nicht beatmet. "Mit einer klassischen intensivtherapeutischen Behandlung ist das sowohl technisch als auch personell nicht vergleichbar", erklärt Dr. Christian Glöckner, Ärztlicher Direktor der Asklepios-Klink Oberviechtach. Nimmt man es genau, gibt es im Kreis Schwandorf somit nicht 51, sondern nur 39 "richtige" Intensivbetten.

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer des Schwandorfer Klinikums, sieht das Divi-Register deshalb teils kritisch: "Die Zahlen sind etwas trügerisch, weil der Bevölkerung suggeriert wird, wir haben noch viel Luft nach oben. Entscheidend aber für die adäquate Behandlung von Covid-Patienten sind nicht Betten und technische Ausstattung, sondern ausreichend Fachpersonal."

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Von den 22 Intensivbetten (jeweils mit Beatmungsmöglichkeit) in Schwandorf sind nach Auskunft des Geschäftsführers Dr. Martin Baumann (Stand Mittwoch) 10 Betten belegt, 2 davon mit Coronapatienten, davon wiederum 1 mit Beatmung. 12 Plätze sind somit noch frei. Hinzu kommen 8 "normale" Coronapatienten auf Isolierstation und 4 Verdachtsfälle. Das Krankenhaus St. Barbara verfügt seit der Eröffnung des Neubaus im März laut Baumann über eine "der modernsten Intensivstationen Deutschlands". Doch ohne Personal hilft das nichts. "Ich kann die Intensivstation mit 22 Betten im Ernstfall mit Mann und Maus besetzen, die Fachkräfte sind da. Allerdings kommen wird dann schon ans Limit." So gibt es eine neue Abteilung mit vier IMC-Beten, aber: "Diese Betten gebe ich im Divi-Register nicht an, weil ich sie im Bedarfsfall gar nicht besetzen kann. Zumindest dann nicht, wenn man als Patient dort so behandelt werden will, wie es unsere Qualitätsstandards vorgeben."

Infizierte Pfleger als Angst-Szenario

Die Asklepios-Klinik Burglengenfeld wiederum verfügt laut Geschäftsführer Andreas Neumann über 120 Planbetten und 17 Intensivplätze mit Beatmungsmöglichkeit. "Anfang des Jahres waren es noch 8 Intensivbetten, das haben wir im Zuge der Krise aufgerüstet", informiert Neumann. Von den vier Coronapatienten in dem Asklepios-Haus liegt mit Stand Mittwoch jedoch keiner auf der Intensivstation. Diese ist aber mit 5 "normalen" Patienten belegt, so dass aktuell noch 12 Plätze frei sind.

Entscheidend sind nicht technische Ausstattung und Betten, sondern ausreichend Fachpersonal.

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer des Schwandorfer Krankenhauses

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer des Schwandorfer Krankenhauses

Auch in Burglengenfeld ist das Personal die alles entscheidende Größe: "Sollten es zu einer absoluten Vollbelegung unserer 17 Intensivbetten kommen, wäre das ein Notfallszenario, in dem wir aus anderen Bereichen im Krankenhaus Personal abziehen und den restlichen Betrieb teilweise einschränken müssten", sagt Neumann. Würden sich zusätzlich auch noch Pfleger infizieren und deshalb ausfallen, "dann kämen wir ganz schnell an unsere Grenzen, das ist klar". Dies sei aber in anderen Kliniken genauso: "Denken Sie nur an Cham oder Bad Aibling, wo wegen massiver Ausbrüche teils die ganzen Krankenhäuser abgeriegelt wurden."

Diese Sorge gibt es auch in Schwandorf: "Mitarbeiter dürfen durch ein Ausbruchsgeschehen nicht ausfallen", bestätigt Martin Baumann. Sowohl in Schwandorf als auch in Burglengenfeld konnte ein solches Szenario bislang durch strenge Hygienemaßnahmen und Testkonzepte verhindert werden. Beide Kliniken haben zudem aus den Erfahrungen der ersten Welle gelernt und sich für Monate mit Schutzausrüstung wie Masken und Desinfektionsmittel eingedeckt.

Keine Entwarnung für November

Gibt es also keinen Grund zur Unruhe? "Im Landkreis sieht es derzeit noch gut aus - noch", sagt dazu Andreas Neumann. Dennoch macht sich der Burglengenfelder Klinikchef Gedanken: "Vom Stand der Ist-Kapazität können wir derzeit beruhigt sein, aber wir können nicht sagen, das ist auch die nächsten Tage noch so. Die Infektions- und Belegungszahlen schwanken täglich, völlig beruhigt auf die nächsten Wochen kann ich nicht blicken."

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Die Behandlung von Corona-Patienten wird im Landkreis bewusst konzentriert auf das Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf und die Asklepios-Klinik in Burglengenfeld. Nur dort gibt es Intensivstationen. Wie groß sind die Kapazitäten?

  • St. Barbara Schwandorf: In dem größten Krankenhaus des Landkreises gibt es insgesamt 267 Patientenbetten. 92 Ärzte und 323 Pflege(fach)kräfte arbeiten dort.
    Die Intensivstation verfügt über 22 Betten mit Beatmungsoption, die von 49 Pflegekräften, davon 28 hochqualifizierte Mitarbeiter mit einer zweijährigen Fachweiterbildung Anästhesie- und Intensivpflege, betreut wird. Im Notfall könnten noch zusätzlich 8 weitere Kräfte aus dem OP-Bereich unterstützen.
  • Asklepios-Klinik Burglengenfeld: Die Privatklinik kommt auf 120 Planbetten. Die Kapazitäten der Intensivstation wurden zur Beginn der Krise mehr als verdoppelt von 8 auf 17 Plätze mit Beatmungsmöglichkeit. Detailliertere Angaben zur Mitarbeiterzahl stehen nicht zur Verfügung.

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