28.08.2020 - 16:11 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona-Pandemie bringt im Landkreis Schwandorf mehr Müll mit sich

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Die Mülltonne ist voll, seit Corona noch ein wenig voller. Und das liegt nicht daran, dass weniger Material in Wertstoffsäcken landet. Im Landratsamt Schwandorf klagt man über unzulässige Restmüll-Entsorgung in der Papiertonne.

In den Monaten seit der Corona-Pandemie ist mehr Restmüll in den Tonnen gelandet, das Müllkraftwerk konnte sich nicht über eine dürftige Anlieferung beklagen. Auch die Recyclingsäcke waren voller als im Vorjahr.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die Corona-Einschränkungen haben die globalen Emissionen um bis zu 17 Prozent gesenkt – ein Lichtblick in Sachen Klima. Doch was den Müll betrifft, sieht das mit den "Nebenwirkungen" von Corona nicht so günstig aus. Ein Blick auf die Hausmüll-Menge im Landkreis Schwandorf im Zeitraum von März bis Juli spricht Bände: Um rund 6 Prozent mehr Abfälle als im Vorjahr (insgesamt 9440,3 Tonnen) sind in diesem Zeitraum von fünf Monaten in der Restmüll-Tonne gelandet. Nur im Mai waren es mit 1836,88 Tonnen geringfügig weniger als im Vorjahr (1858,21 Tonnen). Bei der Sammlung der grauen und blauen Säcke ist der Trend noch offensichtlicher: "Wir hatten eine doch recht drastische Mengensteigerung von 9 Prozent bei der Sammlung von Leichtverpackungen", berichtet Hans Prechtl, Pressesprecher am Schwandorfer Landratsamt. Insgesamt sind von März bis Juli 1441,6 Tonnen Material aus Wertstoffsäcken angefallen, im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum 1322,8 Tonnen Auch auf die Papiertonne hat sich die Corona-Pandemie ausgewirkt: Sie musste um zehn Prozent weniger schlucken, was Prechtl auf ein reduzierte Konsumverhalten infolge der Ausgangsbeschränkungen zurückführt "unabhängig davon, dass das Verlassen der Wohnung zum Zwecke des Einkaufens gestattet war".

Wie hängen Lockdown und durch Corona bedingte Einschränkungen mit den gestiegenen Restmüll-Mengen zusammen? "Natürlich wird es eine Rolle gespielt haben, dass viele Arbeitnehmer infolge der Corona-Pandemie ihre Zeit zu Hause, im Homeoffice, verbracht haben", lautet die Schlussfolgerung des Schwandorfer Pressesprechers. "Wer 24 Stunden am Tag zu Hause ist, produziert mehr Müll als der, der jeden Tag um 7 Uhr aus dem Haus geht und erst abends nach Hause kommt." Auch beim Sperrmüll gab es in den Monaten seit März Verschiebungen, da die Recyclinghöfe in der Zeit von 21. März bis 20. April geschlossen waren. Die Bürger hätten die Ausgangsbeschränkung offensichtlich genutzt, um zu Hauses auf- beziehungsweise auszuräumen. "Das hat sich aber wieder normalisiert", meint Prechtl mit Blick auf die im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Mengen im Mai und Juni mit rund 340 Tonnen.

Müllkraftwerk Schwandorf von Müllmengen nicht überrascht

Schwandorf

Dass es in den rund 49.500 privaten Haushalten noch Einspar-Potenzial beim Müll gibt, daran hat der Pressesprecher keinen Zweifel. "Die Bürger könnten mehr auf Nachhaltigkeit setzen", meint er und ist überzeigt, dass insbesondere bei Kleidung mehr Qualität statt Quantität durchaus möglich wäre. Beim angesagten "Coffee to go" könne man statt zahlreicher Einwegbecher einen Mehrweg-Alternative wählen, beim Einkaufen Korb oder Stofftasche. "Nicht alles muss beim Einkauf noch in eine eigene Tüte gesteckt werden", zu die Devise.

Immerhin hat Covid-19 nicht zu mehr Müllsündern geführt. In diesem Zusammenhang hat man im Landratsamt keine Zunahme an Anzeigen über illegale Abfall-Entsorgung registriert. "Unabhängig davon haben aber die in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Fälle zugenommen und liegen seitdem auf konstant hohem Niveau", gibt der Pressesprecher am Landratsamt zu bedenken. Von "Fehlwürfen" spricht man in der Behörde, wenn der Inhalt blauen und grauen Säcke nicht mit den Vorgaben übereinstimmt. Unterschieden wird dabei zwischen "unwissenden" Fehlwürfen, wenn beispielsweise Plastik in den entsprechenden Sack kommt, der nur Verpackungen aus diesem Material aufnehmen soll. Aber es gebe auch "bewusste" Fehlwürfe, beispielsweise wenn kurzerhand Restmüll über die Säcke entsorgt werden. Vor allem ein Trend bereitet dabei Sorgen: die gestiegene, unzulässige Restmüllentsorgung über die Papiertonne. "Als Folge davon fallen wesentlich mehr Sortierreste an", erklärt Prechtl.

Wer sich nicht an die Müll-Regeln hält, der muss auf jeden Fall mit Konsequenzen rechnen. "Bei offensichtlichen Fehlwürfen bleiben die Recyclingsäcke oder auch Papiertonnen stehen und werden nicht mitgenommen", warnen die Verantwortliche im Landratsamt udn weisen darauf hin, dass es durchaus auch Stichproben gibt. Für abfallrechtliche Ordnungswidrigkeiten gibt es auch einen Bußgeldkatalog mit zwei- bis vierstelligen Summen. Die Ahndung setzt allerdings voraus, "dass bewiesen werden kann, wer Abfälle am Fundort tatsächlich abgelegt hat", schränkt der Pressesprecher am Landratsamt ein.

Nicht nur beim Restmüll hat es im Landkreis in den vergangenen Monaten ein Plus gegeben, der Lockdown hat sich hier nicht positiv ausgewirkt. .

Wer 24 Stunden am Tag zu Hause ist, produziert mehr Müll als der, der jeden Tag um 7 Uhr aus dem Haus geht und erst abends nach Hause kommt.

Pressesprecher Hans Prechtl

Pressesprecher Hans Prechtl

Info:

Mülltonnen-Börse und Gebühren

Für alle, deren Müllaufkommen sich über die Jahre geändert hat, bietet das Landratsamt die Möglichkeit, ihre gebrauchten Behältnisse, kostengünstig durch kleinere oder größere Exemplare zu ersetzen. Das läuft über die Mülltonnen-Börse. So können Mülltonnen zum Kauf oder Tausch angeboten werden. Das Landratsamt führt dazu eine Liste, die aus Datenschutzgründen allerdings nicht öffentlich ist. Einen Hinweis auf die Börse gibt es im jährlich erscheinenden Müllmagazin. Neben der dort genannten Telefonnummer 09431/727 -298 kann auch die Durchwahl -254 gewählt werden. Mülltonnen gibt es in den Größen 60, 80, 120 und 240 Liter, Container fassen 770 oder 1100 Liter.

Die Preise pro Mülltonne sind wie folgt gestaffelt: 60 Liter kosten monatlich regulär 6,75 Euro, 80 Liter 10,77 Euro, 120 Liter 16,16 Euro, 240 Liter 32,31 Euro und die Container 103,68 bis 148,11 Euro. Eine Gebührenermäßigung von 15 Prozent erhalten Haushalte, die alle organischen Abfälle (Küchen- und Gartenabfälle, mit Ausnahme von gekochtem Gemüse oder Fleisch- und Fischabfällen) durch Eigenkompostierung verwerten. Auch hier gibt es Stichproben. Dazu hat der Landkreis beziehungsweise seine Mitarbeiter das Recht, die Grundstücke der Anschlusspflichtigen zu betreten, so ein Hinweis auf der Homepage des Landkreises.

Falls ausnahmsweise mehr Restmüll anfällt als in die vorhandene Restmülltonne passt, können amtliche Müllsäcke (Volumen circa 60 Liter) für 4 Euro bei den Gemeinden, im Landratsamt Schwandorf und an den Betriebshöfen der Abfuhrunternehmen erworben werden. Diese Säcke sind neben dem Restmüllbehälter am Abholtag bereitzustellen. Andere Säcke werden nicht mitgenommen.

Eine Mülltonne muss nicht auf den Müll: Das Landratsamt bietet eine Börse für gebrauchte Behälter.
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