Die Stadtverwaltung hat zwischenzeitlich einen Mitarbeiter in das Gebäude an der Jahnstraße auf dem Weinberg geschickt. Er sollte nachzählen, wie viele Menschen sich in dem Haus aufhalten. Dass er dort "nur" zwölf Leute angetroffen hat, entbindet die Stadt zunächst von einem aktuellen Eingreifen. "Wenn es mehr gewesen wären, wäre ein Sofortvollzug möglich gewesen," informierte die städtische Pressesprecherin Maria Schuierer.
In dem Haus waren eine kurze Zeit lang Flüchtlinge einquartiert, ab 2016 dann Arbeiter, die in einer großen Schwandorfer Unternehmen beschäftigt waren und sind, beiderlei Geschlechts und jeden Alters. Sie sind über die Wertheimer Firma "Fairpack Schwandorf" eines Bruno Fabris angestellt, die wohl auf Werkvertragsbasis mit dem einheimischen Großunternehmen kooperiert. "Fairpack Schwandorf" wurde Anfang dieses Jahres wirtschaftlich liquidiert, wobei fast gleichzeitig unter dem Namen "Fairpack Fabris GmbH" eine ähnliche Firma wieder neu aufgemacht hat. "Fairpack Schwandorf" hat 2017 eine Bilanzsumme von 85000 Euro ausgewiesen und über 300 Mitarbeiter beschäftigt.
Die Nachbarn an der Jahnstraße haben dem Treiben in dem überbelegten Haus zwei Jahre lang zugesehen. 2018 haben sie sich dann organisiert, da Lärm und Müll und das dauernde Kommen und Gehen die Nerven der Anwohner strapaziert hat. Es wurde eine Liste erstellt mit den Kritikpunkten und Unterschriften gesammelt. Im letzten Jahr tauchte auch Bruno Fabris vor Ort auf, konnte aber die Beschwerdeführer nicht überzeugen. Der Eigentümer des Gebäudes, ein ansässiger Handwerker, konnte oder wollte den Anliegen der Weinbergler ebenfalls nicht entgegen kommen.
Immer wieder vertröstet
Auch wenn man von Seiten der Nachbarn durchaus zugibt, dass sich in diesem Jahr die Lage etwas entspannt hat, was die wichtigen Beschwerdepunkte wie Lärm und Müll anbelangt, so ist man an der Jahnstraße aber noch weit von Zufriedenheit entfernt. "Das ist dort wie eine Pension", urteilt eine Anwohnerin, "und so ein Gewerbebetrieb ist in unserer Wohngegend nicht legal". Leider würden die entsprechenden Initiativen der Stadt seit geraumer Zeit ins Leere laufen, immer wieder seien die Verwaltung und die Nachbarn mit Aufschüben und Vertröstungen konfrontiert. Eigentlich sollten in dem Gebäude nur zwei Familien wohnen, "aber nicht bis zu 30 Einzelpersonen", wie die Nachbarn schon gezählt haben.
Auch wenn die Beschwerdeführer vor einigen Tagen mittels einer deutschsprachigen Bewohnerin des Gebäudes darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass nur noch zwölf Menschen dort leben würden, mag man das an der Jahnstraße nicht recht glauben, "Wenn da übers Wochenende zehn Menschen ausgezogen wären, das hätten wir doch mitbekommen", hieß es. Aber auch zwölf Menschen wären vermutlich zu viel, da offiziell nur zwei Bewohner gemeldet seien, also maximal zwei Familien dort leben dürften.
Bis Ende des Monats
Nach einigen Bußgeldbescheiden und Fristen, die die Stadtverwaltung dem Hausbesitzer gegenüber geltend gemacht hat, scheint es nun ernst zu werden. Am Ende dieses Monats Juni soll geräumt werden, wobei die dort lebenden Menschen auf Kosten des Hausbesitzers woanders einquartiert werden.













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