16.02.2020 - 11:14 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Doppelspitze auch im SPD-Ortsverein

Nach dem Vorbild der Bundes-SPD lässt sich jetzt auch der Ortsverein Schwandorf von einer Doppelspitze führen. Die Mitglieder wählen in der TSV-Gaststätte Karin Frankerl und Matthias Kuhn zu gleichberechtigten Vorsitzenden.

Die Schwandorfer SPD hat nun mit Karin Frankerl und Matthias Kuhn (Mitte) eine Doppelspitze.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die neue Lösung gefiel nicht allen Genossen. Altoberbürgermeister Helmut Hey fragte in der Versammlung nach der Sinnhaftigkeit einer Doppelspitze. Mit Blick auf die aktuelle Situation seiner Partei antwortete Wahlleiter Franz Schindler süffisant mit den Worten: "Geteiltes Leid ist halbes Leid". Mit elf Ja- und fünf Neinstimmen bei vier Enthaltungen beschloss die Mitgliederversammlung letztlich die neue Form der Doppelspitze.

Seit sieben Monaten ist Vorsitzende und OB-Kandidatin Karin Frankerl im Wahlkampfmodus, macht Hausbesuche, nimmt an Sitzungen teil und zeigt sich bei öffentlichen Veranstaltungen. "Ich merke, dass ich allmählich bekannter werde", stellt die "Quereinsteigerin" fest. Sie setzt sich für "eine bunte, tolerante und weltoffene Stadt" ein und ist mit Blick auf die Mitbewerber um das Spitzenamt im Rathaus überzeugt: "Ich bin die bessere Alternative zum amtierenden Oberbürgermeister".

Vorwürfe an den OB

Fraktionsvorsitzender Franz Schindler wundert sich über "die plötzlichen Ideen" der politischen Mitbewerber und fragt sich: "Warum ist davon in den letzten sechs Jahren nichts gekommen?" Kino, Hotel, Ganzjahresbad, Wasserräder, Naabbrücken, Landesjugendamt - "nichts ist passiert". Schindler vermisst ein Schulkonzept und Planungen für das Schmidt-Bräu-Gelände. "Trotz Citymanager nehmen die Leerstände in der Innenstadt zu", kritisiert der SPD-Stadtrat. Im Gegenteil: "Die Stadt stellte jetzt sogar die Rechtsstreitigkeiten mit Hausbesitzer Meierhofer ein". Der Oberbürgermeister habe "seinen Laden" nicht im Griff, vom Rathaus gingen keinerlei Impulse aus, klagt Schindler. Das führe seiner Meinung nach auch zur Frustration der Mitarbeiter. Leutseligkeit reiche nicht aus, um eine Stadt wie Schwandorf zu führen. Schindlers Wertung fällt niederschmetternd aus: "So einen schwachen Oberbürgermeister hatten wir noch nie. Feller kann es einfach nicht".

Franz Schindler bereitet die Mitglieder in den verbleibenden vier Wochen auf eine "Materialschlacht der Mitbewerber" vor und ist sich sicher: "Die werden jetzt der Reihe nach ihre Minister präsentieren". Umso mehr müsse die SPD zusammenstehen, "wenn ein Neustart mit Karin Frankerl" gelingen soll. Angesichts der zahlreichen Listen rechnet der SPD-Fraktionsvorsitzende mit "einer starken Zersplitterung im neuen Stadtrat, die es schwer machen wird, Mehrheiten zu finden". Franz Schindler engagiert sich im "Bündnis gegen Rechtsextremismus" und ruft zur Teilnahme an einer Demonstration auf, die am Sonntag, 1. März, um 15 Uhr vom Bahnhof zum Marktplatz führt. Dort findet unter dem Motto "Haltung und Gesicht zeigen" eine Kundgebung statt.

Mehr für Inklusion tun

Mit 107 Mitgliedern ist Schwandorf der größte Ortsverein im SPD-Stadtverband. Vorsitzender Matthias Kuhn (34) möchte das Thema "Inklusion" stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. "Wie können wir Menschen mit Handicap am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen?" Mit dieser Frage will der 34-jährige Heilerziehungspfleger die Menschen sensibilisieren. Er plant die Gründung einer SPD-Arbeitsgruppe "Inklusion" und will den Antrag auf Berufung eines städtischen Inklusionsbeauftragten stellen. Inklusion bedeute, "dass jeder Mensch ganz natürlich dazugehört". Stadtverbandsvorsitzender Manfred Schüller machte den Wahlkampfhelfern ein Kompliment für den Einsatz und ermunterte sie, mit Schwung und Elan in die Zielgerade einzubiegen.

Neue Mannschaft

Die Doppelspitze bilden Karin Frankerl und Matthias Kuhn. Stellvertretende Vorsitzende sind Xenia Wilk und Rodrigo Abarzua. Zum Vorstand gehören ferner Kassier Wolfgang Mager, Organisationsleiter Ludwig Blüml und Wolfgang Strahberger, Bildungsbeauftragter Helmut Hey, Seniorenbeauftragte Erna Staudacher, Schriftführer Franz Schindler sowie die Beisitzer Alois Männl, Sandra Gierl, Juliane Kuhn, Christina Swoboda, Markus Hautmann, Manfred Schüller, Elfriede Gruber und Helga Listl.

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