17.01.2019 - 14:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dubiose "Obdachlosenzeitung"

Das Blatt mit dem Titel "Street Worker" dient der Abzocke.

Höflich und bescheiden tritt der Zeitungsverkäufer auf, hier vor dem Globus, aber sein Produkt ist nur Blendwerk.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die seltsame Zeitung trägt den Titel "Street Worker" und führt dadurch schon zweimal in die Irre. Erstens wird das Blatt nicht auf der Straße (Street) verkauft, sondern vor Supermärkten, zum anderen sind die Verkäufer alles andere als Arbeiter (Worker), sondern nach Lage der Dinge wohl eher Bettler, die ihrem Tun einen seriösen Anstrich geben wollen. Denn das ist das eigentlich Ärgerliche an der Sache: Es gibt eine ordentlich eingeführte und mit gutem Leumund versehene Obdachlosenzeitschrift namens "Donaustrudl", die unter dem Bettlerprodukt zu leiden hat. "Wir sind schon dreimal deswegen gerufen worden," sagte der Schwandorfer Polizeichef Armin Kott - jedesmal lag eine Verwechslung von "Donaustrudl" und "Street Worker" vor.

Einige Geschäftsleute drücken bei dem "Street Worker"-Verkauf vor ihren Türen die Augen zu. Beim Globus ist das der Fall, auch beim Rewe in der Stadt. Andere wiederum sehen die Männer mit ihrer sogenannten Zeitung nicht gerne vorm Geschäft herumstehen, auch wenn die Bettler höflich sind und unauffällig. "Bei uns ist nur aggressives Betteln verboten", weiß Inspektionsleiter Kott.

Skepsis ist angesagt. Schon erste Recherchen fördern ein zwielichtig scheinendes Bild der Zeitung zutage. Medienberichte werfen dem Blatt vor, stets mit nahezu demselben Inhalt zu erscheinen; das einzige, was variiere, sei die Titelseite. Die Bild-Zeitung schreibt gar von einer "Abzock-Masche" von "Rumänen-Banden".

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