06.12.2018 - 10:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die Eltern müssen das Tier wollen

Alle Jahre wieder kommt der Appell, zu Weihnachten keine Tiere zu verschenken. Ganz besonders nicht an Kinder. Erwachsene müssen sich im Klaren darüber sein, dass die Pflege an ihnen hängen bleibt.

Strahlende Kinderaugen sind in diesem Fall programmiert, aber so ein Hund wird gut 15 Jahre alt. Da kann das Kind längst aus dem Haus sein, der Hund bleibt. Unser Hund im Bild hat Glück: Er war nie ein Weihnachtsgeschenk und er wird hoffentlich mindestens 15 Jahre alt.

Wenn der Bub sich die Ratten unbedingt einbildet, soll er sie in Gottes Namen bekommen. Aber Mutter wird die scheußlichen Tiere niemals anfassen. Ein fatales Einknicken. Fatal für die Tiere, deren Tage in der Familie gezählt sind.

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke. Der Satz ist so abgedroschen, dass er beinahe weh tut. Und trotzdem sitzen sie Jahr für Jahr wieder unterm Weihnachtsbaum. Die Hunde und Katzen. Die Ratten, Hamster und Meerschweinchen. Manchmal sogar Schlangen und Spinnen.

Nicht nachgeben

Jahr für Jahr knicken Eltern angesichts des Kinderwunsches nach einem Haustier ein. Geben irgendwann nach und kaufen Hund oder Ratte, obwohl sie selbst nie ein Tier im Haus haben wollten. Und an dem Punkt beginnt das Unglück.

Gabi Hahn, seit mehr als 20 Jahren Vorsitzende des Tierschutzvereins Stadt und Landkreis Schwandorf, der das dortige Tierheim betreibt, weiß um das Problem tierischer Weihnachtsgeschenke. Sie hält grundsätzlich nichts davon, Tiere unter den Weihnachtsbaum zu setzen, sagt sie. Aus diesem Grund würden im Tierheim Schwandorf wie auch in den meisten anderen Tierheimen und Tiervermittlungen vor Weihnachten keine Tiere mehr abgegeben. Anfragen gebe es genug, sagt sie, diese würden jedoch durch die Bank auf Januar vertröstet. Wer sich aber für ein tierisches Weihnachtsgeschenk entschieden hat, hat noch genügend andere Möglichkeiten. Bei Züchtern, wenn sie nicht zu den verantwortungsvollen gehörten, sei jederzeit ein Weihnachtsgeschenk zu bekommen, ebenso in den Zoogeschäften. "Das können wir nicht verhindern", sagt Hahn, auch wenn das von ihr geführte Tierheim wie andere Heime kurze Zeit später die "Geschenke" in ihren Boxen hätten. Hahn will nicht verneinen, wie sie sagt, dass es durchaus auch einmal gut gehen könne mit einem solchen Weihnachtsgeschenk, aber die Regel sei bedauerlicherweise das Gegenteil. Der Grund sei ein einfacher: Die Erwachsenen im Haushalt, die Eltern, müssten das Tier unter dem Weihnachtsbaum wollen. Nein, sie müssten es nicht nur selbst wollen, es müsse ihnen auch klar sein, dass es ihr Tier sei, nicht das Tier des Kindes. Und wenn man zustimme, ein Tier ins Haus zu holen, das einem selbst unangenehm sei, dann sei das grundsätzlich ein Fehler. "Entweder die Eltern wollen das Tier oder es funktioniert nicht", sagt Hahn und lässt keinen Zweifel daran, dass es in dieser Frage auch keine Kompromisse gebe.

Es sei vollkommen absurd zu glauben, dass ein Kind sich dauerhaft und zuverlässig um ein Tier kümmere. Dass es täglich mit einem Hund spazieren gehe, regelmäßig das Katzenklo sauber mache oder den Vogelkäfig oder das Terrarium. Dazu komme, dass ein Kind Anleitung brauche, um etwa einen Hund zu erziehen. Und schließlich sei sehr ernsthaft zu bedenken, wie alt ein Hund oder eine Katze werden könnten: "Da sind die Kinder längst aus dem Haus und verheiratet, der Hund und die Katze sind aber immer noch da", sagt Hahn.

Appelle fruchten

Die Tierheimleiterin kennt das Problem nur zu gut, hat allerdings eigenen Worten zufolge den Eindruck, dass die alljährlichen Appelle doch endlich fruchten. Es sei schon schlimmer gewesen, trotzdem würden nach wie vor etwa ein Vierteljahr nach Weihnachten in allen Tierheimen "Geschenke" abgegeben. Für Hahn ist eine Sache unverhandelbar: "Es wird immer der Hund der Eltern sein." Ein Satz, der auch für Ratten, Meerschweinchen und Vogelspinnen gilt. Hahn will damit sagen, dass es "niemals gut gehen" könne, wenn Eltern sich den Kindern zuliebe Tiere ins Haus holten, die sie selbst nicht mögen.

Hahn beschreibt den Fall, in dem eine Mutter im Tierheim anrief und klagte, ihre Tochter habe ihr nach ihrem Auszug ein knappes Dutzend Ratten hinterlassen, die sie aus Ekel nicht versorgen könne. Dasselbe hätten sie schon mit Schlangen und Spinnen erlebt, sagt Hahn. "Ein Irrsinn!" Wenn man eine Vogelspinne nicht füttern könne oder sich vor Ratten ekle, dann dürfe man dem Nachwuchs auch niemals die Anschaffung dieser Tiere gestatten. Hahn ist in diesem Punkt vollkommen kompromisslos. Was verständlich ist, da sie und ihren Kollegen aus anderen Tierheimen die Unvernunft ausbaden müssen.

Fundtiere nach Silvester

Aber die Tierheime sind nicht nur nach Weihnachten besonders gefragt. Nach Silvester würden viele Fundtiere abgeliefert, die wegen des Lärms weggelaufen seien. Diese würden aber in aller Regel komplett wieder abgeholt.

Noch andere Fälle würden häufiger: die tierischen Geschenke, von denen der Beschenkte noch nicht einmal weiß. Da bekomme der einsame Opa dann einen Hund geschenkt, obwohl er noch niemals den Wunsch nach einem Haustier geäußert habe. Und ehe man sich versehe, sei der Hund Insasse des Tierheims.

Gabi Hahn – mit Spitz Kucki – ist seit mehr als 20 Jahren Vorsitzende des Tierschutzvereins Schwandorf, der das dortige Tierheim betreibt. Sie weiß um das Problem tierischer Weihnachtsgeschenke.
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