19.01.2021 - 11:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Engagement in Krisenzeiten: Geht es dem Ehrenamt an den Kragen?

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Wie kommen Caritas und die Feuerwehr durch die Coronakrise? Schadet die Pandemie dem Ehrenamt im Kreis Schwandorf? Oberpfalz-Medien hat sich umgehört und bei den Stellen nachgefragt.

Ohne das Ehrenamt wäre die Caritas kaum das, was sie ist. Im Landkreis haben sich schnell Freiwillige gefunden, die die Lücke gestopft haben, die die Pandemie gerissen hat.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Einen großen Teil seiner Arbeit kann der Caritasverband Schwandorf nur leisten, weil es Menschen gibt, die ehrenamtlich bei der Tafel oder zum Beispiel im Hospizdienst tätig sind. Das Ehrenamt bei der Caritas ist ohne persönlichen Kontakt nicht denkbar. Wie groß ist die Lücke, die das Coronavirus geschlagen hat? Hat der Verband nach den Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr Lösungen gefunden? Oberpfalz-Medien sprach mit Wolfgang Reiner. Er ist Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes im Landkreis Schwandorf.

Freiwillige füllen Lücke

Wie eigentlich jeden hat den Verband das Virus und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr ein Faustschlag getroffen. Viele der Ehrenamtlichen waren Rentner, die selbst zur Risikogruppe gehören. "Das hat ein großes Loch gerissen", sagt Reiner.

Doch die Bereitschaft in der Bevölkerung die Lücken zu füllen, dürfte den Verband selbst überrascht haben. Reiner: "Wir haben einen Aufruf über Presse und Medien gestartet, dass wir nach Ehrenamtlichen suchen." Binnen acht Wochen haben sich 19 Menschen aus Schwandorf und zehn aus dem Städtedreieck gemeldet, die helfen wollen. Diese sind nun vor allem bei der Tafel im Dienst, so dass Reiner nun behaupten kann: "Wir haben beim Ehrenamt keine Veränderung. Die Lage hat sich soweit stabilisiert, dass wir sagen können, dass unsere Angebote weiter funktionieren." Reiner hebt auch den Hospizdienst in Nittenau hervor. Auch hier haben sich innerhalb kurzer Zeit Menschen gefunden, welche die Lücke im Ehrenamt geschlossen haben. Reiner: "Seit dem Frühjahr konnten wir uns auf die Situation einstellen, heute sind wir gut aufgestellt."

Lehrgänge fehlen

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Der Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis, Hans-Jürgen Schlosser, unterstreicht, dass es am Engagement der Freiwilligen nicht mangelt: "Die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen groß". Das Problem im Moment sei aber, dass die wichtigen Standort-Lehrgänge nicht stattfinden können. "Ein ganzes Jahr ohne, das ist schon hart", sagt Schlosser.

Keine Traumata seit Pandemie

Von Glück im Unglück kann er sprechen, dass das Corona-Jahr bislang größtenteils von Einsätzen oder Unfällen verschont blieb, die belastende oder gar traumatische Erfahrungen für die Einsatzkräfte mit sich gebracht hätten - sprich, es gab kaum tragische Unfälle, die an die Niere gehen. Denn derzeit können Nachbesprechungen im Team im Feuerwehrhaus nicht wie gewohnt stattfinden. "Die Einsatzleiter sind da aber recht kreativ", weiß Schlosser. Unfallnachbesprechungen würden direkt an der Einsatzstelle geführt, wer ein längeres Gespräch suche, könne dies über einen Videoanruf führen.

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Deutschland und die Welt

Laut Schlosser lässt es sich heute nicht sagen, ob das Ehrenamt durch die Coronakrise langfristig Schaden nehmen wird: Denn wenn es auch heute nicht so aussieht, könnten die Nachwehen später noch bevorstehen, spielt Schlosser darauf an, dass sich Nachwuchsprobleme ergeben könnten. Schlosser: "Vielleicht bekommen wir die Folgen erst heuer oder im Jahr 2022 zu spüren. Wir müssen uns auf jeden Fall gut aufstellen und schauen, dass wir eventuelle Verluste mit gezielter Mitgliederwerbung wieder ausgleichen können."

"Vielleicht bekommen wir die Folgen erst im Jahr 2021 oder 2022 zu spüren. Wir müssen uns auf jeden Fall gut aufstellen und schauen, dass wir eventuelle Verluste mit gezielter Mitgliederwerbung wieder ausgleichen können."

Feuerwehrsprecher Hans-Jürgen Schlosser

Feuerwehrsprecher Hans-Jürgen Schlosser

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