Schwandorf
09.10.2018 - 10:09 Uhr

Engagiert ohne Blockdenken

Die zwei Männer kennen und respektieren sich, auch wenn sie unterschiedlichen Parteien angehören. Aber wann hört man schon einmal, dass jemand dem politischen Konkurrenten einen Wahlerfolg wünscht?

Die beiden Bezirkstagkandidaten Landrat Thomas Ebeling (links) und der Nabburger Bürgermeister Armin Schärtl unterwegs im Park des Oberpfälzer Künstlerhauses. Bild: Gerhard Götz
Die beiden Bezirkstagkandidaten Landrat Thomas Ebeling (links) und der Nabburger Bürgermeister Armin Schärtl unterwegs im Park des Oberpfälzer Künstlerhauses.

Treffpunkt für das Doppelinterview ist die Kebbel-Villa, also das Oberpfälzer Künstlerhaus. Vielleicht ist es die gediegene Atmosphäre des Kunsttempels, die die Lust an der Polemik dämpft, vielleicht ist es auch die politische Erfahrung der beiden Kontrahenten, oder es liegt am Thema, dass die Emotionen nicht so hoch kochen. Mit anderen Worten, es geht um die bevorstehende Bezirkstagswahl - sie ist am gleichen Tag wie die Wahl zum bayerischen Landtag, am nächsten Sonntag also.

Für die CSU bewirbt sich Landrat Thomas Ebeling um einen Sitz, für die SPD tut dies der Nabburger Bürgermeister Armin Schärtl, beide auch als Direktkandidaten ihrer jeweiligen Partei. Ebeling sieht das ganz pragmatisch: "Es ist vernünftig, dass der Landkreis im Bezirkstag vertreten ist." Das beurteilt auch Armin Schärtl so. "Ein Landrat gehört unbedingt dort hinein, aber auch ein zweiter Vertreter des Landkreises wäre in dem 16-köpfigen Gremium nicht schlecht." Dass er damit sich selbst meint, liegt auf der Hand. Das hat auch etwas mit dem Freilandmuseum zu tun.

Daueraufgabe Museum

Das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen ist ein Museum in der Trägerschaft des Bezirks Oberpfalz, und es liegt auf der Fläche der Stadt Nabburg, also Schärtls Heimat. Damit nicht genug, ist der Bürgermeister auch noch Vorsitzender des Fördervereins des Museums. "Das ist eine Daueraufgabe, da muss man immer am Ball bleiben", betont der Sozialdemokrat und lobt die Freigiebigkeit des Bezirks, wenn es um Kultur geht.

Zu wenig Pflegende

Wobei Schärtl und Ebeling auch darauf hinweisen, dass der enorme Jahresetat des Bezirks Oberpfalz von 460 Millionen Euro überwiegend in den Sozialhaushalt fließt. Immerhin ist der Bezirk unter anderem zuständig für ein großes Krankenhaus. Das Bezirksklinikum Regensburg (kurz BKR) ist ein Standort für verschiedene Fachkliniken und Institute in Trägerschaft der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz.

3500 Mitarbeiter zählen die verschiedenen Einrichtungen des Bezirks zusammengenommen, "für die ich", so Schärtl, "auch ein Ansprechpartner sein möchte". Aber gerade mit Blick auf die pflegenden Einrichtungen des Bezirks bedauert der Sozialdemokrat, dass es noch mehr sein könnten: "Es wird immer schwieriger, Pflegekräfte zu finden für Behinderte und Schwerbehinderte." Für diesen speziellen Bereich müsste unbedingt mehr Personal rekrutiert werden, sind sich Schärtl und Ebeling einig.

Die Hauptverwaltung des Bezirks ist gar nicht soweit weg vom Krankenhaus, an der Ludwig-Thoma-Straße in Regensburg. Das heißt aber nicht, dass der Bezirkstag oder seine Ausschüsse dort auch immer zusammenkommen. "Der Kulturausschuss des Bezirkstags traf sich zum Beispiel im Künstlerhaus hier in Schwandorf zur Sitzung", wusste Thomas Ebeling. "Das stimmt, die Ausschüsse sind oberpfalzweit unterwegs", ergänzte Armin Schärtl.

Da beide Kommunalpolitiker bislang dem Bezirkstag nicht angehören, stellt sich natürlich die Frage der Vorbereitung auf diese zusätzliche Aufgabe. Richard Gassner (Kümmersbruck), der bisherige Fraktionsvorsitzende der SPD im Bezirkstag "hat eine umfangreiche Handreichung zusammengestellt, was auf uns zukommt", erzählte Schärtl, der das dicke Geheft mit vielen Zahlen auch dabei hat.

Lange Tradition

Ebeling ist der Ansicht, "man muss das auf sich zukommen lassen". Immerhin hat er bereits intensiven Kontakt zur CSU-Bezirkstagsfraktion, hat an einer entsprechenden Klausurtagung teilgenommen und sich in den Bezirkshaushalt eingearbeitet. Für beide ist klar, "dass diese dritte kommunale Ebene im Freistaat eine gute und lange Tradition hat und wichtig ist".

Sehr sachorientiert

Diese Wertschätzung überträgt sich auf die Bezirksräte. "Ich kenne praktisch alle bisherigen Bezirksräte", versichert Schärtl, "die arbeiten dort relativ unpolitisch". Dass es kein Blockdenken zu geben scheint bezeugt auch Ebeling aus seiner bisherigen Erfahrung heraus: "Mit den Bezirksräten, die ich kenne, kann man sehr gut klarkommen, die arbeiten in den Sitzungen sehr harmonisch und sachorientiert."

Das, so darf man annehmen, soll sich auch nicht ändern. Zumindest nicht, wenn Ebeling und Schärtl ihr Wahlziel erreichen.

Links der Sozialdemokrat Schärtl, rechts der Christdemokrat Ebeling, dazwischen Kunst in der Kebbel-Villa. Soweit, wie es das Bild suggerieren könnte, die sind beiden Kommunalpolitiker gar nicht auseinander – besonders mit Blick auf den Bezirkstag. Bild: Gerhard Götz
Links der Sozialdemokrat Schärtl, rechts der Christdemokrat Ebeling, dazwischen Kunst in der Kebbel-Villa. Soweit, wie es das Bild suggerieren könnte, die sind beiden Kommunalpolitiker gar nicht auseinander – besonders mit Blick auf den Bezirkstag.
"Es ist vernünftig, dass der Landkreis im Bezirkstag vertreten ist." Bild: Gerhard Götz
"Es ist vernünftig, dass der Landkreis im Bezirkstag vertreten ist."
"Ein zweiter Vertreter des Landkreises wäre in dem Gremium nicht schlecht." Bild: Gerhard Götz
"Ein zweiter Vertreter des Landkreises wäre in dem Gremium nicht schlecht."
 
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