17.04.2020 - 15:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Erinnerung für Intensiv-Patienten

Seit gut einem Jahr gibt es das Intensiv-Tagebuch am Barmherzige-Brüder-Krankenhaus St. Barbara Schwandorf. Während der Corona-Pandemie haben diese Bücher einen noch größeren Stellenwert.

Das Intensivtagebuch ist für Wolfgang Wack eine Herzensangelegenheit. Der Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf hat es selbst über mehrere Monate hinweg konzipiert.
von Externer BeitragProfil

Bei Patienten, die in ein künstliches Koma versetzt oder die über einen längeren Zeitraum beatmet werden, bleibt das Leben außerhalb der Intensivstation stehen. "Oft fragen die Patienten nach ihrer Behandlung, was während dieser Zeit passiert ist", heißt es in einer Mitteilung des Krankenhauses St. Barbara. Um das Geschehen auf der Intensivstation wie im realen Leben nachvollziehen zu können, erhalten Patienten ein persönliches Intensiv-Tagebuch.

Durch die Corona-Pandemie sind Besuche in Krankenhäusern generell untersagt. Für Intensivpatienten bedeutet das, dass ihnen Angehörige oder Freunde nicht von der Situation im Krankenhaus erzählen können. Und viele Patienten haben keine Erinnerungen nach dem Koma. Intensivpatienten kämpfen nach dem Krankenhausaufenthalt oft mit Depressionen und Ängsten. In der Vergangenheit gab es immer wieder Beatmungspatienten, die nach ihrer Behandlung zurück ins Krankenhaus St. Barbara kamen, um zu sehen, wo sie lagen, wie es auf der Intensivstation aussieht und die ein Gespräch mit den Ärzten und Pflegefachkräften suchten.

In Zeiten von Corona wird es für beatmete Patienten nicht einfacher. Durch das allgemeine Besuchsverbot erhalten sie während des Krankenhausaufenthalts keinen Besuch von Familie und Freunden. Wolfgang Wack, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus, hat diese Problematik schon lange vor "Corona" erkannt und ein Intensiv-Tagebuch konzeptioniert. Es wird vom Pflegepersonal und von den Ärzten geführt. Darin werden zum Beispiel die stationäre Aufnahme, der Aufenthalt im Krankenhaus St. Barbara und der Krankheitsverlauf sowie die verschiedenen Entwicklungsschritte des Patienten chronologisch beschrieben.

Das Intensiv-Tagebuch dient den Patienten nach der Zeit auf der Intensivstation als Anhaltspunkt. Den Betroffenen fehlen Tage oder sogar Wochen ihres Lebens, in denen sie nicht mehr aktiv waren, nicht mehr der gewohnten Arbeit und den geliebten Hobbys nachgehen konnten. Das fehlt den Patienten. "Wenn man aber einen Anhaltspunkt hat und in Ruhe nachlesen kann 'Aha, das war eine Zeit, da habe ich geschlafen, da war mein Kreislauf noch schlecht, die Wunde war schlecht verheilt', dann hilft einem das, das Ganze zu verarbeiten", wirbt Wolfgang Wack für sein Werk. Der Patient kann das Tagebuch sogar weiterführen, wenn er dies möchte - zum Beispiel während einer anschließenden Reha-Maßnahme.

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