10.07.2019 - 17:32 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ermittler als Rauschgiftkunden

Die Polizei weiß: Im Schwandorfer Stadtpark häufen sich Drogendeals. Sie schleust verdeckte Ermittler des Landeskriminalamts ein und landet einen Volltreffer. Drei in in U-Haft genommene Asylbewerber sitzen vor dem Jugendschöffengericht.

von Autor HWOProfil

Andrang im Sitzungssaal des Amberger Jugendschöffengerichts: Drei Angeklagte, sechs die Männer aus Justizvollzugsanstalten vorführende Polizisten, drei Dolmetscher, vier Verteidiger und der Staatsanwalt. Erstmals steht Schwandorf im Mittelpunkt eines Verfahrens, bei dem Asylbewerber im Verdacht stehen, umfangreich mit Rauschgift gehandelt zu haben. Ähnliches war zuvor auch schon in Amberg und Weiden geschehen.

Im Schwandorfer Stadtpark hatten sich ab Spätsommer 2018 die Fälle unerlaubten Marihuana-Verkaufs im Stadtpark gehäuft. Die Behörden bekamen Kenntnis davon und schalteten verdeckte Ermittler des Münchener Landeskriminalamts (LKA) ein. An einem Novembertag führte die gezielte Aktion schließlich zum Erfolg: Ein junger Asylbewerber bot den Zivilbeamten Marihuana zum Kauf an. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Mehrere hundert Gramm Canabisprodukte beschlagnahmt, früher stattgefundene Drogendeals nachgewiesen, Durchsuchungen mit Sicherstellung von Feinwaagen und Handys. Drei Asylbewerber kamen in U-Haft. Sie hatten alle etwas mit den Drogenverkäufen und der Beschaffung zu tun.

Die jungen Männer - zwei 19-Jährige und einer 20 Jahre alt - saßen seither hinter Gittern. Sie waren bereits vor längerer Zeit in ihrer Heimat geflüchtet und wurden nach abenteuerlichen Wegen durch halb Europa in Schwandorfer Wohngruppen untergebracht. Nach über siebenmonatiger U-Haft wurden die Männer jetzt vor das Amberger Jugendschöffengericht geführt und legten Geständnisse ab. Für diese Bekenntnisse zu den Drogendeals hatten ihnen die Richter zuvor zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafen zugesichert. Für den Haupttäter zwischen eineinhalb und knapp zwei Jahren, für die beiden anderen Gefängnis zwischen neun und 14 Monaten. Nur einer von ihnen stand bisher in Deutschland vor Gericht.

Die auf drei Tage angesetzte Verhandlung verkürzte sich durch die Geständnisse erheblich. Das Amberger Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung verzichtete auf Zeugen. Es hörte allerdings die Gutachten medizinischer Sachverständiger. Sie bescheinigten zwei der Beschuldigten zwar einen Missbrauch von Marihuana, hielten aber die Einweisung in den Drogenentzug nicht für notwendig.Plädoyers und Urteile werden am 19. Juli stattfinden. Dabei steht bereits fest: Die Männer werden nicht länger in U-Haft bleiben. Sie können dann in ihre Wohngruppen zurückkehren.

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