Die teilweise Legalisierung von Cannabis wirkt sich auf die Arbeit in der Fachambulanz für Suchtprobleme Schwandorf aus. Die Zahl der Klienten, die vor allem wegen des Missbrauchs dieser Droge die Schwandorfer Beratungsstelle aufsuchten, hat sich 2023 gegenüber den Vorjahren etwa halbiert und liegt noch bei 58. Der Grund laut Ambulanz-Leiterin Karin Schmittner völlig klar: Das Ende der strafrechtlichen Verfolgung bedeutet, dass weniger Konsumenten verurteilt und, beispielsweise als Bewährungsauflage, zum Beratungsgespräch geschickt werden. "Wir begrüßen die Entkriminalisierung," sagt Schmittner, fügt aber im gleichen Atemzug hinzu: "Gleichzeitig ist klar, dass der Konsum alles andere als gesund ist." Die Hemmschwelle, Cannabis zumindest zu probieren, sei gesunken, zeigt sie sich bei einem Pressegespräch überzeugt. Ob der Konsum seit der Legalisierung auch gestiegen ist? Das lasse sich aus Sicht der Fachambulanz nicht sagen. Aber so viel ist klar: Die legale Einfuhr von Cannabis habe sich vervierfacht, hat Sozialtherapeut Helmut Würzl recherchiert, der zum Team der Ambulanz gehört.
Konsum ist Symptom
"Der Konsum ist ein Symptom. Die Frage ist: Was steckt dahinter?", sagt Schmittner. Sie kümmert sich in der Fachambulanz vor allem um Klienten, die Probleme mit illegalen Drogen haben. Sie stellt mit Blick auf ihre Kollegen Morena Miut, Helmut Würzl und Martin Kudler fest: "Wir machen alle alles." Denn Ziel der Fachambulanz sei es, jedem Ratsuchenden so schnell wie möglich ein Gespräch zu ermöglichen. "Heimgeschickt wird keiner", sagt Schmittner. Das Bedarf besteht, zeigen die Zahlen: Die Fachambulanz hat im vergangenen Jahr 685 Klienten betreut.
Rund 270 von ihnen suchten wegen des Konsums von illegalen Drogen – darunter fällt in der Statistik auch Cannabis – Hilfe. Rund 60 von ihnen suchten wegen Problemen mit Crystal den Weg zu den Beratern. 64 Menschen mit einer Opiat-Abhängigkeit werden in Schwandorf betreut, deutlich mehr als ein Jahr zuvor. Auch das hat einen einfachen Grund: In Schwandorf hat eine Arztpraxis eine Außenstelle eröffnet, die die Substitutionsbehandlung anbietet. Die Einbindung in die Suchtberatung gehört dazu und wird von den Betroffenen genutzt. "Das ist oft klassische Sozialarbeit", etwa Hilfe bei Behördenformularen oder ähnlichem, sagt Schmittner.
Verhalten analysieren
Die Mehrheit der Ratsuchenden kommt aber wegen Problemen mit einer legalen Droge: Alkohol. Daran ändern auch Trends wie der Verzicht während der Fastenzeit oder "Dry January" nichts. Dennoch: Was vielleicht als Mode daherkommt, sogar unterstützt von Apps auf dem Smartphone, kann für den ein oder anderen Anlass sein, über den eigenen Konsum nachzudenken. Wer merkt, dass ihm der Verzicht schwer fällt oder er sogar kaum zu schaffen ist, für den steht Beratung bereit. "Natürlich können Leute zu uns kommen, die ihren Konsum überprüfen wollen", sagt Karin Schmittner. Sozialtherapeut Helmut Würzl hat den "Dry January" samt App ausprobiert. Das sei ganz gut gemacht.
Der Weg in die Fachambulanz steht nicht nur selbst Betroffenen offen. Angehörigen von Menschen, die Probleme mit Drogen oder Alkohol haben, steht die Caritas-Einrichtung ebenfalls offen. 47 nutzten im vergangene Jahr diese Möglichkeit. Der Einstieg ist für sie wie alle Ratsuchenden auch anonym über das Netz möglich, etwa über das Portal DigiSucht. Über die Eingabe der Postleitzahl werden Hilfesuchende den nächstgelegenen Stellen zugewiesen. Verschwiegenheit natürlich auch bei persönlichen Gesprächen zu den Grundsätzen. Eine Stabilisierungs- und eine Nachsorgegruppe bietet die Möglichkeit, zum Beispiel nach einer Entgiftung die Abstinenz zu festigen. Das Angebot der Fachambulanz ist breit gefächert, und grundsätzlich kostenlos. Eine Ausnahme bilden die Vorbereitungskurse für die "Medizinisch Psychologische Untersuchung" (MPU). Diese kann Voraussetzung sein, um nach einem Alkohol- oder Drogendelikt im Straßenverkehr den Führerschein wieder zu erlangen.
Kontakt zur Ambulanz
- Adresse: Ettmannsdorfer Straße 2-4, Schwandorf. Außensprechstunde: Oberviechtach, Dienstag 14 bis 17 Uhr (Schönseer Straße 1, nach Anmeldung)
- Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, Donnerstag 8 bis 12 und 13 bis 19 Uhr; Freitag 8 bis 15 Uhr. Termine nach Vereinbarung sind auch nach 17 Uhr möglich.
- Telefon: 09431/9980680
- E-Mail: beratung[at]suchtambulanz-schwandorf[dot]de
- Netz: www.caritas.de/onlineberatung; www.suchtberatung.digital; www.suchthilfe-ostbayern.de





















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