26.08.2018 - 15:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Fast vier Stunden Märchen-Kini

Film-Legende Helmut Berger ist auf Einladung von Kino-Betreiber Fredrik Hohrath nach Schwandorf gekommen.

Film-Legende Helmut Berger (links) war auf Einladung von Kino-Betreiber Fredrik Hohrath (rechts) nach Schwandorf gekommen.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

(rhi) Man schrieb den 10. August 1871. Der deutsche Kaiser Wilhelm I. fuhr mit einem einfachen Personenzug in den Schwandorfer Bahnhof ein und stieg in den noblen Express des bayerischen Königs Ludwig II. um, der dort wartete. Die beiden Monarchen fuhren gemeinsamen nach Regensburg weiter. An diese Begegnung erinnerte Ludwig-Biograph Marcus Spangenberg zu Beginn des Filmgesprächs mit dem Schauspieler Helmut Berger am Sonntag im Lichtwerk-Kino.

Die Film-Legende hatte die Einladung des Kino-Betreibers Fredrik Hohrath nach Schwandorf angenommen. Gestützt von seinem Begleiter betrat der 73-jährige das Lichtspieltheater und nahm Platz, um sich gemeinsam mit den Besuchern den Film "Ludwig II" in Originallänge von 238 Minuten anzuschauen. Es war also Sitzfleisch gefordert. Anschließend gab der Schauspieler eine Autogrammstunde.

Einen Tag nach dem Geburtstag des Märchenkönigs (25. August 1845) lud Frederik Hohrath zur Auftaktveranstaltung der Filmreihe "Lichtblicke" ein, die Meilensteine der Filmgeschichte auf die Leinwand zurückbringen soll. Das trifft auf "Ludwig II" allemal zu. Der Film gilt bis heute als Höhepunkt in Bergers Schauspielerkarriere. Das Lichtwerk-Kino präsentierte den Klassiker von Regisseur Luchino Visconti in der rekonstruierten Originalfassung. Und nicht etwa in der um eine Stunde gekürzten Version, die 1972 in die deutschen Kinos kam. Damals wurde der Film radikal zensiert, um Anspielungen auf die Homosexualität des Märchenkönigs zu vermeiden.

Viscontis "Ludwig II" zeichnet das Leben des bayerischen Königs von seiner Jugend an bis hin zu seinem Tode nach und beschäftigt sich eingehend mit Leben und Niedergang des Monarchen. Der Fokus liegt hierbei auf der Person Ludwigs, nicht etwa auf den geschichtlichen Ereignissen. Helmut Berger, 1944 in Österreich geboren, feierte vor allem in den 1960er und 1970er Jahren internationale Erfolge. Die Zusammenarbeit mit Luchino Visconti, Bergers Lebensgefährte bis zu dessen Tod im Jahr 1976, verhalf dem Darsteller zum internationalen Durchbruch. Berger wirkte neben "Ludwig II" in vielen weiteren Welterfolgen mit, wie etwa dem Oscar-prämierten Film "Der Garten der Finzi Contini", "Das Bildnis des Dorian Gray" oder "Gewalt und Leidenschaft". Für seine schauspielerische Leistung in "Die Verdammten" wurde Helmut Berger für einen Golden Globe nominiert. Seine Erfolge reichen jedoch weit über das Filmische hinaus: 1970 war er der erste Mann, der auf dem Cover der Vogue als "schönster Mann der Welt" abgebildet wurde. Er drehte ein Musikvideo mit Madonna und arbeitete fürs Fernsehen ("Der Denver Clan"). Im Februar feierte Helmut Berger im Alter von 73 Jahren zudem sein Bühnendebüt im Stück Liberté an der Berliner Volksbühne.

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