20.12.2019 - 13:15 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Fataler Irrtum an der Führerscheinstelle

Ein 24-Jähriger Osteuropäer muss sich wegen fahrlässigen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht verantworten. Nun muss er Geldstrafe zahlen und vier Wochen lang zu Fuß gehen.

Symbolbild.
von Autor HWOProfil

Der Fall ist exemplarisch für wahrscheinlich Hunderte solcher Begebenheiten, die sich täglich in Deutschland ereignen. Ein Ausländer geht zur Behörde, versteht wenig bis nichts. Das führt zu Verwirrungen, Fehlverhalten und schließlich Ermittlungen der Exekutive.

Der Mann stammt aus einem osteuropäischen Staat, der heute zur EU gehört. Vor ein paar Jahren zog er in den südöstlichen Kreis Schwandorf und wurde gestoppt, als er betrunken am Steuer seines Wagens saß. Die Behörden kassierten den Führerschein, der in seinem Heimatland ausgestellt worden war. Ab dann ging der heute 34-Jährige zu Fuß. Nach über einem Jahr, so ließ der Arbeiter nun vor der Schwandorfer Amtsrichterin Verena Bösl übersetzen, sei er bei der Verkehrsbehörde erschienen und habe sich erkundigt, ob und wann man ihm die Lizenz zurückgebe. Was er verstand, war: Bilder und Daten seien zu bringen, außerdem ein von seiner deutschen Heimatgemeinde beglaubigtes Formular zum Wohnsitz.

Unterlagen beigebracht

All das erledigte der Familienvater, gab die erwünschten Unterlagen ab, kapierte abermals wenig bis nichts. Aber damit, so erfuhr die Richterin, sei er der festen Überzeugung gewesen, wieder fahren zu dürfen. Ein fataler Irrtum.

Am 22. Juli 2018 erwischten zwei Polizeibeamte den Osteuropäer, als er eben mit seinem Auto Medikamente für die erkrankte kleine Tochter aus einer Apotheke abgeholt hatte. Der Computer signalisierte den Beamten: "Fährt ohne Führerschein". Da war die Tour zu Ende und der Mann, so berichtete nun einer der Uniformierten, "hat geweint." Fakt war: Die Verkehrsbehörde in der Kreisstadt war noch dabei, dem Ausländer einen neuen Führerschein auszustellen. Den bekam er mit Datum vom 12. August 2018. Erst ab dann hätte er wieder fahren dürfen. Das Dokument zeigte der 34-Jährige nun zwar vor. Doch es dauerte einige Zeit, bis man ihm per Dolmetscherin verdeutlicht hatte, dass er drei Wochen zu früh am Steuer saß. Der Fall endete mit einer Verurteilung wegen des seltenen Tatbestands des fahrlässigen Fahrens ohne Führerschein. Denn dass er vorsätzlich ohne Genehmigung am Lenkrad saß, war nicht nachzuweisen.

Vier Wochen zu Fuß

Der Mann aus einem Staat im Baltikum muss 1000 Euro Geldstrafe zahlen (Kommentar: "Sie hätten sich schon genauer erkundigen müssen") und im Rahmen eine verhängten Fahrverbots vier Wochen lang zu Fuß gehen. Auch das verstand er nicht. Doch Deutschland will er demnächst zusammen mit seiner Frau verlassen und in die Heimat zurückkehren. Seine Tochter ist schon umgezogen.

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