Schwandorf
04.06.2018 - 15:44 Uhr

Auf den Feldern "durchwachsen"

"Wir merken den Klimawandel gewaltig". Seit seinen Kindertagen 1976, wo mit Odelfässern bewässert wurde, kann sich BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann nicht an eine derartige Trockenheit im Mai und den ersten Junitagen erinnern.

Matthias Hösl und sein Sohn Christof bauen Frühkartoffel an. Ein Bereich, der ohne die Möglichkeit zur Beregnung nicht machbar wäre. Völkl
Matthias Hösl und sein Sohn Christof bauen Frühkartoffel an. Ein Bereich, der ohne die Möglichkeit zur Beregnung nicht machbar wäre.

Und wenn es regnete, hatte das auch einen Haken: Dann waren es Gewitter, die schnürlgrad runtergehen. Das sorgt für Abschwemmungen. Der Schwandorfer BBV-Geschäftsführer ist viel unterwegs im Landkreis. Getreide, Kartoffeln, Raps - die Situation ist sehr "durchwachsen". Da hatte man Starkregen in Klardorf, während im Nabburger Bereich "ein paar Literchen" von oben kamen. "Die Kulturen darben", vor allem auf sandigen Böden wie im Raum Schwarzenfeld, Schwandorf. Auch in Perschen bei Nabburg greift man dann zur Beregnung der Frühkartoffeln, um den Bestand zu erhalten.

Für die Wintergerste kommen die Niederschläge zu spät. Die Körner sind schlecht ausgeprägt. Schmachtkorn nennt man das. "Der Mähdrescher fetzt das bei der Ernte raus". Auch der Winterweizen braucht Wasser. "Die großen Erträge sind weg", meint Wittmann. Keine Top-Ergebnisse wird es auch beim Sommergetreide geben. Der Mais hingegen wartet ab. Wenn er noch genügend Regen bekommt, "schiebt er los". Raps ist für Wittmann schwer einzuschätzen. Auf manchen Feldern wurden die Blütenstände abgeworfen. Bei Grünfutter ist die Silowirtschaft ein Vorteil. Beim frühen Schnitt wurden bereits rund 40 Prozent eingefahren, um ein Polster für den Winter zu haben.

Beim "schönen" Wetter im Mai sonnten sich auch die Schädlinge. Wittmann nennt Rapsglanzkäfer, Kohlschotenrüssler, Blattläuse und das Getreidehähnchen. Seine Prognose: "Wir hatten einen trockenen Mai wie noch nie. Eine Rekordernte wird es bestimmt nicht". Eine "normale" sei mit einem Fragezeichen versehen. Das Endergebnis wird man erst sehen, "wenn alles in der Scheuer ist".

Landwirt Willi Fick aus Schwaig bei Schwarzenfeld schätzt aus Gesprächen mit befreundeten Landwirten, das in manchen Gebieten "der Weizen zu 40 Prozent kaputt ist". Manche Rapsfelder brächten statt vier nur eine Tonne. Doch Gewitterregen wie kürzlich in Neunburg mit 25 Liter in 20 Minuten seien dann auch keine Lösung. Da habe dann der Schlamm Mais und Kartoffeln weggeschwemmt.

Landwirt Matthias Hösl aus Perschen sieht mit einem Blick auf das Getreide keinen guten Ertrag. Die Wintergerste sei bereits in der Abreife. Die Rückstände hole auch das Wasser von oben nicht mehr ein. Hösl baut auf drei Hektar Frühkartoffeln an. "Seit dem Legen am 10. April bis Ende Mai hat es 19 Liter geregnet". Er braucht Wasser von oben. Wenn es nicht kommt, kann er auf die Beregnung nicht verzichten, um seine Kartoffeln nicht zu gefährden. Hösl hat eine Wasserentnahmegenehmigung. Sie wird von Landratsamt für die Entnahme aus Flüssen, dem Grundwasser, Brunnen und Weihern erteilt. Ein strenges Verfahren, dessen Genehmigungszeiträume laut Hösl angeblich kürzer gefasst werden sollen. Ein Problem für die Planungssicherheit im Anbau, zumal ja eine Bewässerungsanlage eine stattliche Investition ist.

Den veränderten Klimabedingungen wird gegensteuert. Josef Wittmann hat kürzlich einen Saatzuchtbetrieb in Niedertraubling besucht, der sich auf trockenresistente Sorten spezialisiert.

Derzeit weht den Landwirten ein scharfer Wind entgegen: "Was qualitativ und mengenmäßig nicht zu liefern ist, holt sich der Handel woanders", fasst Josef Wittmann zusamen. Dann gebe es eben Frühkartoffeln aus Ägypten.


Der Regen fehlt. Vor allem bei den Frühkartoffeln bleibt den Landwirten dann nichts anderes übrig, als die Felder zu beregnen. Völkl
Der Regen fehlt. Vor allem bei den Frühkartoffeln bleibt den Landwirten dann nichts anderes übrig, als die Felder zu beregnen.
Info:

Wichtig ist BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann, dass die Betriebsprämie bleibt, " sonst fehlt das Einkommen für das Auskommen". Er nennt die lange Vorlaufzeit für bestimmte Aussaaten. Dann ein Ausfall und erneuter Anbau, da ist schnell die Luft raus. Die Landwirte stöhnen auch unter der neuen Düngeverordnung, die jede Flexibilität nehme, dafür einen Wust an Bürokratie bringe. "Das wird wie die Genehmigung einer Atomanlage behandelt". In der Schweinezucht werden eigentlich keine neuen Ställe mehr beantragt", so Wittmann zu den Folgen. Im Rinderbereich sind die Neuanträge "verhalten". Auch das Thema "Tierwohl" spielt herein. Hier fehle es an zeitlichen Absicherungen. "Die Verbraucher wollen Tierwohl, aber das Fleisch soll billig sein". Im Landkreis gibt es noch 1943 Landwirte, die laut Mehrfachantrag im Jahr 2017 insgesamt 58038 Hektar bewirtschafteten. Von 2000 auf 2016 gingen 1604 Hektar landwirtschaftliche Fläche durch Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren. Naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Das Getreide hat unter der Trockenheit gelitten. Top-Ergebnisse wird es heuer nicht geben. exb
Das Getreide hat unter der Trockenheit gelitten. Top-Ergebnisse wird es heuer nicht geben.
 
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