04.09.2018 - 16:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Frauen und Familien im Fokus

Small-Talk mit Gleichgesinnten bei Sekt und Häppchen: Das Format gefällt der neuen Familienministerin. Im Spitalgarten genießt Kerstin Schreyer (47) den "Sommerempfang der Frauen-Union".

Der Kreisverband der Frauenunion gab am Montag in der Spitalkirche einen Sommerempfang für die Arbeitsgemeinschaften der CSU.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

(rhi) Das Mitglied des Landesvorstandes der Frauen-Union ist seit März 2018 Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales und damit Nachfolgerin von Emilia Müller. Beim Empfang des FU-Kreisverbandes am Montag in der Spitalkirche verteidigte sie die Reform der Familienförderung in Bayern und will beim Familiengeld, wenn nötig, auch den Klageweg bestreiten.

Die gelernte Diplom-Sozialpädagogin (FH) aus Unterhaching zog vor zehn Jahren mit Hilfe der Frauen-Union in den bayerischen Landtag ein und wirbt seitdem für mehr Präsenz von Frauen in der Politik. "Dies gelingt nur gemeinsam mit den Männern und nicht gegen sie", ist Kerstin Schreyer überzeugt. Bei der Mütterrente fordert die Ministerin eine Gleichstellung der Frauen, deren Kinder vor oder nach dem Jahr 1992 geboren sind.

Familiengeld verteidigt

Für die geschiedene Mutter einer Tochter ist "die Familie das solide Fundament der Gesellschaft". Wenn sie schwächele, wirke sich dies "auf alle Bereiche unseres Zusammenlebens" aus. Familien, "die Kinder nicht so gut auf den Weg bringen", will Kerstin Schreyer unter die Arme greifen. Sie ist der Meinung: "Die Politik muss die Rahmenbedingungen setzen, hat aber kein Recht zu werten." Jede Familie sollte sich frei entscheiden können, "wie sie leben möchte". Mit dem Familiengeld drehe die Staatsregierung an der Stellschraube. Kerstin Schreyer will alle Familien mit Kleinkindern fördern. "Hätten wir das Geld in die Kostenfreiheit der Kitas gesteckt, wären jene Eltern leer ausgegangen, die ihre Kinder zu Hause behalten", so die Argumentation der Ministerin. Deshalb verteidigt sie die Zahlung von 250 Euro pro Monat und Kind ab dem 1. September.

Vom bayerischen Familiengeld profitieren alle Eltern von ein- und zweijährigen Kindern. Das sind acht Prozent der Familien in Bayern. "Es wird völlig unbürokratisch, ohne Antrag und unabhängig vom Einkommen ausbezahlt", so die Vertreterin der Staatsregierung. Ab dem dritten Kind gibt es sogar 300 Euro monatlich. Das bedeutet bei Inanspruchnahme des vollen Bezugszeitraums von zwei Jahren insgesamt bis zu 7200 Euro an Förderung. Das Geld bekommen auch die Bezieher von Hartz IV. Kerstin Schreyer hat kein Verständnis für die Haltung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, der mit der Rückforderung des Familiengeldes droht, wenn es auf die Hartz-IV-Leistungen angerechnet werde. "Wo bleibt das soziale Herz des Sozialministers?", so die rhetorische Frage der CSU-Politikerin. Sie werde den Klageweg beschreiten, sollte die Bundesregierung nicht einlenken. Die Familienministerin wünscht sich mehr Flexibilität in den Kitas und will dort zusätzlich Tagesmütter beschäftigen, die die Randzeiten abdecken sollen. Auf diese Weise ließen sich die Öffnungszeiten erweitern und dem Mangel an Erziehern begegnen. "Personen mit Herz und Verstand" nennt Kerstin Schreyer die Tagesmütter, "die je nach Bedarf flexibel zum Einsatz kommen können".

"Notwendige Diskussion"

Mütter, die mehrere Kinder groß gezogen haben, sollen im Alter nicht zum Bittsteller werden dürfen, sagte die Ministerin. In der Großstadt werde jede zweite, auf dem Land jede dritte Ehe geschieden. Die Frauen dürften am Ende nicht die Leidtragenden sein, betont Kerstin Schreyer. Die Diskussion über Unterhalt und Alterssicherung sei zwar "nicht romantisch, dafür aber notwendig".

EU-Ausländer, die in Deutschland arbeiten, erhalten Kindergeld, auch wenn der Nachwuchs in der Heimat lebt. Die bayerische Familienministerin will das Kindergeld nicht streichen, sondern an die Lebenshaltungskosten des jeweiligen Landes anpassen. Die CSU-Fraktion im Landtag hält Kerstin Schreyer für "so heterogen, dass wir keinen Koalitionspartner brauchen". Sie ist der Meinung: "Die CSU schafft die Vielfalt alleine."

Diese Auffassung vertritt auch die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Marianne Forster (Nabburg). Die CSU bringe das Land voran und garantiere ein starkes Bayern. Oberbürgermeister Andreas Feller bezeichnet die Frauen-Union als "soziales Gewissen der CSU" und nennt stellvertretend den jährlichen "Tag der Integration", veranstaltet vom Kreisverband der Frauen-Union.

Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer erläuterte die neue Familienförderung der Staatsregierung.

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