Wer durch die Paststraße geht, die im Stadtzentrum an der Rückseite des Sparkassen-Parkhauses entlang führt, den überrascht ungefähr auf halber Strecke trotz der eisigen Kälte lautstarkes Vogelgezwitscher. Dutzende von Spatzen und andere Vogelarten haben sich eine hohe Ligusterhecke ausgesucht, wo sie den Winter verbringen. Das Konzert der kleinen Sänger ist oft so laut, dass man sie weit hören kann – trotz des Autoverkehrs, der sich durch die schmale Straße quält. Manchmal verstummt der vielstimmige Chor – wenn nämlich ein Passant überrascht an der Hecke stehen bleibt, um zu sehen, woher das fröhliche Gezwitscher kommt. Gleich darauf geht es in unverminderter Lautstärke weiter.
Von der Straße aus ist die gefiederte Schar nur schlecht auszumachen, man hört sie nur. Gut zu sehen sind die Vögel im Garten, den die Hecke zur Straße hin abschließt. Der Garten gehört zum Grundstück von Sebastian Lehmer, der einen sogenannten Baum-Service betreibt. Seine Großmutter Therese, die im Erdgeschoss des zugehörigen Wohnhauses lebt, liebt das unbändige Gezwitscher. „Die Spatzen sind hauptsächlich im Winter da, im Frühjahr fliegen sie wieder aus“, weiß sie. Die Anhänglichkeit der kleinen Tiere hat natürlich auch damit zu tun, dass sie von Therese Lehmer zuverlässig gefüttert werden. „Und natürlich wegen der Ligusterhecke“, ergänzt Enkel Sebastian Lehmer, „solche Hecken gibt es in der Stadt nicht viele“.
Lehmer tut es leid, dass viele Menschen in ihren Vorgärten oder Gärten Schotter ausbringen, was ein Stück Naturfläche wegnimmt. Gerade Hecken sind für den Baumexperten unheimlich wertvoll, er würde sich noch viel mehr davon in der Stadt wünschen. Dann würde es vermutlich auch mehr Stellen geben, an denen den Passanten ein Vogelkonzert geboten wird – und das zu Beginn der Adventszeit.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.