03.06.2019 - 16:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gewerbemüll quillt über

Der ZMS wird noch bis Ende des Jahres Gewerbetreibenden die Tür weisen müssen: Wer keinen Vertrag mit den Entsorgern hat, muss sich für seinen Abfall andere Wege suchen. Denn die Müllbunker sind voll.

Die Bunker am Müllkraftwerk des ZMS in Dachelhofen sind voll. Deshalb hat der Verband die Annahme von Gewerbemüll von denjenigen gestoppt, die sich vertraglich kein Kontingent gesichert haben.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Wir dürften nur für den Gewerbemüll gar nicht erweitern.

Thomas Knoll, ZMS-Verbandsdirektor

Thomas Knoll, ZMS-Verbandsdirektor

Der Geschäftsführer des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf, Thomas Knoll, hat hochgerechnet. Vor Ostern hatte das Kraftwerk kurzzeitig unbegrenzt Müll angenommen. 3200 Tonnen wurden im Verbandsgebiet zwischen Landshut und Hof angeliefert. Pro Tag. "Das würde pro Jahr etwa 700 000 bis 750 000 Tonnen bedeuten", sagt Knoll im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien. Viel zu viel für das Müllkraftwerk. In diesem Jahr liegt die Kapazität, wenn alles optimal läuft, bei etwa 435 000 Tonnen.

Die gute Nachricht: Für die privaten Haushalte ist die Entsorgung gesichert. 300 000 Tonnen pro Jahr fallen an Haus- und Sperrmüll im ZMS-Gebiet an. Auch private Kleinanlieferer mit einem Kofferraum voll Abfall bleiben die Annahmestellen offen. Das läppert sich: 60 000 Tonnen kommen so von Privatleuten. Auch das eine gewaltige Menge, die in den vergangenen Jahren ständig gewachsen ist. Haus- und Sperrmüll ist andienungspflichtig. Das heißt, diesen Müll muss der ZMS entsorgen, das ist seine Aufgabe im Auftrag der angeschlossenen Kommunen.

Bleibt für den Gewerbemüll eine Verbrennungskapazität von etwa 75 000 Tonnen. 40 000 Tonnen davon kommen von der OVEG, einer 100-prozentigen ZMS-Tochter. Mit ihr haben Entsorger und Firmen Verträge für Gewerbemüll abgeschlossen. Den Rest von 35 000 Tonnen stellt der ZMS für sonstige Gewerbetreibende zur Verfügung. Kommen würde viel mehr, also macht der ZMS die Schotten dicht. Und nicht nur der Schwandorfer Verband. Auch bei den anderen kommunalen Entsorgern in Bayern sind die Bunker voll.

Für die Entsorgung des Gewerbemülls ist die Wirtschaft selbst verantwortlich. "Wir dürften für den Gewerbemüll gar nicht erweitern", sagt Knoll, da stehe neben dem der Gemeindeordnung auch das Wettbewerbsrecht entgegen. Forderungen danach aus der Wirtschaft gibt es dennoch. Die hatte aber vor gut zehn Jahren erreicht, dass der Gesetzgeber Gewerbetreibende aus der Andienungspflicht nimmt. . Jetzt, da zum Beispiel China Entsorgungswege versperrt hat - dorthin gingen aus Deutschland rund 850 000 Tonnen Plastikmüll jährlich - wird der Ruf nach einer Entsorgung über die öffentliche Hand wieder lauter. "Wenn es gut läuft, regelt es der Markt. In der Krise wird nach den Kommunen gerufen," kommentiert das der Verbandsdirektor. Außer dem vertraglich zugesicherten Gewerbemüll nimmt der ZMS nur noch hygienisch belasteten Müll, etwa aus Altenheimen und Krankenhäusern an, um hier für keine Engpässe zu sorgen.

"Ich bin mir trotzdem sicher, dass der Müll seinen Weg findet", sagt Knoll. Ob der ökologisch und rechtlich immer einwandfrei ist, stehe auf einem ganz anderen Blatt. So würden derzeit Recyclingkapazitäten in Albanien und Montenegro angeboten. Und das, obwohl die EU im Zuge der Beitrittsbewerbungen dort großen Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur festgestellt hat. Polen kontrolliert Müllimporte sehr genau, mit den Kollegen in Tschechien werde es in ein paar Tagen ein entsprechendes Gespräch geben, sagte Knoll.

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