09.10.2018 - 15:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gläserne Haut für kühle Köpfe

Heimische Werkstoffe verwenden: Das ist einer der Gründe, warum sich der Kreistag für den Landratsamts-Anbau aus Holz entschieden hat. Jetzt bekommt ein zweites Material eine dominierende Rolle, das in der Oberpfalz Tradition hat.

Das Grundstück für den geplanten Landratsamts-Anbau an der Schwimmbadstraße ist bereits freigeräumt. Kommende Woche sollen die ersten Arbeiten zur Erschließung beginnen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ursprünglich sollte die Fassade des Anbaus an der Schwimmbadstraße mit Faserplatten verkleidet werden. Dann wäre vom Werkstoff Holz allerdings nicht mehr viel zu sehen gewesen, argumentierte Architekt Christian Schönberger (Oberviechtach) im Planungs- und Bauausschuss des Kreistags. Eine Reise nach Freiburg brachte eine Idee, die mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt: Eine vorgehängte Glasfassade, ebenfalls ein Material aus heimischer Produktion.

Die Holzbauweise der oberen drei Stockwerke bleibt so sichtbar und wird gleichzeitig vor Verwitterung geschützt, muss also nicht immer wieder gestrichen werden. Zweiter Vorteil: Das Glas hilft ganz erheblich bei der Dämmung. Bis zu 60 Prozent der Sonneneinstrahlung könne das Material abhalten, sagte Stefan Schedl vom Institut für Energietechnik der OTH Amberg-Weiden, der das Klimakonzept für den Bau vorstellte.

Angesichts des zurückliegenden Sommers ein Argument, das den Ausschuss überzeugte. Immerhin muss der Landkreis für die Glasfassade Mehrkosten von rund 185 000 Euro einkalkulieren. Am Freiburger "Haus der Bauern" ist die komplette Außenhaut verglast. So weit will Schönberger in Schwandorf nicht gehen, vor die Fenster kommt keine weitere Front. Einen besonderen Akzent soll die gläsern geschuppte Außenhaut des künftigen Sitzungssaal erhalten: Die Wappen der 33 Landkreis-Gemeinden werden hier in satinierte Platten eingeäzt und können beleuchtet werden. Die Wappen seien auch Symbol dafür, so Schönberger, dass die Kommunen ganz erheblich zur Finanzierung des Landkreishaushalts beitragen.

Um für angenehmes Klima und kühle Köpfe in den Räumen zu sorgen, in denen künftig das Jugendamt und die Kfz-Zulassung untergebracht werden sollen, sind angesichts des Klimawandels und drohender Hitzesommer aber noch weitere Maßnahmen nötig. Die Fußbodenheizung solle zusätzlich als Kühlung funktionieren, erläuterte Schedl. Dazu wird im Sommer kaltes Wasser durch die Leitungen laufen, überschüssige Wärme über Geräte auf dem Dach abgeleitet. Das System verursacht Mehrkosten von 80 000 Euro. Dafür sind keine klassischen Klimaanlagen vorgesehen. Vor die Fenster kommen Außenrollos zum Hitzeschutz, auch das begrünte Dach hilft bei der Temperierung. Außerdem ist eine zusätzliche Dämmung für das Dach und die Wände vorgesehen, die 200 000 Euro kosten soll. Landrat Thomas Ebeling nannte die Vorschläge ein "schlüssiges Konzept", dem stimmte auch Siegfried Damm für die SPD zu. "Das ist kein Klacks", sagte er, wenn die erhofften Effekte einträten, seien die Mehrkosten aber in Ordnung. "Wenn nicht, werden Sie Prügel beziehen," sagte er mit einem Augenzwinkern zu den Planern. Georg Butz (CSU) sah das genau so: "Die heißen Sommer sind uns prophezeit. Wir müssen für die Zukunft bauen." Das Geld könne der Landkreis guten Gewissens ausgeben, stimmte auch Alfred Damm (ÖDP) zu.

Keine Mehrheit fand ein Vorschlag von Rudolf Sommer (Grüne). Er hatte angeregt, statt der Glasplatten doch gleich Photovoltaik-Paneele anzubringen. Die seien erstens sehr teuer und zweitens optisch nicht sehr ansprechend, sagte Architekt Schönberger, außerdem müsse dann eventuell der gesamte Brandschutz für das Gebäude neu berechnet werden. "Dieses Fass wollen wir ungern wieder aufmachen," sagte Schönberger. Die Leiterin des Hochbauamts, Michaela Gottmeier, brachte den Zeitfaktor ins Spiel: "Wir müssen den Holzbau bald ausschreiben, sonst rennt uns die Zeit davon." Dem pflichtete Landrat Ebeling bei. Für die Photovoltaik-Fassade stimmten schließlich nur Sommer und Alfred Damm. Glasfassade, Klimakonzept und weitere Dämmung beschloss der Ausschuss einstimmig.

Der Anbau des Landratsamts wird eine vorgehängte Glasfassade bekommen. Auf der Stirnseite werden die Wappen der 33 Landkreis-Kommunen ins Glas eingeätzt.
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