Das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus, ein überparteiliches und interreligiöses Netzwerk, hatte zum „Tanz für Toleranz“ aufgerufen. 150 Teilnehmer versammelten sich am Freitagnachmittag auf dem Schwandorfer Marktplatz und brachten singend und tanzend und mit farbenfroher Kleidung ihre Haltung zum Ausdruck.
Bündnis-Sprecherin Elisabeth Hirzinger will den Rechtsextremisten nicht das Feld überlassen und ist der Überzeugung: „Wer heute schweigt, hat morgen nichts mehr zu sagen." Sie lehnt jede Ideologie ab, „die sich gegen die Würde des Menschen richtet und die Demokratie im Kern angreift“. Schwandorf dürfe kein Ort sein, „in dem der Hass das Klima bestimmt“, so Hirzinger in ihrer Rede. Wörtlich sagte sie: „Unsere Stadt ist bunt und nicht braun und lebt von der Vielfalt“. Eine bunte Gesellschaft grenze nicht aus, sondern tausche unterschiedliche Meinungen mit gegenseitigem Respekt aus. Das solidarische und demokratische Schwandorf antworte mit dem Mittel des Tanzes auf „Hass und Hetze der Demokratiefeinde“.
Eine ältere Dame ergriff spontan das Wort und erzählte, wie gut sie im Elisabethenheim von einem syrischen Pfleger betreut werde. „Und jetzt soll der tüchtige junge Mann abgeschoben werden“, klagte die Frau. Sie forderte die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung für den ausländischen Pfleger, „der mich besser betreut als meine eigenen Kinder“.
Freudentanz statt Marsch
Mitglieder einer Jazztanzgruppe aus dem Studio von Andrea Nerf tanzten eine Choreographie zum italienischen Freiheitslied „Bella Ciao“ und ermunterten die Teilnehmer zum Mitmachen. Der evangelische Pfarrer Stefan Drechsler thematisierte den Tanz als verbindendes Element. Schon Mirjam, die Schwester des Mose, führte nach der Befreiung des israelischen Volkes aus der ägyptischen Knechtschaft einen Freudentanz auf. Auch Jesus habe bei Hochzeiten gerne getanzt, entnimmt Pfarrer Drechsler der Bibel. Tänze verbinden über Grenzen hinweg. Die französische Polonaise genauso wie der österreichische Walzer, die böhmische Polka, der griechische Sirtaki und der argentinische Tango. „Für Nationalisten ohne Toleranz bleibt nur der deutsche Marsch“, so der Geistliche, „aber zu dieser Musik kann man nicht tanzen“.
Botschaft von Christian Springer
Zum fünfköpfigen Bündnis-Vorstand gehören auch Uschi Maxim, Veronika Brunner und Martin Schmid. Sie überbrachten eine Grußbotschaft des Münchner Kabarettisten Christian Springer, der die Menschen in der demokratischen Mitte auffordert, sich gemeinsam jenen entgegenzustellen, „für die nur die Ideologie und nicht der Mensch zählt“. Rechtsradikale seien immer auf der Suche nach einem Sündenbock und würden die Demokratie missbrauchen, „um sie zu zerstören“, so Springer.
Seine Verachtung gegen Menschen, die andere ausgrenzen, brachte der Musiker Ferdinand Rieppel (Schwandorf) mit seinem Lied „Schleich de“ zum Ausdruck. DJ Helmut Neuper legte Musik zum gemeinsamen Tanzen auf.










Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.