14.03.2021 - 12:41 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Heißer Preis: Das Zwickl-ZETT

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Glühende Fans von Dokumentarfilmen kommen beim „Zwickl“-Festival immer auf ihre Kosten. Der Filmpreis „ZETT“ kommt sogar aus dem Schmelzofen.

Der entscheidende Moment: Ylli Hitai gießt gut 1400 Grad heißes, flüssiges glühendes Eisen in die Form.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Urgewalt, die in der glühenden Masse blubbert, ist noch in einigen Metern Entfernung deutlich zu spüren. Ein Magnetfeld hat die gut zwei Tonnen Eisen im Ofen zum schmelzen gebracht. Über 1500 Grad zeigt das Thermometer. Sebastian Bloch fährt den Kran mit der Gießpfanne an den Ofen. Anstich. Gleißend hell ergießt sich das flüssige Metall in die Pfanne. "Da brennt Magnesium", erklärt der Produktionsleiter von Fronberg Guss, Uwe Muth. Die Gießer schützen sich mit verspiegelten Visieren vor dem gleißenden Licht. Ylli Hitaj rückt die Form zurecht, die Uwe Muth mitgebracht hat.

Die Gießpfanne schwebt am Kran zu einem Container, an einer Kurbel stellt sie Hitaj leicht schräg. Boch nimmt eine lange Metallstange mit einer Art Kelle am Ende. Er zieht vorsichtig Schlacke aus der Gießpfanne, die auf dem flüssigen Metall schwimmt. Sie fällt glühend und funkend in den Container. Gleich kann der Guss beginnen.

Ein besonderer Preis

Herausragende Dokumentarfilme zu zeigen, besonders auch zu bayerischen Themen oder von bayerischen Filmemachern, das gehört zur Genetik der "Zwickl"-Dokumentarfilmtage. 2019 vergab das Festival zum ersten Mal den Dokfilm-Preis "ZETT", an die Produktion "Früher oder später." Der Film erzählt Geschichten aus Schönsee: Von Milchbauern, die sich als Bestatter ein Zubrot verdienen, und von veganen Freidenkern, die in ein ehemaliges Hotel ziehen.

Dokumentarfilmpreise gibt es einige. Das "ZETT" aber sollte, wie das "Zwickl" mit seinen Besonderheiten wie wechselnden Spielstätten oder den zwei Euro Eintritt - dem Zwickl - einmalig sein. Das Team um Anne Schleicher und das Schwandorfer Kulturamt ließ die Hirne glühen: Der "Bayerische Dokumentarfilmpreis ZETT" war geboren. "Es ist der einzige Preis für Dokumentarfilme, die überwiegend in Bayern gedreht worden sind oder ein in Bayern verortetes Thema behandeln", erläutert Festivalleiterin Anne Schleicher. "Wir haben sehr viele Einsendungen bekommen, auch sehr viele 90-minüter, also Kino-Dokumentarfilme".

Die Jury (siehe Kasten) war eine gute Mischung aus Film-Profis und Filmfans. "Böller und Brot" etwa kommen aus Baden-Württemberg, werfen eher eine Blick "von außen" auf den Freistaat. "Auf die Zusammensetzung bin ich sehr stolz", sagt Schleicher. "Mitte Dezember hatten wir ein online-Treffen, haben stundenlang diskutiert." Die fünf besten Filme werden im "Zwickl" im Herbst gezeigt, der Sieger ausgezeichnet. "Welcher Film das ist, wird noch nicht verraten. Aber es sind coole Produktionen." Von Heimat-Tümelei sind die Filme weit entfernt. "Der Wettbewerb ist wie ein Forschungsprojekt", meint Schleicher, "er zeigt den Status Quo, welche Themen Bayern und die Dokumentarfilmer gerade bewegen." Auch werde deutlich, mit welchen künstlerischen Mitteln sich die Filmemacher ihren Geschichten nähern.

Die Zwickl-Pläne vor dem zweiten Lockdown

Schwandorf

"Das passt zu uns, und auch zu unserem Publikum", ist Schleicher überzeugt. "Wir sind das Festival, das nicht in einer Metropole stattfindet, nicht für die Branche. Bei uns sitzen die normalen Leute im Publikum." Der Wettbewerb steht – die Auszeichnung, die der Gewinner in Händen halten wird, wartet bei Fronberg Guss noch als Form.

Dass der Preis irgendwo bei einer anonymen Firma in Auftrag gegeben wird, würde so gar nicht zum Zwickl-Team passen. Das erste "ZETT" entstand im Schwandorfer Tageszentrum der Diakonie. Jetzt brachte ein Blick aus dem Fenster ihres Fronberger Büros Anne Schleicher auf die Idee: Dort steht das Eisenwerk, wie "Fronberg Guss" bei den Einheimischen heißt. Belegt ist die Eisenverarbeitung im Schwandorfer Stadtteil seit dem 15. Jahrhundert. Seit rund 15 Jahren gehört Fronberg Guss zur Gienanth Gruppe. Zylinderkurbelgehäuse für Großmotoren entstehen hier im Handformguss, in Kleinserien, wie Uwe Muth erklärt. Die Zwickl-Idee macht ihm sichtlich Freude. "Ich kann mir schon gut vorstellen, wie das wird".

1420 Grad heiß

Der Kontakt zu den Nachbarn war unkompliziert, Ideen für das "ZETT" geboren. Natürlich stellt der Preis ein "Z" dar, das Signet des Zwickl. Im Modellbau der Fronberg Guss entstand die Form, die in Sand eingebettet auf den Guss wartet. Ylli Hitaj steckt einen langen Löffel in das flüssige Eisen. Vorsichtig gießt er das Metall in die Form, acht bis zehn Kilo werden es sein. Das spiegelverkehrte "Z" ist glutleuchtend das erste Mal zu sehen. Rund 1420 Grad heiß ist das Eisen. "Grauguss, man nennt das G3L", erklärt Muth.

Bei der Zwickl-Planung geht es auch heiß her. Veranstalter ist die Stadt Schwandorf, Förderungen gab's vom Landkreis, dem Heimatministerium und Sponsoren. Im Herbst soll die "Roadshow" an mehreren Wochenenden steigen, mit rund 30 Filmen und in Zusammenarbeit mit den lokalen Kulturträgern. Die Filme werden an sieben Orten gezeigt, Schwerpunkt ist das Schwandorfer Lichtwerkkino. Hier werden alle Streifen zu sehen sein, auch die Preisverleihung wird in der Kreisstadt stattfinden. Weitere Spielorte sind das CeBB in Schönsee, das Kinocenter Nittenau, das Ringtheater in Amberg (in Zusammenarbeit mit dem Amberger Kulturverein), der Bahnhof in Bad Kötzting (mit dem Oberpfälzer Kulturbund) und die Kinos im Andreasstadel in Regensburg (Stadt Regensburg). Abschluss ist erst im Frühjahr 2022: In Pilsen im Depo2015. Die Oberpfalz-Medien werden die Schwandorfer Dokumentarfilmtage in diesem Jahr als Medienpartner eng begleiten.

Die Themenseite zum "Zwickl"

Hintergrund:

"ZETT": Bayerischer Dokumentarfilmpreis

  • Die Zwickl-Dokumentarfilmtage verleihen den Bayerischen Dokumentarfilmpreis.
  • Der Preis heißt "ZETT" und wird 2021 zum zweiten Mal vergeben.
  • Jury: Sigrun Köhler, Wiltrud Baier (Böller und Brot); Ingo Fliess (if...Productions); Säm Wagner (Popmusikbeauftragter des Bezirks); Zoe Schmederer (Filmemacherin, Gewinnerin des "ZETT" 2019.
  • Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Außerdem gibt's ein großes Interview in der Zeitschrift "MUH".
  • Das "ZETT" 2019 gestaltete die Tagesstätte der Schwandorfer Diakonie.
  • Das "ZETT" 2021 entsteht bei "Fronberg Guss".
  • Der Preisträger wird beim "Zwickl" im Herbst ausgezeichnet.

"Es ist der einzige Preis für Dokumentarfilme, die überwiegend in Bayern gedreht worden sind oder ein in Bayern verortetes Thema behandeln."

Zwickl-Festivalleiterin Anne Schleicher

Zwickl-Festivalleiterin Anne Schleicher

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