03.04.2020 - 09:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Helfer für die Feldarbeit gesucht

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Ziemlich platt, aber auch "unglaublich glücklich": So fühlen sich Menschen, die Landwirten unter die Arme greifen. Im Landkreis Schwandorf stehen bereits 25 potenzielle Helfer in den Startlöchern. Jobs gibt es aber nicht um die Ecke.

Bis zur Erdbeer-Ernte werden noch einige Wochen vergehen. Die Landwirte, die im Landkreis diese Sonderkultur anbauen, setzen allerdings auf Selbstpflücker und Helfer aus der Umgebung.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Um das Coronavirus einzudämmen, ist in ganz Europa die Reisefreiheit eingeschränkt. Nach aktuellen Schätzungen fehlen den Landwirten bis zu 300 000 Arbeitskräfte, die regelmäßig zur Hochsaison bei Hopfen, Spargel oder Gurken anreisen würden, viele kommen aus Osteuropa. Die am Donnerstag beschlossenen Ausnahmereglungen werden den Mangel sicherlich abfedern, aber nur teilweise. Gleichzeitig können viele Menschen in Gastronomie oder Einzelhandel nicht arbeiten oder stecken wie Studenten tatenlos zu Hause fest. "Für all diese Menschen haben wir die Aktion ,Das Land hilft' gestartet", heißt es auf einer Internetplattform des Maschinenrings. Auch im Landkreis Schwandorf haben sich dort bereits Hilfswillige eingetragen. Allerdings gibt es deutlich mehr Jobsuchende als Arbeitgeber.

"Wir brauchen Euch - schnell - denn auf den Feldern unserer Landwirte beginnt die Spargel-Ernte und auch weitere Gemüsesorten müssen in den nächsten Tagen vom Feld. Gleichzeitig bieten unsere Landwirte so ein Einkommen für diejenigen, die durch die Schutzmaßnahmen in eine wirtschaftliche Notlage geraten", heißt es auf der Plattform von "Das Land hilft". Schließlich dürfe es nicht passieren, dass tonnenweise regionales Obst und Gemüse nicht geerntet werden können, weil Erntehelfer fehlen.

Im Landkreis Schwandorf hat gerade erst die Spargel-Ernte begonnen. "Das wird nicht ohne fremde Arbeitskräfte klappen", weiß Josef Graf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nabburg. Wenn er sich die Anbauflächen im Landkreis Schwandorf so ansieht, dann kann er aber vorerst Entwarnung geben. Denn der Anbau von Obst oder Gemüse ist eher selten. "Da gibt es etwa vier bis fünf Spargelanbauer", berichtet Graf, beim Kultivieren von Erdbeeren sei es ähnlich.

"Wir sind kein Landkreis mit großartigen Sonderkulturen", räumt auch der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Schwandorf, Josef Wittmann, ein. Dennoch kann er sich vorstellen, dass trotz überwiegend Milchviehhaltung und Kartoffelanbau hin und wieder ein Job für diejenigen abfällt, die jetzt unfreiwillig Däumchen drehen müssen. "Wir sind dankbar dafür, wenn sich Leute bereiterklären, hier einzuspringen", stellt er fest - auch wenn sie wohl die erfahrenen Kräfte aus Rumänien oder Bulgarien nicht ersetzen könnten. Außerdem gebe es die Befürchtung, dass sich der bürokratische Aufwand für oft nur wenige Tage kaum lohne, schließlich müsse man die Leute erst anmelden, im Betrieb isolieren und einweisen.

Flexible "Anpacker"

Immerhin, als "sehr flexibel" bezeichnen sich viele der potenziellen Helfer aus dem Landkreis. Da ist die "sportliche Studentin, die gerne an der frischen Luft mit anpackt" oder der Kandidat, der sonst auch nur "zu Hause rumhängen" würde. Etwa ein Dutzend Einträge finden sich für den Bereich Schwandorf, eine Handvoll beispielsweise in Nabburg. Viele geben den Zeitraum bis 20. April für einen Einsatz an, wie es danach weitergeht, scheint nicht absehbar. "In der Erdbeersaison könnten wir diese Kräfte vielleicht brauchen" überlegt Wittmann. Möglicherweise hätten auch Gärtnereien einen Bedarf, wenn sie auf einen Lieferbetrieb angewiesen sind. Ansonsten müssten die Hilfswilligen schon bis in die Hopfengebiete der Hallertau reisen. Gibt es dann eine Renaissance mit Oberpfälzer Hopfenzupfern? "Eher nicht", schränkt Wittmann ein und verweist auf moderne Verfahren, die wesentlich weniger Kräfte erfordern, weil die Hopfenstränge nur noch in Maschinen eingehängt werden müssen. Später im Jahr könnten dann in Niederbayern Gurkenpflücker gesucht sein oder Kräfte, die das Hacken bei den Bio-Zuckerrüben übernehmen.

Abwarten bei Erdbeeren

Momentan ist Abwarten angesagt. "Bei den Erdbeeren haben wir noch Zeit bis Juni ", sagt Anton Baumann, der in Unteraich Felder zum Selbstpflücken hat und in der Vergangenheit vorwiegend auf Kräfte aus der Umgebung bauen konnte. "Im Badischen oder im Rheintal, wo viel Schalen-Ware verkauft wird, sieht das sicher anders aus", überlegt er und fügt hinzu: "Für uns ist es zu früh, sich darüber jetzt schon Gedanken zu machen."

Aber auch ohne Sonderkulturen sind die Landwirte nicht so autark, dass sie gegen die Folgen der Corona-Pandemie gefeit sind. Ist beispielsweise ein Verarbeitsungsbetrieb lahmgelegt, dann wirkt sich das aus. Der BBV-Geschäftsführer nennt ein Beispiel: "Wohin sollen wir jetzt mit den großen Gebinden für Kantinen? Die Ware ist nicht für den Einzelhandel deklariert, die Haltbarkeit oft begrenzt." Weil die Gastronomie weniger Rindfleisch abnehme, komme es zu Preiseinbrüchen. Selbst wenn jetzt der Export von Schweinsohren nach China wieder möglich sei, so fehle es vielleicht an Containern oder Personal im Hafen.

Im Blickpunkt:

Plattform für Helfer

Unter www.daslandhilft.de hat der Maschinenring, eine Selbsthilfeorganisation von und für die Landwirtschaft, in Kooperation mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Internet eine Plattform eingerichtet. Sie soll Landwirten und allen anderen systemrelevanten Gruppen schnelle und unkomplizierte Unterstützung bei der Beschaffung von Arbeitskräften gewährleisten. Es handelt sich dabei um eine reine Vermittlungsplattform, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer (wer sich hier freiwillig einträgt) schnell und unbürokratisch zusammenbringt. Wer sich für einen saisonabhängigen Job in der Landwirtschaft interessiert, kann sein Glück aber genauso auch über die Internetseite www.saisonarbeit-in-deutschland.de versuchen.

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