19.09.2018 - 13:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

High-Tech hinter Glasgiebeln

Die Klärschlammtrocknungsanlage auf dem Geländes des Müllkraftwerks Schwandorf wird später fertig als geplant, auch wenn die Arbeiten auf Hochtouren laufen. Im 16-Millionen-Euro-Projekt steckt viel Technik.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf, ZTKS, hat eine Vorreiterrolle inne. Der Zusammenschluss aus Kommunen und Abwasser-Zweckverbänden baut gemeinsam eine Trocknungsanlage. Für 16 Millionen Euro, auf dem Gelände des Müllkraftwerks. Damit soll das Entsorgungsproblem gelöst werden, das Kläranlagenbetreibern landauf, landab auf den Nägeln brennt: Klärschlamm darf nach dem neuen Düngerecht nicht mehr auf Felder ausgebracht werden. Das Finananzierungsmodell des ZTKS komme kleinen Kläranlegenbetreibern zugute, erklärt ZTKS-Geschäftsführer Thomas Knoll. Denn der Anlagenpreis wird auf den angelieferten Schlamm umgelegt. Wer viel bringt, bezahlt mehr. "Wir verlangen keine pauschale Investitionskostenumlage. Das würde die kleinen Kommunen überfordern," so Knoll.

Der Bau am Wendehammer der Otto-Hahn-Straße ist weit gediehen. Die Halle mit den beiden großen Bandtrocknern, die Anliefersilos, die Reinigungsanlagen für die Abluft nehmen Formen an. Das wird bei einer Führung mit Knoll und dem mit dem Bau vertrauten technischen Leiter des ZMS, Konrad Rieger, deutlich. Rieger erklärt den Ablauf. Der Schlamm mit lediglich 25 Prozent Trockensubstanz (TS) - eine recht suppige Geschichte - wird mit Lastwagen angeliefert, in Bodensilos abgekippt. Dabei laufen Absaugeinrichtungen, um den Gestank einzufangen. Zwei geschlossene Störstoffabscheider entfernen grobe Inhaltsstoffe wie Steine aus dem Schlamm. Von den Silos außerhalb der neuen Halle schaffen Schubböden und Schnecken das Material in die Halle, die durch gläserne Giebelseiten beleuchtet wird. Mit Pumpen, die denen für Beton auf Baustellen ähneln, wird der Schlamm in die Distributoren gehoben, die über den Trocknern laufen. Sie verteilen den Schlamm gleichmäßig auf die Bänder in den geschlossenen Trocknern. Von unten wird heiße Luft in verschiedenen Temperaturen durch die Bänder geblasen, bis der Schlamm auf über 90 Prozent TS getrocknet ist und am Ende Pellets ähnelt.

Die Energie dafür kommt aus dem Müllkraftwerk: Etwa fünf Tonnen Niederdruckdampf (6 bar, etwa 158 Grad heiß) pro Stunde werden gebraucht."Das ist weniger als die Schwandorfer Fernwärme im Sommer braucht," erklärt Rieger. Der getrocknete Schlamm wird in Silos bis zum Abtransport gelagert. Er landet vorerst im Zementwerk als Brennstoff. Vorerst deshalb, weil über kurz oder lang eine reine Klärschlammverbrennungsanlage das Material entsorgen soll. Dort könnte Phosphor zurück gewonnen werden - ein wertvoller Dünger und endlicher Rohstoff. Wo eine Monoverbrennung stehen könnte, ist noch offen. Die Gemeinde Schmidgaden hat ein ZTKS-Angebot schon abgelehnt. Wohl noch im Oktober wird der Schwandorfer Stadtrat darüber entscheiden, ob die Große Kreisstadt als Standort zur Verfügung steht. Grüne und ÖDP haben beantragt, das auszuschließen. In Straubing sei eine große Anlage geplant, sagt Knoll. Allerdings wird sie wohl von einem Privatunternehmen gebaut und betrieben. Ob die Verbrennungspreise für den ZTKS und damit die Kommunen lukrativ sind, wird sich zeigen. Denn eins ist klar: Letztlich müssen die Kosten für Trocknung und Verbrennung von den Bürgern und Unternehmen über die Abwassergebühren finanziert werden. "Wir sind laufend in Gesprächen," sagt Knoll.

Der heiße Dampf aus den Bandtrocknern kann natürlich nicht einfach so in die Luft geblasen werden. Er wird kondensiert und über mehrere Stufen gereinigt. Große Wärmetauscher auf dem Dach der neuen Halle werden die Wärme abtransportieren. Sie können bei Bedarf befeuchtet werden, sollte bei Hitze-Sommern wie in diesem Jahr die Wärme nicht schnell genug abtransportiert werden können. Nach der Reinigung des Dampfes bleibt Brüdenwasser, das organisch belastet ist. Es wird über eine große Druckleitung in die Verbandskläranlage Schwandorf-Wackersdorf gepumpt und dort gereinigt. Die Kapazitäten dafür reichen.

Die Abluft der Anlage strömt durch einen Biofilter - große Bunker mit Holzschnitzeln - ehe sie über einen Kamin in die Umwelt geblasen wird. Der Schutz der Nachbarn habe höchste Priorität, deshalb werde alles getan, um Geruchsbelästigung auszuschließen, sagen Knoll und Rieger übereinstimmend.

Die Arbeiten in und um die Halle konzentrieren sich momentan auf die aufwendige Technik. "Kostenmäßig liegen wir im Plan," sagt Rieger. Der von Beginn an sehr sportlichen Bauzeitenplan könne allerdings nicht eingehalten werden. "Wir sind ein Vierteljahr im Verzug", erklärte Rieger. Die Inbetriebnahme wird deshalb wohl erst Mitte 2019 erfolgen können, dann mit einem mehrmonatigen Probebetrieb, bis alle Anlagen reibungslos laufen und abgenommen sind.

So groß die Anlage ist: Den Betrieb werden zwei Mitarbeiter des ZMS stemmen. Die Waage wird von der Zentrale des ZMS aus bedient, die technischen Anlagen sind mit der Warte des Müllkraftwerks vernetzt. "Eine Mitarbeiterin haben wir schon, eine Industriemechanikerin. Sie hat gerade bei uns ausgelernt", freut sich Knoll. Nun soll noch ein Mitarbeiter "möglichst mit Klärschlammerfahrung" dazu gewonnen werden.

Der ZTKS:

Im Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) haben sich folgende Kommunen und Zweckverbände zusammengeschlossen: Altendorf; Dieterskirchen; Fensterbach; Gleiritsch; Niedermurach; Schmidgaden; Stadlern; Thanstein; Teunz; Weiding; Neukirchen-Balbini; Schwarzenfeld; Schwarzhofen; Wernberg-Köblitz; Winklarn; Kallmünz; Nabburg; Neunburg vorm Wald; Oberviechtach; Pfreimd; Schönsee; Landshut; Regensburg; Zweckverband zur Abwasserbeseitigung der Gemeinden Schwarzach b.Nabburg und Stulln; Zweckverband zur Abwasserbeseitigung im Sulzbachtal; Zweckverband Verbandskläranlage Schwandorf-Wackersdorf; Zweckverband Abwasserbeseitigung Maxhütte-Haidhof und Teublitz; Abwasserzweckverband Altenstadt a.d.Waldnaab, Neustadt a.d.Waldnaab, Störnstein; Zweckverband zur Abwasserbeseitigung der Stadt Amberg und der Gemeinde Kümmersbruck; Stadtwerke Burglengenfeld; Zweckverband Müllverwertung Schwandorf.

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