11.04.2019 - 16:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Hilfe beim Sprung über die MPU-Hürde

Wer mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut am Steuer erwischt wird, hat mehr als nur ein strafrechtliches Problem. Auch die fällige Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) ist nur eine der Hürden, die zu nehmen ist.

Der Leiter der Caritas-Fachambulanz Peter Häusler (links) und Sozialtherapeut Helmut Würzl stellen die MPU-Kurse der Caritas vor.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil
Nächster Kurs Startet im Mai:

Vorbereitung auf MPU

Der nächste Vorbereitungskurs auf die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) beginnt am 15. Mai. Dazu gehört zunächst ein Orientierungsgespräch, dann neun Gruppentreffen, die in der Regel mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr in der Caritas-Suchtambulanz an der Ettmannsdorfer Straße 2-4 stattfinden. Inklusive Arbeitsmaterial und einem Einzelcoaching kostet der Kurs 585 Euro. Kursleiter ist Sozialtherapeuth Sucht Helmut Würzl. Der Kurs richtet sich an Menschen, die wegen Alkohol ihren Führerschein verloren haben. Bei Führerscheinverlust wegen des Konsums illegaler Drogen werden Einzelgespräche angeboten. Anmeldungen sind unter 09431/9980680 oder per E-Mail an beratung[at]suchtambulanz-schwandorf[dot]de möglich.

Die Wege in ein Alkoholproblem sind so vielfältig wie die Menschen, die daran leiden. So wie eine 55-Jährige und ein 35-Jähriger aus dem Landkreis, die sich in der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme einem Gespräch mit den Oberpfalz-Medien stellten. "Ich war eine heimliche Trinkerin, zu Hause," erzählt die 55-Jährige. Sie hat ihr Problem erkannt, eine Therapie gemacht und wollte ihren Führerschein wieder. Die MPU war Auflage. Dazu gehört, was laut Ambulanz-Leiter Peter Häusler und Sozialtherapeut Helmut Würzl viele nicht wissen: Ein Jahr Abstinenznachweis. "Theoretisch geht es auch ohne. Aber die Chancen, dann die MPU zu bestehen, sind verschwindend gering", sagt Würzl. "Ich war beim Urin-Screening", erzählt die 55-Jährige. "Bei mir wurden Haarproben genommen", erzählt der 35-Jährige, der ebenfalls nach einer Therapie seinen Schein wieder haben will. Die Termine für die Urin- oder Haarproben werden vom Prüfinstitut vorgegeben, mit kurzer Vorlaufzeit. Ein bisschen wie bei den Doping-Tests im Sport.

Einsicht gefragt

Das ist eine Hürde, die beim Vorbereitungskurs auf die MPU genommen wird, den die Caritas anbietet: Wie läuft eine MPU ab, was muss eingehalten werden, damit ein positives Gutachten folgt. Die Abstinenz für ein Jahr ist das eine. Die Einsicht in das eigene Alkoholproblem das andere. "Menschen mit normalem Trinkverhalten erreichen keine 1,3 Promille", sagt Peter Häusler. Für 1,6 - die Grenze, über der auf jeden Fall eine MPU von den Behörden gefordert wird - sind "mindestens zehn Bier fällig", ergänzt Würzl, "bei 1,6 Promille kann ich bei jeden sagen, da gibt es ein Problem." Eine Alkoholsucht müsse noch nicht vorliegen, schwerer Missbrauch auf jeden Fall. "Für viele ist der Führerscheinverlust dann auch der Anstoß, was zu machen." Ein hilfreicher Warnschuss, bevor sich die Abhängigkeit manifestiert. Da kommt den Betroffenen das "Komplettangebot" der Ambulanz zugute. "Das ist unser großer Vorteil", sagt Häusler. Die Beratung bei Suchtproblemen bis hin zur Vermittlung einer Therapie und der Nachsorge ist hier möglich.

Verhalten hinterfragen

Das Orientierungsgespräch für den Kurs und die Beratung sind auf jeden Fall kostenlos. "Man kann jederzeit hierher kommen, wenn was ist", sagen die 55-Jährige und der 35-Jährige unisono. Im Kurs zur MPU ist der Weg hin zu einer realistischen Selbstreflektion das Ziel. "Erst schiebt man alles auf andere. Aber man muss selbst sein Problem erkennen", sagt der 35-Jährige. "Man muss mit der Einstellung reingehen, ich muss mein Leben verändern. So kann's nicht weitergehen", sagt die 55-Jährige. Auswendig gelernte Antworten auf die Fragen bei der MPU helfen da nicht. Vielmehr gilt es, offen mit seinen Problemen umzugehen. Die MPU haben beide Gesprächspartner bestanden. Die 55-Jährige hat ihren Führerschein wieder, der 35-Jährige steht vor der Fahrprüfung. "Ich bin den Leuten hier sehr dankbar", sagt er. Er will natürlich in der Ambulanz vorbeikommen, wenn er seinen Führerschein wieder hat. "Das machen beinahe alle", sagt Helmut Würzl.

 

 

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