04.12.2019 - 15:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Immer mehr Kinder brauchen Hilfe

Eine Million Euro mehr als geplant, vielleicht sogar zwei Millionen mehr, braucht in diesem Jahr das Jugendamt. Der Grund: Die Fallzahlen steigen und steigen. Dass es in anderen Landkreisen ähnlich aussieht, ist da nur ein schwacher Trost.

Sabrina Reiner (rechts) ist die neue Geschäftsführerin des Kreisjugendrings Schwandorf.. Jugendringsvorsitzender Peter Neumeier (links) brachte sie zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Landratsamt mit, wo sie sich dem Ausschuss vorstellte.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Diese Zahlen präsentierte Martin Rothut, der Leiter des Kreisjugendamts, den Mitgliedern des Jugendhilfsausschusses. Für Rothut, der heuer die Nachfolge seiner Vorgesetzten und langjährigen Amtsleiterin Regina Hildwein angetreten hat,war es die erste Ausschusssitzung in der neuen Funktion. „Wir haben derzeit Mehrausgaben von 950 000 Euro“, informierte er das Gremium. Wenn alle ausstehenden Rechnungen noch eintrudeln, dann könnten es in den nächsten Wochen sogar 1,9 Millionen Euro werden. Warum das so ist, führte Rothut auf einen kontinuierlichen Anstieg der bedürftigen Kinder zurück. Wie schon seine Vorgängerin bei ihrem Abschied gesagt hatte: "Nicht die Jugendhilfe braucht das Geld. Die Kinder und Jugendlichen im Landkreis brauchen das Geld."

Dieses Geld fließt unter anderem in die Vollzeitpflege. Dabei kommt der Landkreis hier noch vergleichsweise gut weg. „Es ist nicht nur besser für die Kinder, wenn sie in Pflegefamilien und nicht ins Heim kommen, es ist auch günstiger“, rechnete Rothut vor: Für einen Vollzeitpflegeplatz muss das Jugendamt bis zu 1100 Euro zahlen, ein Heimplatz kostet hingegen 4500 Euro im Monat. Bei dem Acht-Jahres-Vergleich, den Rothut anstellte, zeigte sich: 2012 waren 77 Kinder in Pflegefamilien, jetzt sind es 123. Im Heim waren damals 47 untergebracht, zwischenzeitlich 123. Tendenz in beiden Fällen steigend.

Rothut wies auch noch auf andere Besonderheiten hin, etwa das Thema Schulbegleitung. 16 Schulbegleiter waren 2012 beim Jugendamt registriert, jetzt sind es schon 47. Das ist für den Amtsleiter umso erstaunlicher, als man anfangs davon ausgegangen sei, dass die Schulen diesem Angebot gar nicht so aufgeschlossen gegenüberstehen würden. Genau das Gegenteil war der Fall: „Jetzt werden wir von den Schulen sogar manchmal unter Druck gesetzt, in bestimmten Fällen Begleiter einzusetzen.“

Das Thema Schulen beschäftigte den Jugendhilfeausschuss auch noch an anderer Stelle seiner Sitzung. Dabei ging es um einen bedauerlichen Fakt bei der Jugendsozialarbeit an Schulen. Obwohl der Ausschuss bei einer früheren Sitzung den Bedarf für eine halbe Stelle an der Grundschule Oberviechtach und eine Vollzeitstelle für die Mittelschule Dachelhofen festgestellt hatte, gibt es vom Staat kein Geld dafür. Denn das Bayerische Sozialministerium hat kürzlich mitgeteilt, dass es im Freistaat von Anfang an nur 1000 Stellen fördern wollte – und das Budget sei jetzt ausgeschöpft. Ob es je wieder Geld dafür geben wird, ist noch nicht ausgemacht. „Wir müssen also beide Stellen zunächst zurückstellen und warten, wie sich die Fördersituation entwickelt,“ empfahl Landrat Thomas Ebeling. „Wir hoffen auf einen Nachtragshaushalt“, sagte Claudia Hösamer vom Jugendamt mit Blickrichtung München, „oder auf eine Übergangsregelung“. Der Landkreistag habe sich bereits entsprechend ins Zeug gelegt.

Weitaus erfreulicher war eine Personalie: Weil die Geschäftsführerin des Kreisjugendrings, Johanna Lorenz, zwischenzeitlich Mutter geworden ist, musste ein Ersatz gefunden werden. Jugendringsvorsitzender Peter Neumeier brachte die Nachfolgerin zur Ausschusssitzung mit. Es ist die 32-jährige Sabrina Reiner aus Schwandorf. Die studierte Pädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Regensburg ist seit wenigen Wochen in der Geschäftsführung des Kreisjugendrings tätig. Nächste Woche soll sie der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt werden, sagte Neumeier.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.