16.02.2021 - 16:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Impf-Skandal rüttelt am Vertrauen: Schwandorfer Heimleiter schweigt zu Vorwürfen

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Im Elisabethenheim in Schwandorf wurden unrechtmäßig Corona-Impfungen an Personen vergeben, die nicht an der Reihe waren. Der Heimleiter schweigt zu den Vorwürfen. Die Situation sei zu belastend.

Im Elisabethenheim in Schwandorf wurden Personen mit dem Corona-Impfstoff versorgt, obwohl sie nicht an der Reihe waren. Das Landratsamt plant rechtliche Schritte gegen die Heimleitung.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Einen Tag nachdem aus dem Landratsamt in Schwandorf bekannt wurde, dass es zu Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Corona-Impfdosen gekommen ist, ist nun klar, dass es sich dabei um das Elisabethenheim in Schwandorf handelt. Dort hatte die Heimleitung laut Landratsamt-Pressesprecher Hans Prechtl Personen gegenüber dem Amt als Pflegepersonal ausgegeben, um so Menschen impfen zu lassen, die nicht an der Reihe waren. Das Landratsamt hatte veranlasst, dass geprüft wird, ob rechtliche Schritte gegen die Heimleitung eingeleitet werden können.

Als unsere Redaktion am Dienstagmorgen versuchte, Heimleiter Egon Gottschalk mit den Vorwürfen zu konfrontieren, blockt er sofort ab. Unserer Redaktion teilt er mit, dass er über den ihm zur Last gelegten Vorgang nicht sprechen wolle, weil die Situation für ihn viel zu belastend sei.

Wurden die Impfungen aus Egoismus der Mitarbeiter heraus an deren Angehörige vergeben oder handelte der Heimleiter ursprünglich aus altruistischen Gründen? Diese Fragen bleiben bislang unbeantwortet. Dem Landratsamt war die Schummelei nachträglich aufgefallen, als laut Prechtl "zahlreiche Mitarbeiternamen in diesem Heim auf der Impfliste mehrfach vertreten waren."

Neue Infos aus dem Landratsamt

Elisabeth Beer-Klatt, Vorsitzende des Schwandorfer Seniorenbeirats, bedauert, dass durch solche Aktionen Vertrauen in der Bevölkerung verloren gehen kann. Sie erklärt, dass es sich bei dem Vorfall im Elisabethenheim um 20 falsch vergebene Impfungen handle - nicht gerade eine kleine Menge, wie sie betont. Sie sagt: "Wenn ich doch einen Fehler gemacht habe, dann muss ich auch dazu stehen." Unverständnis hat sie ebenfalls dafür, dass die Dosen auf diese Art vergeben wurden, während zum Beispiel im Schwarzenfelder Seniorenheim noch Bewohner und Mitarbeiter auf ihre Impfung warten müssen. Ebenso wäre es ihr zufolge sinnvoller gewesen, den übrigen Impfstoff an Personen weiterzugeben, die auf einer offiziellen Warteliste stehen. Beer-Klatt: "Die Leute werden sagen, dass es reicht, wenn man Beziehungen hat, damit man anders behandelt wird als der Rest." Weil sie den Heimleiter des Elisabethenheims schon lange kenne, könne sie sich jedoch nicht vorstellen, dass er leichtfertig gehandelt habe. Das ändere aber nichts daran, dass das Verhalten schlicht falsch gewesen sei. Beer-Klatt: "Das geht einfach nicht. Gerade erst hieß es, dass wir die Leute soweit bekommen haben, dass die Impfbereitschaft in der Bevölkerung gestiegen ist. Dann passiert so was. Das ist sehr unglücklich."

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Nabburg

Landratsamt bestätigt

Wie Hans Prechtl am Dienstagnachmittag auf Anfrage mitteilte, hat das Landratsamt die Heimaufsicht, die Regierung der Oberpfalz, die Staatsanwaltschaft und auch die Stadt Schwandorf als Träger des Elisabethenheims eingeschaltet. Prechtl: "Das sind diejenigen Stellen, die das Vorkommnis bewerten und daraus dann die Schlussfolgerung ziehen können, in welcher Weise zu reagieren ist." Prechtl bestätigte zudem Beer-Klatts Aussage, dass es sich nach Kenntnis des Amts um insgesamt 20 Personen handelt, die unter der Hand geimpft wurden - allesamt Angehörige von Mitarbeitern. Der Schwindel ging Prechtl zufolge innerhalb eines Tages, am Mittwoch, 27. Januar, über die Bühne.

"Die Leute werden sagen, dass es reicht, wenn man Beziehungen hat, damit man anders behandelt wird als der Rest.“

Elisabeth Beer-Klatt, Vorsitzende des Schwandorfer Seniorenbeirats, über die Unregelmäßigkeiten im Elisabethenheim

Elisabeth Beer-Klatt, Vorsitzende des Schwandorfer Seniorenbeirats, über die Unregelmäßigkeiten im Elisabethenheim

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E. H.

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17.02.2021