Australien, die Philippinen und Indonesien: Diese Ziele stehen auf der Liste für die kleine Weltreise, zu der Nina Zeißner Ende Oktober zusammen Freundin Bianca Rappl aus Kelheim aufgebrochen ist. Dreieinhalb Monate hat die 25-Jährige mit ihrer ein Jahr älteren Begleiterin dafür eingeplant und sich nach dem Sonderpädagogik-Studium in Leipzig noch eine Auszeit vor dem Referendariat gegönnt. "Ich wollte einfach noch einmal raus und was von der Welt sehen", berichtet sie via Internet. "Wenn man mal arbeitet, ist es einfach viel schwieriger, so lange weg zu sein."
Dass man dabei dem Weihnachts-Rummel kaum entfliehen kann, ist der 25-Jährigen schon in Australien klar geworden, wo es im Supermarkt vor Wochen bereits Stollen, Lebkuchen und Spekulatius gab. Jetzt hat für die Freundinnen das Inselhopping auf den Philippinen begonnen. Dort hat das Duo bislang keine Plätzchen und Lebkuchen gesichtet, dafür jede Menge Christbäume und Krippen. "Hier ist ziemlich viel dekoriert, die Filipinos nehmen das sehr ernst", erzählt Nina Zeißner.
Besonders beeindruckt ist sie von Sternen, Kugeln und Girlanden aus recyceltem Material. Plastikflaschen und sogar Autoreifen hätten da Verwendung gefunden. " Es ist schon sehr verwunderlich, wie die Menschen hier auf Weihnachten abfahren", stellt die 25-Jährige fest. "Auf den Fähren wurden bislang bei jeder Fahrt Weihnachtslieder von der Crew gesungen", berichtet sie. Und was singt man dort so? "Feliz Navidad" und "Jingle Bells" konnten die Deutschen in dem Canon identifizieren, aber auch "nicht ganz so fröhliche philippinische Lieder".
Gebet auf der Fähre
Immerhin sind die Philippinen der einzige asiatische Staat mit einer katholischen Bevölkerungsmehrheit, einer sehr großen Mehrheit. Das ist den Weltreisenden beim Anblick der "unglaublich vielen Kirchen" deutlich geworden. "Außerdem steht vor jeder Abfahrt mit der Fähre über Bildschirm oder Lautsprecher ein Gebet auf dem Programm", erzählt die Schwandorferin. Und auf den Tricyclen (eine Art Dreiräder) hängt ein Schild mit der Aufschrift "God bless you" oder "Jesus is on Board". Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen an den 40 Reise-Tagen, die für die Philippinen eingeplant sind. Nach Cebu City sollten die Inseln Bohol, Camiguin und Siquijor abgeklappert werden. "Für Weihnachten sind wir in Moalboal. Das liegt auf der Insel Cebu", berichtet Nina Zeißner. Danach führt die Route nach Siargao, Palawan, Coron und schließlich nach Manila.
Sardinen, Schildkröten, Delfine: Damit wirbt das Taucherparadies Moalboal, in dem die beiden Freundinnen Weihnachten feiern werden. "Auf der einen Seite freue ich mich, Weihnachten am Strand zu sein, in der Wärme. Gleichzeitig ist es natürlich komisch, nicht daheim zu sein", räumt Nina Zeißner ein. In jedem Fall sei es wohl viel schwieriger für Mama und Papa. Am meisten fehlen werde ihr selbst tatsächlich das Essen: "Weihnachtsgans und Plätzchen, das gehört einfach dazu." Heimweh? "Eigentlich nicht", meint die junge Frau. Klar würde sie jetzt manchmal gerne einen Glühwein trinken, aber dafür sei ja in den nächsten Jahren wieder Zeit.
Vielleicht wird sie dann in Erinnerungen schwelgen an diese Reise, bei der sie auch gelernt hat, dass man "nichts wirklich planen kann". "Wenn man in Asien unterwegs ist, lernt man abzuwarten und zu schauen. Hier geht nichts schnell." Da könne eine Fahrt zum 60 Kilometer entfernten Hafen schon mal drei Stunden Busfahrt bedeuten. Auch die beiden Freundinnen selbst haben die Dauer einer Rollerfahrt zu den Chocolate Hills unterschätzt - samt Ausmaß eines tropischen Regengusses. Gelassenheit und Geduld, das habe sie hier gelernt, meint Nina Zeißner und "dass viele Leute so viel weniger haben als man selbst und trotzdem glücklich sind".
Spätzlehobel dabei
Einen genauen Plan haben die beiden Frauen aus Schwandorf für die Weihnachtstage jedenfalls noch nicht. "Wir werden vermutlich an den Strand gehen und baden. Einfach weil es ganz anderes ist wie das, was man sonst so macht. " Danach hoffen die beiden auf nette Gesellschaft in einem Hostel und einen schönen Abend. Wenn es dort eine Küche gibt, ist das Festmenü gebongt: "Dann machen wir Käsespätzle, weil wir einen Spätzlehobel dabei haben."
Wenn man in Asien unterwegs ist, lernt man abzuwarten und zu schauen. Hier geht nichts schnell.

















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