28.09.2018 - 19:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Jäger in der Biberfalle

Die Schildbürger lassen grüßen. Keiner weiß, wie sie bei sich mit der Biberplage umgehen. Aber das Geschehen rings um einen erst gefangenen und dann erschossenen Nager, verhandelt beim Schwandorfer Amtsgericht, trägt den Stempel von Schilda.

Biber sorgen immer wieder für Ärger – jetzt auch vor Gericht.
von Autor HOUProfil

Der 69-Jährige hat sein Jagdrevier bei Schwarzhofen (Kreis Schwandorf) und er nimmt seine Pflichten seit Jahrzehnten ernst. Jetzt saß er vor dem Richter und berichtete, was ihm am 21. März 2017 widerfuhr. Von einem Bekannten verständigt, eilte der Waidmann nachmittags hinaus zu einem Weiher und sah einen Jungbiber, der sich in einer aufgestellten Falle befand. Zuvor noch hatte er vergeblich versucht, den zuständigen Biberberater des Landkreises telefonisch zu erreichen.

Das Tier hing mit seinen langen Nagezähnen im Geflecht des Verschlags. Es lebend zu bergen, war nicht möglich. Also zog der Jäger seinen mitgebrachten Revolver und tötete es. Das hätte er besser unterlassen sollen. Denn einige Zeit darauf bekam der Mann einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Amberg. Er sollte zwei Monatsgehälter Geldstrafe zahlen, ihm drohte gleichzeitig für fünf Jahre ein Entzug des Jagdscheins. Da folgte sein Einspruch. Zu Recht, wie nach zweieinhalb Stunden offenkundig wurde.

Die Falle, so stellte sich heraus, stammte keineswegs von einem Wilderer. Sie gehörte dem Landratsamt Schwandorf und war auf Antrag der Gemeinde Schwarzhofen an das Gewässer gebracht worden. Per selten erteilter Ausnahmegenehmigung. Weil nämlich an besagtem Weiher die Biber besonders schlimm zu hausen pflegten. Also sollte zumindest eine der streng geschützten Kreaturen in die ewigen Jagdgründe geschickt werden.

Wichtig war: Der Schuss fiel am 21. März. Doch er hätte laut amtlicher Vorgabe nur zwischen 1. September und 15. März abgegeben werden dürfen. Sechs Tage Überschreitung also. Da schrieb die Untere Naturschutzbehörde dienstbeflissen eine Anzeige. Der Jäger räumte ein: "Ich habe das gewusst, aber wirklich angesichts der Lage nicht daran gedacht." Dann schob er nach: "Aber die Falle war scharf gestellt. Das hätte längstens seit dem 15. März nicht mehr sein dürfen."

Die von Behörden installierten Biberfallen müssen laut Vorschrift täglich kontrolliert werden. Angesichts dieser ihm geläufigen Tatsache hakte der Richter nach und wollte wissen: "Wer war dafür verantwortlich?" Nachdem dann zwei Beamte der Naturschutzbehörde und der ehrenamtlich arbeitende Biberberater ihre Aussagen gemacht hatten, ließ sich die Erkenntnis so zusammenfassen: Keiner. Damit war klar, weshalb nicht auch eine Anzeige gegen den Kontrolleur geschrieben wurde. Denn wem diese Aufgabe konkret zufiel, blieb irgendwie nebulös.

Ein Fallen-Fall wie aus Schilda. Mit einem Angeklagten, der eigentlich gutwillig am Weiher erschien und sagte: "Der Biber war da sicher schon längere Zeit drin." Ein Argument für den Tierschutz, das den nicht vorhandenen Kontrolleur traf. Der hätte übrigens angesichts fortschreitender Technik eine SMS auf sein Handy bekommen, als die Klappe zuschnappte. Aber es gab ihn ja nicht.

Der Richter schüttelte mit dem Kopf. Dann stellte er das Verfahren gegen den Jäger (69) auf Kosten der Staatskasse ein. Der sah sich rehabilitiert und widerlegt in seiner anfänglich zürnenden Botschaft: "Mit mir haben sie wirklich einen Dummen gefangen." Nein: Der gefangene Dumme in dieser Causa war ausschließlich der Biber. Doch davon soll es bei Schwarzhofen ganze Rudel geben. "Manchmal hocken elf Stück an der Schwarzach", wurde dem Richter nach Prozessende erzählt.

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