22.05.2019 - 14:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Das Jahrhundert der Frauen

"Frauen bewegen Europa": Unter diesem Motto steht die Muttertagsfeier der Frauen-Union. Dass dieser Leitgedanke zutrifft, unterstreicht Sissy Thammer in ihrer Festrede.

Kreisvorsitzende Marianne Forster, Kulturmanagerin Sissy Thammer, Ortsvorsitzende Sonja Dietl, OB-Gattin Susanne Feller, EU-Kandidat Christoph Götz und dritte Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf (von links) sprachen bei der Muttertagsfeier der Frauenunion Schwandorf.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Vorsitzende Sonja Dietl und ihre Mitstreiterinnen begrüßen die Teilnehmer am Sonntag in der Spitalkirche in den Landessprachen der 28 EU-Länder. Der Muttertag werde weltweit gefeiert, so Sonja Dietl, "nur mit unterschiedlichen Symbolen und Ritualen". Das sei ganz im Sinne des europäischen Gedankens: "In Vielfalt geeint". Dritte Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf sieht in einem vereinten Europa "einen stabilen Anker in der Welt" und eine Wertegemeinschaft, die seit 70 Jahren den Frieden sichere.

"Europa ist unsere Zukunft", betonte der 22-jährige Jura-Student Christoph Götz, der auf der CSU-Liste für das europäische Parlament kandidiert. Er möchte vor allem die jungen Leute ermuntern, zur Wahl zu gehen und die demokratischen Kräfte zu stärken. Ein weiterer Bewerber aus dem Landkreis ist Tobias Ehrenfried aus Oberviechtach, der den "Eisernen Vorhang" nur vom Hörensagen kennt und heute eine ungeahnte kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung zwischen Bayern und Böhmen erlebt.

Besondere Qualitäten

"Die Welt braucht Mütterlichkeit", ist Sissy Thammer überzeugt. Die Kulturmanagerin und Botschafterin des Landkreises Schwandorf hat zwar selbst keine Kinder geboren, habe aber gemerkt, wie wichtig ihre Mütterlichkeit für die internationale Jugendarbeit sei. Die besonderen Qualitäten der Frauen, ihr Mitgefühl, ihre Geduld und ihre Selbstlosigkeit seien bedeutend für "den Frieden und den Wohlstand in der Welt".

Sissy Thammer trat schon als junge Studentin der Paneuropa-Union bei und ist als Intendantin des Festivals junger Künstler in Bayreuth für die internationale Nachwuchsarbeit zuständig. Im vergangenen Jahr betreute sie 550 Teilnehmer aus 30 Nationen. Bei ihrer Tätigkeit gehe es um Friedensarbeit und um die Förderung der Jugend in Kunst und Kultur. Auch die Lindenschule Schwandorf sei in einen Workshop eingebunden und bereite ein "Papiertheater" vor. Die Kulturmanagerin lädt Leistungsträger aus aller Welt ein und schickt gleichzeitig bayerische Hoffnungsträger als Botschafter hinaus. Sissy Thammer zitiert das "Auswärtige Amt", das die Zusammenarbeit in Sachen Kunst und Kultur "als dritte Säule der Diplomatie neben Politik und Wirtschaft" bezeichne.

Mehr Abiturientinnen

"Das 21. Jahrhundert ist weiblich, es wird das Jahrhundert der Frauen", ist Sissy Thammer überzeugt. Die höhere Bildung wandere "deutlich von den Männern zu den Frauen hinüber". In Deutschland machten mehr Frauen als Männer Abitur, erreichten schnellere und bessere Abschlüsse an der Universität. "Junge Männer weichen eher in berufsbezogene Ausbildungsgänge aus", beobachtet die Trägerin des Bayerischen Verdienstordens, die 1954 in Winklarn geboren wurde.

In der Berufswelt seien mehr denn je "kreative und emotionale Kompetenz" gefragt, sagt Sissy Thammer. Industrielle Männerberufe würden dagegen auf breiter Front wegrationalisiert. "Frauen verändern auf ihrem Weg die ganze Gesellschaft", ist Dr. h.c. Sissy Thammer überzeugt. Die Musikakademie Cluj-Napoca in Rumänien verlieh ihr die Ehrendoktorwürde. Frauen stellen in der Partnerschaft Bedingungen, verändern die Konsummärkte, engagieren sich sozial und beeinflussen die Politik. Nur in der Netzwerkarbeit sieht die Kulturmanagerin noch Potenzial nach oben.

Der Festrednerin appellierte an die Bürger, am Sonntag zur Wahl zu gehen und die demokratischen Kräfte zu stärken. Denn: "Eine Union der europäischen Staaten bringt uns die Chance, den Pluralismus, die Transparenz und die Partizipation zu stärken". Dies geschehe nicht von alleine, dafür müsse jeder einzelne Bürger eintreten und sich äußern, "wenn ihm diese Ziele wichtig sind". Ein vielfältiges Europa brauche ein selbstbewusstes, grenzüberschreitendes Bürgertum.

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