27.07.2020 - 11:55 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Der Jochen" bei Schwandorfer Freunden

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Er hatte viele Freunde. Doch zu manchen unterhielt der verstorbene Hans-Jochen Vogel ein besonders enges Verhältnis. Altlandrat Hans Schuierer zählte ebenso dazu wie der verstorbene SPD-Abgeordnete Franz Sichler sen. und dessen Sohn.

1973 kam Hans-Jochen Vogel als damaliger Bundesbauminister nach Schwandorf. Er besichtigte die Altstadt und sprach in der damals noch existierenden TSV-Turnhalle. Viele Jahre später signierte Vogel das Foto, als er SPD-Kanzlerkandidat war und erneut in Schwandorf auftrat.
von Autor HOUProfil

"Wenn ich ihn gebraucht habe, war er da", hat Hans Schuierer gesagt, als er am Sonntag vom Tod des ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden, Ministers und Münchener Oberbürgermeisters erfahren hatte. Hans-Jochen Vogel kam bereits 1970, als Schuierer zum Landrat des damaligen Kreises Burglengenfeld kandidierte. Danach kehrte er etliche Male zurück, um für seinen Parteifreund das Wort zu ergreifen.

"Wenn ich ihn gebraucht habe, war er da".

Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer

Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer

Zum Beispiel 1984, als Schuierer als Landrat in Schwandorf zur Wiederwahl stand. Die Kundgebung fand damals in Burglengenfeld statt. Skeptisch äußerte sich der "Jochen", wie ihn Schuierer stets nannte, gegen das seinerzeit eben beginnende atomare Projekt der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf.

"Kann schlecht ablehnen"

Hans Schuierer stammt aus Klardorf. Wiederholt trat Hans-Jochen Vogel dort als Redner auf. Auch im Jahr 2007, als er sich bereits im Ruhestand befand. Der SPD-Ortsverein, die örtliche Arbeiterwohlfahrt und die sozialdemokratische Nachwuchsorganisation Falken feierten gemeinsam Jubiläen."Eigentlich wollte ich nicht mehr auftreten", sagte Vogel seinerzeit zu Schuierer. Dann fügte er hinzu: "Aber wenn Du anrufst, kann ich wohl schlecht ablehnen."

Es gibt noch andere Besuche von Hans-Jochen Vogel, die bleibende Erinnerungen hinterließen. 1973 kam er als Bundesbauminister. In der Stadt Schwandorf ging es um die Altstadtsanierung. Mit Landrat Schuierer und dem damaligen Oberbürgermeister Josef Pichl besichtigte er das Quartier rings um den Marktplatz. Danach sprach Vogel, der nur kurze Zeit Bauminister war und später an die Spitze des Bundesjustizministeriums wechselte, in der damaligen TSV-Turnhalle am Hubmannwöhrl.

Auch Herbert Wehner

1983 bewarb sich Vogel gegen Helmut Kohl um das Amt des Bundeskanzlers. Auf seiner Wahlkampftour sparte er Schwandorf nicht aus und gab eine Pressekonferenz. Auch sie blieb im Gedächtnis. Weil da Leute waren, die er seit langem kannte. Neben Hans Schuierer auch der damalige Stadtrat Franz Sichler jun. Dessen Vater Franz Sichler sen. zählte zu den ersten bayerischen SPD-Landtagsabgeordneten nach dem Krieg. Sichler ist im Gedächtnis geblieben: "Er war wiederholt in der Wohnung meines Vaters. Erst in der Ganghofer-Straße und später draußen in Kronstetten". Dort wurden auch andere namhafte Sozialdemokraten wie Herbert Wehner und Waldemar von Knoeringen gelegentlich zu politischen Beratungen empfangen.

Hans Jochen Vogels Lebenswerk

Deutschland & Welt

Heuer im Februar gratulierte Franz Sichler jun. dem in einer Münchener Seniorenresidenz lebenden Hans-Jochen Vogel zum 94. Geburtstag. Wie jedes Jahr. Und wie in jedem Jahr erhielt er ein Dankesschreiben aus der Landeshauptstadt. Mit der Anrede "Lieber Franz". Hans Schuierer und Franz Sichler jun. trauern nicht nur um einen Sozialdemokraten, dem europaweit Respekt und Hochachtung zukam. Sie verlieren mit Hans-Jochen Vogel auch einen Freund, auf den sie zählen konnten. "Ein Ratgeber, Vertrauter und jemand, der beispielhaft die Ziele unserer Partei im Auge hatte", waren sie sich nach Hans-Jochen Vogels Tod einig.

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