28.02.2019 - 14:14 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ein Joint und viele Küsschen

Zustände sind das im Rathaus! Schon am Vormittag süffeln Mitarbeiter und Gäste Sekt, Weißbier und Bowle. Der Oberbürgermeister dreht sich einen Joint. Und Prinzessin Angelique verteilt Küsschen. Am Unsinnigen Donnerstag ist das erlaubt.

von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Der Mann mit dem Schnauzer hat eine fabelhafte Taktik, um den ausgelassenen Damen der Faschingsgesellschaft Lindania zu entkommen, die am Donnerstag das Schwandorfer Rathaus stürmen. Während sich die Frauen mit Sekt zuprosten, den Ententanz darbieten und fröhlich feiern, sitzt der Herr an seinem Schreibtisch und geht ungerührt seiner Arbeit nach. Mit der Maus zieht er Linien, ein Haus ist zu erkennen. Schätzungsweise hat er irgendetwas mit "Planen und Bauen" zu tun, wie es vor der Bürotüre an einem Schild steht. Die Faschingsgesellschaft nimmt kaum Notiz von dem Herren, dem das wohl ganz recht ist.

Zweiundvierzigeinhalb

Andere kommen da nicht so einfach davon. Martina Prüfling, eine weitere Mitarbeiterin der Stadt, wird aus ihrem Büro geholt und bekommt ein Glas Sekt in die Hand gedrückt. Ein Dutzend Frauen und Männer stimmen "Zum Geburtstag viel Glück" an. Wie alt sie denn geworden ist? "Noch keine 50", sagt Prüfling mit einem Grinsen. Ein Herr erklärt, ebenfalls mit einem Lächeln, dass sie ihren 35. Geburtstag feiert. Dass er flunkert, ist offensichtlich. Egal, an Fasching muss es auch die Presse nicht so genau wissen. Deshalb nehmen wir einfach mal den Durchschnitt: Alles Gute zum Zweiundvierzigeinhalbten!

Die sechs Weiber der Faschingsgesellschaft marschieren schließlich ins Amtszimmer des Oberbürgermeisters. Der ahnt angesichts der grünen Perücken, bunten Schlaghosen, übergroßen Sonnenbrillen und Halsketten mit dem Peace-Zeichen, mit denen sich die Damen schmücken, was kommte. "Setzt's Euch hin, und gebt's an Fried", versucht Andreas Feller noch im Vollbesitz seines Amtsstatus' das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Die Damen und Musiker Thomas Schediwy machen aber schnell klar, wer an diesem Tag den Ton angibt. Boarische erklingen im Büro des Oberbürgermeisters. Die Lindania-Abordnung kleidet das Stadtoberhaupt kurzerhand ein. Eine strohblonde Perücke und ein blau-weißes Stirnband sorgen für einen flotten Imagewandel vom Oberbürgermeister zum Hippie-Mitglied.

"Auf ex, oder?"

Der Oberbürgermeister nimmt's gelassen und nutzt die Gelegenheit, sich ein Weißbier bringen zu lassen. "Auf ex, oder?", fragt Feller - und die Umstehenden wissen nicht so genau, ob er das als Scherz meint, oder angesichts der Aufgaben, die ihm aufgetragen werden, tatsächlich gerne machen würde. Feller muss einen Joint drehen (in Wahrheit nur Pfeifentabak), Gstanzln singen (die er in Wahrheit nur aufsagt) und einen Stift, der an einer um seine Hüfte gebundenen Schnur angebracht ist, in Pflümli-Fläschchen balancieren (was in Wahrheit so gut wie unmöglich ist). Oberbürgermeister Feller spielt geduldig mit und lasst sich auch ohne murren seine Krawatte abscheiden. Der Lohn: Ein Küsschen von der attraktiven Prinzessin Angelique.

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