Lucas Jacobsen Kampke ist 23 Jahre alt, groß gewachsen und blond. So stellt man sich in der Regel keinen Brasilianer vor. Doch er hat deutsche Wurzeln, seine Vorfahren wanderten im 19. Jahrhundert nach Südamerika aus - wie so viele damals, die auf dem entfernten Kontinent ein neues Leben suchten und fanden.
Kampke stammt aus dem kleinen Ort Itaguaçu im brasilianischen Küstenstaat Espírito Santo ("Heiliger Geist"). Derzeit studiert er Theologie an der 1946 gegründeten Faculdades EST, einer Hochschule in São Leopoldo. Das Studium schließt auch ein Auslandssemester ein. Hier bietet sich, wegen der traditionellen Nähe der brasilianischen Protestanten zu den bayerischen, ein Aufenthalt in Neuendettelsau an, der geistlichen Keimzelle der evangelischen Theologen-Ausbildung im Freistaat.
"Will wiederkommen"
In Deutschland zu studieren, das beinhaltet auch ein Gemeindepraktikum. Dafür gibt es in Bayern kaum einen besseren Ort als Schwandorf. Nicht nur, dass die Schwandorfer evangelische Kirchengemeinde seit vielen Jahren intensive Beziehungen pflegt mit der evangelischen Einrichtung Comin in Übersee, die sich um Indigene in Südbrasilien kümmert. Mit Alfred Malikoski ist auch bereits der zweite brasilianische Pfarrer in Folge in der Gemeinde tätig, nach den beiden Seelsorgern Milton Jandrey und seiner Frau Márcia.
Schwandorf hat es Lucas Kampke durchaus angetan. "Es gefällt mir hier und ich habe auch schon Menschen aus der Kirchengemeinde kennengelernt." Pfarrer Malikoski betreut ihn, lässt ihn auch in seinem Haus das Monat über wohnen, in dem Kampke in der Kreisstadt zugange ist. Außer der Familie des Pfarrers habe er "noch keine anderen Brasilianer" in Schwandorf getroffen, bedauert er - nicht zuletzt wegen der Sprache; denn obwohl der 23-Jährige Deutsch lernt, dauert es wohl noch einige Zeit, bis er sich einigermaßen fließend unterhalten kann. Und so fungiert der Pfarrer auch als Übersetzer. Und wenn der junge Mann ehrlich ist: Ein bisschen findet er die Deutschen auch zurückhaltend.
Für den jungen Brasilianer, dessen Gastspiel in Schwandorf den ganzen Oktober dauerte, ist es besonders interessant zu lernen, wie eine deutsche Kirchengemeinde organisiert wird. "Das ist eine moderne und angenehme Gemeinde", versichert er und lobt die Dienstgespräche, die einmal in der Woche über die Bühne gehen. Außerdem gefällt ihm die moderne Erlöserkirche. "Ich fühle mich hier wohl", sagt er.
Bei Pfarrer Malikoski wird er international verköstigt: Neben dem brasilianischen Nationalgericht Feijoada (einem ein Eintopf aus Bohnen, Schweine- oder Rindfleisch und zahlreichen weiteren Zutaten), gab es natürlich Schnitzel und Kartoffelsalat sowie Gerichte wie Pelmeni - ursprünglich aus Russland stammende, in Wasser oder Brühe gekochte und mit Fleisch gefüllte Teigtaschen. Denn: Die Frau des Pfarrers, Olga, hat russische Wurzeln.
Am Reformationstag endete das Praktikum von Lucas Kampke. "Ich bin dankbar für alles, was ich hier lernen konnte, aber gleichzeitig ist mein Herz traurig - denn es ist Zeit zu gehen, und jede Minute, die ich hier erlebt habe, war wunderbar." Und deshalb, versichert er, will er einmal wiederkommen.













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