29.11.2019 - 17:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Karriere am Puls der Geschichte

Es war eine Karriere am Puls der Zeitgeschichte. Zum Jahresende verabschiedet sich Reinhold Balk nach 42 Jahren im Dienst bei Bundesgrenzschutz und Bundespolizei.

Reinhold Balk mit Frau Cornelia, den Söhnen Patrick (links) mit Enkelin Charlotte, Michael (Dritter von rechts) und Lukas (Vierter von links), Präsident Karl-Heinz Blümel (Zweiter von rechts) und Hans Brechbuhl.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Balk stand in erster Reihe, als sich die Welt bewegte: als Sachbearbeiter Sicherheit des BGS am Eisernen Vorhang, als Leiter der Erstaufnahme von DDR-Übersiedlern in Weiden, zuletzt als Kontingent-Leiter der Bundespolizei im Gemeinsamen Zentrum in Passau.

Zum Jahresende verabschiedet sich der 61-Jährige - nach Verlängerung - in den Ruhestand. Hinter ihm liegen 42 bewegte Berufsjahre.Seinen Abschied nahm der Kienloher dort, wo er 10 000 Diensttage verbracht hat: in Schwandorf. Zur Feier im Casino kamen am Freitag Wegbegleiter aus vier Jahrzehnten: Kollegen aus Bayern, aber auch außergewöhnliche, internationale Gefährten. Etwa Hans Brechbuhl, gebürtiger Schweizer aus den USA, der in den 80ern das "Camp Pitman" in Weiden leitete. Dort waren im Kalten Krieg über hundert US-Soldaten stationiert. Die Nervosität vor einer Krise zwischen den Weltmächten war bei den Amerikanern groß. Da tat private Freundschaft gut. Zwischen Balk und Brechbuhl entstand eine Verbindung fürs Leben. Balk ist Pate von Brechbuhls Tochter, Absolventin der Airforce Academy.

Auch der österreichische Kontingent-Leiter Franz Schwarz des GZ Passau war gekommen, ebenso ein Berliner Kollege mit erstaunlicher Vita: Geboren in der DDR war er bei Mödlareuth als Soldat der Nationalen Volksarmee eingesetzt, 1992 begann er beim Bundesgrenzschutz und freundete sich mit Balk an.

Eben das ist es, was den 61-Jährigen ausmacht: "Fachlich und menschlich außergewöhnlich", beschreibt ihn Präsident Dr. Karl-Heinz Blümel. Es gibt ein Foto, das Außenminister Hans-Dietrich Genscher und seinen Kollegen Jiri Dienstbier beim Durchzwicken des Zaunes bei Waidhaus zeigt. Schon ein halbes Jahr davor saßen die BGS-Beamten mit den CSSR-Grenzwachen beim Grenzstein in Eschlkam zum Kaffee zusammen.

Balk hat den Wandel vom BGS zur Bundespolizei miterlebt. Erst die Auflösung der Grenzschutzabteilung Süd 5 und die Errichtung des Bundesgrenzschutzamtes. Mit großer Energie baute er 1998 die Inspektion Kriminalitätsbekämpfung auf, leitete diese und musste 2008 die Auflösung hinnehmen. Es folgten sieben Jahre in Nürnberg, ehe sein Organisationstalent 2015 in der Migrationskrise in Passau gefragt war. Sein Fazit: "Die Bundespolizei hat viel erreicht und ist fester Bestandteil der Sicherheitsarchitektur." Aber: "Bei diesem enormen Wandel ist der Mensch etwas auf der Strecke geblieben." Er vermerkt kritisch den "Wandel vom Mitarbeiter zur Kostenstelle" und einen gewissen "Zentralismuswahn".

Was persönlich folgt? Zeit für Ehefrau Cornelia, die drei Söhne Michael, Patrick und Lukas sowie die Enkel Charlotte und Leopold. Zeit für Vorträge über den Eisernen Vorhang. Für Ski und Motorradfahren. Falls er "seine" Grenze vermisst, kann Balk in den Garten schauen: Kollege Gundolf Streit hat für ihn einen blau-weißen Grenzpfahl mit Schmugglerversteck gebastelt.

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