27.07.2020 - 17:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kfz-Zulassung wird am Landratsamt Schwandorf zur Geduldsprobe

Lange Wartezeiten, kein Erfolg, wenn was bei den Unterlagen fehlt. Die Auto-Zulassung kann einem Spießrutenlauf gleichen. Eine Oberviechtacherin hat eine Idee, wie man das verbessern könnte. Das Landratsamt sieht keinen Grund dazu.

Am Briefkasten und an der Eingangstüre zur Zulassungsstelle in Oberviechtach wird informiert, dass der reguläre Dienstbetrieb zur Zeit nicht aufrechterhalten werden kann.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

In der Regel dauert es nicht lange, bis ein neues Auto zugelassen ist. Allerdings nur, wenn man bereits beim Sachbearbeiter am Schreibtisch sitzt. In Schwandorf kann es derzeit aber lange dauern, bis man überhaupt drankommt. Wer mittwochs noch schnell einen Termin für die Woche vereinbaren will, hat schlechte Karten. Maria Lesser wollte das so machen. Sie berichtet: "Die freundliche Dame am Telefon erzählte mir aber von der Möglichkeit, am Donnerstagnachmittag zwischen 13 und 16 Uhr ohne Termin und mit Anstellen dranzukommen." Zudem sagte ihr die Frau, sie solle versuchen, schon eine Stunde früher dran sein. Als Lesser um 11.50 an der Zulassungsstelle war, standen die Menschen bereits weit bis auf die Straße hinaus. Lesser war als dreißigste an der Reihe. Als sie endlich fertig war, war es 14.15 Uhr. Lesser: "Der Zulassungsvorgang an sich dauerte vermutlich keine fünf Minuten, mein Sacharbeiter war flott und super freundlich." Lesser selbst weiß, wovon sie spricht. 2016 machte sie ein Schnupperpraktikum bei der Zulassungsstelle in Schwandorf, danach konnte sie ein weiteres Mal für drei Wochen hinter die Kulissen bei der Zulassungsstelle in Kempten (Allgäu) blicken. Seit der Corona-Pandemie übernimmt die Zulassungsstelle in Schwandorf alle Aufgaben für den Landkreis, weil die Nebenstelle in Oberviechtach, zu der in der Regel ebenfalls viele Menschen kommen, geschlossen ist. Die Unterstützung aus Oberviechtach fällt also weg. Ein Zeichen, dass die Mitarbeiter in Schwandorf bis ans Limit ausgelastet sind, ist Lesser zufolge die Aussage ihres Sachbearbeiters, der ihr erzählte, dass die Mitarbeiter im Moment täglich zehn bis zwölf Stunden arbeiten.

Warten bis zur Zulassung. So sah es vor kurzem vor der Zulassungsstelle in Schwandorf aus. Die Leute warteten teils stundenlang, um zu einem Sachbearbeiter zu kommen.

Organisation verbessern

Lesser hat einen Vorschlag, wie die Zulassungsstelle künftig zügiger arbeiten könnte. Ihr Sachbearbeiter habe ebenfalls den Wunsch geäußert, so vorzugehen. Aus ihrer Zeit in Kempten weiß Lesser, dass dort über eine bestimmte Zeit eine Vorprüfung aller nötigen Dokumente stattfand, bevor jemand, der sein Auto anmelden möchte, überhaupt eine Nummer ziehen kann. Das habe den Grund, dass bei der Zulassung alle Dokumente beieinander und darin auch keine Fehler mehr sind. "Auch für die Sachbearbeiter ist das eine große Hilfe", ist sich Lesser sicher. Sie glaubt, dass die Coronakrise eine Chance für Schwandorf sein könnte, etwas an der Organisation zu ändern. Gleichzeitig möchte sie aber hervorheben, dass sich "die Kollegen in Kempten und Schwandorf", was deren Fleiß und Kompetenz angeht, nicht unterscheiden.

Landratsamt sieht keinen Grund für Verbesserung

Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien beim Landratsamt, was man dort vom Vorschlag Lessers halte, teilte Pressesprecher Hans Prechtl lediglich mit: "Wie uns vielfach bekundet wird, braucht unsere Zulassungsstelle keinen Vergleich mit einer anderen Zulassungsstelle in der Oberpfalz zu scheuen." Er weist darauf hin, dass die Zulassungsstelle den Leuten neben der herkömmlichen Terminvergabe auch anbietet, Zulassungsanträge per Post einzureichen. Wer das in Oberviechtach macht, der hat dann auch schon seit dem 15. Juni die Gelegenheit, die fertigen Unterlagen in der Nebenstelle in Oberviechtach abzuholen.

Das Problem, dass die Leute immer wieder mal mit unvollständigen Unterlagen eine Zulassung beantragen, bleibt wohl bestehen. Daran dürfte sich auch mit dem Antrag per Post nichts ändern, solange es, wie Lesser vorschlägt, keine Vorprüfung gibt. Auf der Website der Zulassungstelle Schwandorf ist zu lesen: "Leider erreichen uns immer mehr Zulassungsanträge, bei denen die Unterlagen unvollständig sind. Dies erschwert und verzögert die Sachbearbeitung aller Zulassungsanträge." Die Sachbearbeiter bitten daher: "Bitte achten Sie sorgfältig darauf, dass die eingereichten Unterlagen vollständig sind. Davon profitieren alle."

Hintergrund:

Das brauchen Sie bei der Zulassungsstelle

Wer eine Zulassung für sein Auto haben möchte, der sollte darauf achten, dass er alle Unterlagen beieinander hat. Das braucht die Zulassungsstelle von Ihnen:

  • Eine Kopie Ihres Personalausweises, die beide Seiten gut leserlich zeigt. Hier ist insbesondere Ihre Adresse wichtig.
  • Für den Fall, dass es Rückfragen gibt, brauchen die Sachbearbeiter entweder Ihre Telefonnummer oder Ihre E-Mail-Adresse.
  • Bei einer Neuanmeldung brauchen Sie einen vorausgefüllten Vordruck des Fahrzeugbriefs, sowie eine Übereinstimmungsbescheinigung (CoC), eine elektronische Versicherungsbescheinigung und ein formloses SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer. Außerdem möchten die Sachbearbeiter von Ihnen wissen, wie Ihr reserviertes Kennzeichen lautet.
  • Wenn Sie ein Auto wieder zulassen möchten, dann brauchen Sie die Zulassungsbescheinigung des Autos, die bei der Außerbetriebnahme verwendet wurde. Den Fahrzeugbrief brauchen Sie nur, wenn das Auto zuvor schon einmal auf Sie zugelassen wurde. Zudem müssen Sie ein formloses SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer mitbringen sowie eine Kopie des letzten Untersuchungsberichts.
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