01.06.2020 - 12:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die kleine Truppe im Hintergrund: Das Kreisverbindungskommando Schwandorf

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Mit Ausrufung des Katastrophenfalls zu Beginn der Coronapandemie wurde auch das Kreisverbindungskommando Schwandorf erstmals aktiviert. Seine Arbeit geschieht eher im Verborgenen und ist doch unabdingbar für das Eindämmen des Virus.

Josef Käs, Jürgen Vetter (beide Stabsfeldwebel der Reserve), Gerhard Friedl, Walter Drexler (beide Oberstabsfeldwebel der Reserve) und Leiter des KVK German Greif (Oberstleutnant der Reserve) bilden das fünfköpfige Kreisverbindungskommando Schwandorf.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Am Ende eines langen Ganges im Keller des Landratsamts in Schwandorf befindet sich die Zentrale des Kreisverbindungskommandos. 2007 wurde das KVK ins Leben gerufen. Es besteht aus einer Gruppe von Reservisten, die im Katastrophenfall aktiviert wird. Das ist mit der Coronapandemie nun eingetreten. Oberstleutnant der Reserve German Greif ist Leiter der ehrenamtlichen Truppe aus ehemaligen Aktiven. Im "normalen" Leben ist er Jurist und Geschäftsführer einer Immobilienberatungs- und Projektentwicklungsgesellschaft und wohnt in München. Insgesamt gehören zum KVK Schwandorf fünf Männer.

Vernetzt und ausgebildet

Alle bis auf Greif haben ihr Zuhause im Landkreis Schwandorf und waren in der Vergangenheit aktive Soldaten. "Das ist besonders wichtig, dass man vor Ort vernetzt ist, die Gegebenheiten und die Leute kennt, aber auch das militärische Wissen hat", betont Oberstabsfeldwebel der Reserve Walter Drexler. Wenn er für das KVK im Einsatz ist, beginnt sein Tag noch früher und endet noch später als sonst. Der Eixendorfer ist Vollerwerbslandwirt für Ackerbau und Bullenmast. Bevor er den Dienst im Landratsamt antritt, steht er schon im Stall. Nachmittags geht es aufs Feld. Niemand weiß, wie lange diese Situation noch anhält. "Bei Naturkatastrophen wie Hochwasser kann man mit drei bis vier Wochen rechnen, aber bei Corona hat niemand Erfahrungswerte", erzählt Greif.

Zu den Aufgaben des Kommandos gehört, Soldaten zu empfangen und einzuweisen, die als sogenannte "helfende Hände" während der Coronazeit zur Verstärkung gerufen werden. Das KVK ist deren Ansprechpartner und Koordinator. Aktuell sind zwölf Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbatallions 122 Oberviechtach dafür beordert. Sie unterstützen die Teststation im Sepp-Simon-Stadion und die Covid-19 Teststation in Nabburg, helfen im Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara, verwalten und verteilen Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel und fahren die Proben zu den Laboren nach Erlangen und Burglengenfeld. Für die Behelfskrankenhäuser lieferte die Bundeswehr ebenfalls insgesamt 40 zusätzliche Betten. Auch wenn diese bisher nicht gebraucht wurden, ist man froh sie zu haben. Der Landkreis, in Form der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FÜGK), hat den Bedarf für "helfenden Hände" ausgesprochen, das KVK hat das an die Bundeswehr herangetragen und das weitere Vorgehen begleitet.

Gefahrenpotenziale im Landkreis

Dieser Vorgang ist ein gigantischer Verwaltungsakt, weshalb auch das Wissen von IT-Fachmann und Stabsfeldwebel der Reserve Jürgen Vetter gefragt ist, der ebenfalls Mitglied des Kommandos ist. Abgesehen von der Beschützerfunktion sind Soldaten schlichtweg Angestellte, die Geld kosten. In der Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit (ZMZ) wird daher streng nach dem Subsidiaritätsprinzip gehandelt. Das heißt, dass erst dann aktive Soldaten dazugeholt werden dürfen, wenn die zivilen Hilfskräfte wie THW, Feuerwehr und Polizei ihre Kapazitäten ausgeschöpft haben. Dies einzuschätzen und zu kalkulieren gehört ebenfalls zum Aufgabenspektrum des KVK.

Corona: Krisenmanagement im Landkreis Schwandorf

Nabburg

Seit über zehn Wochen ist das KVK im Coronaeinsatz, der ihr erster scharfer Einsatz ist. Für alle möglichen Gefahrenpotenziale im Landkreis gibt es ein Katastrophenszenario. Darunter fällt zum Beispiel ein möglicher Waldbrand, denn 45 Prozent des Landkreises sind mit Wald bedeckt. Ebenfalls Gefahrenpotenzial bieten Hochwasser von Naab und Regen, der Staudamm in Trausnitz und die Talsperre in Eixendorf sowie Firmen, die mit gefährlichen Stoffen arbeiten, wie Fluorchemie Stulln, NABU-Oberflächentechnik in Stulln, die Biogasanlage Bayernwerk in Schwandorf und Tyczka Energy in Fensterbach.

Ein Szenario für eine Viruspandemie gab es bisher nicht, umso schneller mussten sich alle in die neuen Regeln einarbeiten. "Zu Beginn waren das 10- bis 14-Stunden-Arbeitstage", erzählt Stabsfeldwebel der Reserve Josef Käs, der von Anfang an eingesetzt war. Auch er muss oft zusätzlich Aufgaben für seine Arbeitsstätte erledigen. Für jeden der fünf ist es eine Doppelbelastung. "Eigentlich sollte man bei einer Sache zu 100 Prozent dabei sein, aber natürlich muss auch die Arbeit weiterlaufen", so der 47-Jährige. Greif: "Es soll ja auch nach Corona wieder alles weitergehen."

Wann "nach Corona" sein wird, kann auch das KVK nicht einschätzen. "Es gibt dazu ganz unterschiedliche Aussagen, eine genaue Prognose kann niemand abgeben", so Greif. Drexler meint für den Landkreis Schwandorf: "Wir können grundsätzlich zufrieden sein." Das KVK trägt seinen Teil zum Eindämmen der Pandemie bei - "wie ein Stück eines Puzzles."

Hintergrund:

Die Vermittlerrolle, wie es das Kreisverbindungskommando zwischen dem Landkreis und der Bundeswehr übernimmt, gab es auch schon vor der Gründung des KVK 2007. Zuvor war die Aufgabe mit aktiven Soldaten besetzt, zum Beispiel im Verteidigungskreiskommando (VKK). Mit Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und Personalkürzungen wurde diese Aufgabe an Reservisten übertragen, die ehrenamtlich arbeiten und im Katastrophenfall einsatzbereit sind. KVK-Leiter German Greif würde sich sehr über Neuzugänge freuen, denn an Nachwuchs mangle es der fünfköpfigen Truppe. Reservisten aus dem Landkreis Schwandorf sind eingeladen, sich dem Team anzuschließen. "Die Kameradschaft", so Greif mit einem Augenzwinkern, "wird auch gepflegt." (anv)

Die beiden Oberstabsfeldwebel der Reserve Walter Drexler (links) und Gerhard Friedl haben aktuell zusammen Schicht. Diese kann auch über mehrere Wochen gehen.
Oberstleutnant der Reserve und Leiter des KVK German Greif sieht sich den Lageplan an.
German Greif, Oberstleutnant der Reserve und Leiter des KVK.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Antoine BERBEN

Verzeihung aber wenn da 5 Leute gebraucht werden um die Arbeit von 12 Soldaten zu verwalten dann ist da doch wirklich etwas ganz schief gegangen beim Bund, egal ob es sich nun um Reservisten handelt oder nicht!

01.06.2020