24.07.2018 - 11:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Klimaschutz: Tempo in der Diskussion

Seit 2010 verfolgt der Landkreis ein Klimaschutzkonzept, noch bis 2030 läuft es. Die Einen sind mit dem Verlauf zufrieden, den Anderen geht es zu langsam voran. Das zeigt eine Diskussion im Kreistag.

Erstellte das Klimaschutzkonzept für den Landkreis: Professor Markus Brautsch.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Der Zwischenbericht zum Integrierten Klimaschutzkonzept für den Landkreis stand auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen auf der Tagesordnung. Dazu kam der FH-Professor Markus Brautsch in die Kreistagssitzung. "Das Klimaschutzkonzept war das Drehbuch zum Anstoß von Projekten im Landkreis und seinen Kommunen", zog er ein Fazit aus den bisherigen Bemühungen um mehr Energieeffizienz und den Ausbau regenerativer Energieformen. Christian Meyer, am Landratsamt für das Thema zuständig, verdeutlichte, dass der Kreis von den Beratungen profitiert, die von Professor Brautsch und seiner Fakultät an der OTH Amberg-Weiden angeboten werden. Zudem habe der Landkreis eigene Energieberatungen eingeführt, über energetische Gebäudesanierungen und Fassadendämmungen informiert sowie E-Lade-Säulen an Landratsamt und Gymnasien installiert.

Zu Beginn der sich entwickelnden Diskussion stellte sich der Sprecher der Grünen-Fraktion, Rudolf Sommer, die Frage, ob die gesteckten Ziele bis 2030 zu erreichen sind. Er dachte da vor allem an die Halbierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von einst 900 000 auf 450 000 Tonnen. Zudem bezweifelte er, ob die einkalkulierte Anzahl von 37 Windkraftanlagen angesichts der bayernweit eingeführten 10-H-Abstandsregelung überhaupt noch möglich ist. "Das kann ich nicht sagen, dazu bräuchte ich eine neue Bestandserhebung", ließ Brautsch die Antwort offen. Tatsache sei, dass "10 H" den Bau von Windrädern nicht beflügelte. Andererseits sei aber auf dem Sektor der Energieeffizienz schon mehr erreicht worden als erwartet.

Rudolf Sommer hielt es für sinnvoll, zur Programm-Mitte im Jahr 2020 eine Halbzeitbilanz zu ziehen. Er sprach sich dafür aus, Daten zu erheben, die zeigen, wie der Landkreis im Rennen liegt. Sie könnten dann ja auch Ansporn sein, noch mehr Energie zu sparen und sich noch stärker um den Ausbau von Erneuerbaren Energien zu kümmern. In diesem Zusammenhang warf er erneut die Frage auf, ob da ein Klimaschutz-Manager hilfreich sein könnte.

Landrat Thomas Ebeling (CSU) erinnerte, dass es hierfür bislang keine politische Mehrheit im Kreistag gab. Ungeachtet dessen könne natürlich Jeder einen Antrag stellen.

Grünen-Fraktionschef Sommer fasste den Sachstand aus seiner Sicht schließlich so zusammen: "Es wird zwar einiges gemacht, aber letztendlich kommen wir dem Ziel nicht wirklich näher." Diese Theorie untermauerte er mit der Tatsache, dass die Energieverbräuche an den landkreis-eigenen Liegenschaften weiter steigen. Wobei ihn der Landrat dazu aufforderte, spezielle Effekte nicht aus den Augen zu lassen. Er nannte da ein Beispiel: Wenn seit 2010 die Mittagsbetreuung und der Ganztagsunterricht an den Schulen ausgebaut worden sind, so benötige man an den betreffenden Gebäuden zwangsläufig mehr Strom.

CSU-Kreisrat Martin Birner, zugleich Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages, stellte sich auf den Standpunkt, dass der Kreis und alle seine Kommunen einen guten Leitfaden aus dem Klimaschutzkonzept besitzen. Er betrachte es nicht für notwendig, nochmals zusätzliches Geld hinein zu stecken. "Es geht schon vorwärts", anerkannte stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl (ÖDP) die Bemühungen. Sein Fraktionskollege Alfred Damm bezeichnete es als "schade", dass die 10-H-Regelung das Ziel Ausbau der Windkraft torpediert.

Rudolf Sommer sprach schließlich die Hoffnung aus, dass der Klimaschutz im Landkreis schneller vorankommt. Was CSU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Flierl zu der Bemerkung veranlasste: "Das ist kein Wunschkonzert. Wir sollten uns auf das Machbare konzentrieren, und genau das macht der Landkreis."





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