19.10.2020 - 12:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kreis lässt sich Kultur viel kosten

Bildung, grenzübergreifende Kultur, Theater, Festspiele, Filmfestival: Die Region hat kulturell einiges zu bieten. Auch wenn Corona in diesem Jahr vieles ausgebremst hat: Der Kreistag lässt in der Förderung nicht nach.

Das Schwandorfer Marionettentheater feierte bereits sein 40-jähriges Bestehen. Der Landkreis unterstützt nun den Verein, der in Schwandorf eine eigene Spielstätte erhalten wird.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Kultur, Touristik, Sport und Kultur (KUTA) hat neue Richtlinie für die Förderung kultureller Projekte erlassen. Sie lösen eine alte Regelung ab, die nicht mehr zeitgemäß war. Der Ausschuss bewilligte dazu für das kommende Jahr ein Budget von 50000 Euro (Blickpunkt).

Darüber hinaus behält sich das Gremium vor, Institutionen und Veranstaltungen mit höheren Beträgen zu bezuschussen. Eine ganze Reihe von Anträgen lag dem KUTA am Montag vor.

  • Akademie Ostbayern-Böhmen: Die Arbeit der Bildungseinrichtung stellte Vorsitzender Josef Schönhammer vor. Natur, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft stehen im Blickpunkt der Seminare, Vorträge und Symposien. Die Akademie arbeitet mit den Nachbarn in Tschechien und Hoschulen zusammen. Und mit dem Centrum Bavaria-Bohemia (CeBB): Über eine Vereinbarung soll eine Mitarbeiterin des CeBB Verwaltungsaufgaben für die Akademie übernehmen. Im Gegenzug bezahlt die Akademie einen Festbetrag an den CeBB-Trägerverein. Ausgefallene Veranstaltungen aus dem laiufenden Jahr sollen 2021 neu angesetzt werden. Der Ausschuss billigte einen Zuschuss von 5000 Euro.
  • Centrum Bavaria Bohemia: Das CeBB in Schönsee ist zentrale Anlaufstelle für Kulturschaffende- und interessierte aus Bayern und Böhmen. "Kultur ohne Grenzen" heißt eines der laufenden Projekte, das Leiterin Dr. Veronika Hofinger am Montag vorstellte. 2019 zählte das Centrum rund 14000 Besucher, heuer natürlich viel weniger. Das CeBB koordiniert die Kulturarbeit mit den Nachbarn jenseits der Grenze. Ein Höhenpunkt sollte 2020 das "Kulturstadtjahr Bayern-Böhmen" in Schwandorf sein. Einiges wurde ins kommende Jahr verschoben. Das CeBB wird im kommenden Jahr mit 25000 Euro gefördert. Für das Kulturstadtjahr werden insgesamt 18000 Euro (für 2020 und 2021) zur Verfügung gestellt.
  • Landestheater Oberpfalz (LTO). Das LTO ist regelmäßig im Landkreis mit Aufführungen - auch an Schulen - präsent. Das LTO finanziert sich über eigene Einnahmen, aber vor allem durch Zuwendungen des Freistaats (325500 Euro) und Zuschüssen von Bezirk, Städten und Landkreisen in gleicher Höhe. Allein er Landkreis Neustadt gibt 160000 Euro. Das LTO hat mit den Burgfestspielen in Vohenstrauß dort auch seinen Schwerpunkt. Mit Aufführungen unter Corona-Bedingungen versucht das LTO laut GEschäftsführer Wolfgang Meidenbauer, den Spielbetrieb einigermaßen aufrecht zu erhalten. Der Landkreis Schwandorf bewilligte für das kommende Jahr wieder 30000 Euro Zuschuss - wenn sich auch die weiteren kommunalen Partner wie vereinbart beteiligen.
  • "Zwickl" Dokumentarfilmtage: Das Dokumentarfilmfestival "Zwickl" in Schwandorf will sich breiter aufstellen. Mit dem Dok-Filmpreis "ZETT" - dem einzigen Festivalpreis, der sich auf Streifen bayerischer Filmemacher oder mit bayerischen Themen konzentriert. Der Eintrittspreis von 2 Euro (Zwickl") hat dem Festival, das seit 2012 unter der Leitung von Anne Madlene Schleicher läuft, seinen Namen gegeben. Das Konzept für 2021 steht laut Schleicher schon: Das Festival soll in Kinos in Schwandorf, Nittenau, Schönsee, Pilsen, Regensburg und Amberg als "Road Show" steigen. Die Kosten für 2021 werden auf 45000 Euro kalkuliert; den Löwenanteil (30000 Euro) trägt die Stadt Schwandorf. Der KUTA billigte einen Zuschuss von 5000 Euro.
  • Musikschule Pfreimd: Die Musikschule Pfreimd möchte die maximale Förderung durch den Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen erreichen. Dazu ist eine bestimmte kommunale Co-Förderung nötig. Deshalb beantragte Musikschul-Vorsitzender Arnold Kimmerl vom Landkreis einen Beitrag von 2582,28 Euro, um die Höchstförderschwelle zu erreichen. Der KUTA billigte diese überplanmäßige Ausgabe für das laufende Jahr. Kimmerl, der für die ÖDP im Ausschuss sitzt, nahm an der Abstimmung nicht teil.
  • Marionettentheater Schwandorf. Seit Jahrzehnten bietet die Familie Pöllmann im Künstlerhaus beim "Schwandorfer Marionettentheater" Stücke für Kinder und Erwachsene. Nun soll das Theater eine feste Spielstätte in der ehemaligen Sparkasse neben dem Künstlerhaus in Fronberg bekommen. Der Stadtrat hat die Weichen gestellt. Der künstlerische Leiter Michael Pöllmann bat den Ausschuss in einem leidenschaftlichen Plädoyer um Unterstützung. Das Theater rechnet mit einem jährlichen Aufwand von etwa 83500 Euro. Der KUTA sagte eine institutionelle Förderung für den Spielbetrieb von 10000 Euro pro Jahr zu.
  • Festspiele. Corona hat in diesem Jahr die Aufführungen "Vom Hussenkrieg" (Neunburg vorm Wald), der "Geisterwanderung" (Nittenau), des Kultur- und Festpielvereins Bruck, des "Doktor Eisenbarth" und des Ovigo-Theaters (beide Oberviechtach) verhindert. Das bedeutete totalen Einnahmeausfall, gleichzeitig waren die Aufführungen aber schon langfristig vorbereitet. Der KUTA bewilligte dennoch die übliche Förderung von insgesamt 10000 Euro. Gut 4200 Euro davon gehen nach Neunburg, je knapp 2200 Euro an die Oberviechtacher Theatermacher, 860 Euro nach Bruck und 550 Euro nach Nittenau.
  • Museen. Der Kuta bewilligte 5000 Euro Förderung für verschiedene Museumsprojekte. Der größte Zuschuss (2000 Euro) fließt nach Schwandorf, für die komplette Neugestaltung.
  • Musikpflege. 10000 Euro Budget hat der Landkreis als freiwillige Leistung für die Musikpflege. Das Geld verteilt sich nach Festbeträgen und Einzelanträgen und geht an zehn Musikschulen und Kapellen im Landkreis.
  • Lernende Region. Geschäftsführer Florian Schmid legte einen Tätigkeitsbericht vor. Die Aufgaben des Vereins erstrecken sich von der Bildungsmesse - die in diesem Jahr Corona zum Opfer fiel - übert die Unterstützung von Migranten bis hin zur Vereinsschule. Schmid ist Beschäftigter des Landkreises. Im Gegenzug ist der Zuschuss an die Lernende Region entfallen.
  • Denkmalpflege. Der Landkreis vergibt nach festen Richtlinien Zuschüsse zu Denkmalmaßnahmen. Vier Bauvorhaben werden für 2020 mit einem Zuschuss bedacht: Die Sanierung einer Fassade in Schwarzhofen (2500 Euro), die Notsicherung der Schlosskapelle Piorkensee (4500 Euro), die Sanierung von Stadtmauer und Zwingerweg in Nabburg (20000 Euro) und die Dach-Instandsetzung an der Laurentiuskirche Nabburg (4000 Euro). Der KUTA billigte die Verteilung.
  • Landkreissportverband. Der Sportverband vergibt im Auftrag des Landkreises seit 2003 Zuschüsse, etwa für für Veranstaltungen und die jährliche Sportlehrehrung. Die Ausgaben lagen bei 22850 Euro. Der KUTA zeigte sich mit der detaillierten Aufstellung einverstanden.

"Hussiten" planen für das kommende Jahr

Neunburg vorm Wald
Im Blickpunkt:

Richtlinien für Zuschüsse

Der KUTA hat neue Richtlinien für die Vergabe von Zuschüssen zur Kulturföderung beschlossen. Sie gelten ab dem 1. Januar 2021. Das Budget beträgt ab kommendem Jahr 50000 Euro. Die Zuschusshöhe beträgt zehn Prozent der anrechenbaren Kosten, höchstens aber 5000 Euro. Bis zu einer Förderhöhe von 1000 Euro kann die Verwaltung die Zuschüsse bewilligen; für höhere Zuwendungen ist der KUTA zuständig, ebenso für Grundförderungen und pauschale Zuschüsse. Gefördert werden nach der Richtlinie Museen und Heimatpflege, Musikpflege, Theater und Laienspiel und die Bildende Kunst. Zuständig ist Kulturreferent Manuel Lischka.

"Zwickl" macht im Brunnerhof Station

Schwandorf
Die Arbeit im "CeBB" in Schönsee - hier eine Lichtinszenierung am Gebäude - wird wieder vom Landkreis gefördert.
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