22.09.2019 - 10:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kulturstadt in Feierlaune

Das "Bayern-Böhmen-Fest"auf dem Marktplatz ist ein gelungener Vorgeschmack auf das nächste Jahr, wenn Schwandorf "Kulturstadt 2020" ist. Es gefällt auch dem Finanzminister - und zwar so gut, dass er ein außergewöhnliches Kompliment macht.

von Benjamin Tietz Kontakt Profil

In der guten Stube der Stadt - auf dem Marktplatz - war am Samstagnachmittag alles angerichtet für das "Bayern-Böhmen-Fest" als Einstimmung auf die zahlreichen Veranstaltungen, die die Große Kreisstadt als "Kulturstadt 2020" präsentieren wird. Auch das Wetter spielte mit und bescherte einen strahlenden Spätsommertag - und so war es nicht verwunderlich, dass die Bänke am Unteren Markt schnell von zahlreichen Gästen besetzt waren.

Neben einem breiten Programm, vielen Infoständen, Musik und kulinarischen Schmankerln aus Böhmen bekamen sie auch zu hören, wie das Projekt "Kulturstadt 2020" im kommenden Jahr ablaufen wird. Die Federführung hat das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee übernommen, dessen Leiterin Veronika Hofinger sich über die vielen Besucher freute und die Ehrengäste auf dem Unteren Marktplatz willkommen hieß. Um die Sprachbarriere zu überwinden, übersetzte ein Dolmetscher.

"Ein Volksfest"

Prominentester Besucher auf dem "Bayern-Böhmen-Fest" war der bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, dessen Haus das Projekt "Kulturstadt" finanziell fördert. Er kam gerade frisch vom Oktoberfest-Auftakt in die Große Kreisstadt, oder - wie er es augenzwinkernd ausdrückte: "Vom zweitschönsten Fest, das in Bayern stattfindet, zum schönsten, das in Schwandorf stattfindet". Dass die Große Kreisstadt als richtige "Kulturstadt 2020" ausgewählt worden sei, zeige alleine dieser Tag: "Die Auftaktveranstaltung ist zu einem Volksfest geworden", unterstrich der Minister. Er fuhr fort: Bayern und Böhmen hätten viele gemeinsame Schicksale und langfristige Beziehungen - bis der große Riss gekommen sei mit dem Eisernen Vorhang. Doch auch nach dessen Fall haben sich die Regionen wieder angenähert. Wichtig sei es, dass hier das Selbstbewusstsein geschaffen werde, nicht in einer Grenzregion, sondern im Herzen Europas zu leben, betonte Füracker. Er hoffte, dass dieses Projekt, zu dem sein Ministerium den Anstoß gegeben hat, künftig eigenständig fortgesetzt wird.

Bereits zuvor hatten Oberbürgermeister Andreas Feller und sein Amtskollege aus der Partnerstadt Sokolov, Jan Picka, die Gäste begrüßt. "Ihre Anwesenheit ist ein leuchtendes Beispiel für gelebtes Miteinander", unterstrich das Schwandorfer Stadtoberhaupt. Jan Picka gratulierte zur Ernennung als Kulturstadt und war "fest überzeugt, dass die Partnerstadt die Aufgabe mit der bekannten Sorgfalt annimmt und mit Würde umsetzt". Bezirkstagspräsident Franz Löffler ging in seiner Rede auf die Wandlung der Region von der "Stoapfalz" mit keinen Bodenschätzen und wenig Arbeit zu einem prosperierenden Standort ein: So sei die Oberpfalz - was Bayern anbelangt - in vielen Bereichen mittlerweile Spitzenreiter. Die Entwicklung zwischen den Partnern nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei nur möglich gewesen, "weil sich die Menschen auf Augenhöhe begegnet sind und sich gegenseitig vertraut haben."

Musik und Tanz

Den Reigen der Redner beschlossen der Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes, Altlandrat Volker Liedtke, der auf den Nordgautag im kommenden Jahr in Schwandorf hinwies, sowie Landrat Thomas Ebeling. Auch er gratulierte der Stadt zur Ernennung als Kulturstadt und überraschte mit seinem Sprachtalent: Er übersetzte seine Worte nämlich gleich selbst ins Tschechische. Für die Musik sorgte während des "Bayern-Böhmen-Feste" die Brass-Band "Rakovnik". Die Musiker hatten extra für den Anlass ein Lied auf Deutsch geschrieben. Auch die "Svejk Band" aus Pilsen begeisterte mit heimatlichen Klängen. Dazwischen gaben die Tänzer der Gruppe "Beat Generation Sokolov" eine Kostprobe ihres Könnens.

An zahlreichen Ständen informierten zum Beispiel das Partnerschaftskomitee Schwandorf-Sokolov, das CeBB, das gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit oder das Bayern-Lab über ihre Arbeit. Spezialitäten aus Bayern und Böhmen rundeten das große Angebot am unteren Markt ab.

Ihre Anwesenheit ist ein leuchtendes Beispiel für gelebtes Miteinander.

Oberbürgermeister Andreas Feller

Hintergrund:

Großes Programm im Sommerhalbjahr

„Drei tschechische und drei bayerische Regionen ergeben eine Kulturregion im Herzen Europas“: Unter diesem Motto steht die „Kulturstadt Bayern-Böhmen“. Nach dem großen Erfolg des Projekts „Kulturregion Bayern-Böhmen“ im Jahr 2017 gibt es auf Initiative des bayerischen Finanz- und Heimatministeriums nun ein Folgeprojekt: die „Kulturstadt Bayern-Böhmen“. Im Jahr 2020 ist Schwandorf Kulturstadt, ein Jahr später Wunsiedel in Oberfranken. Es soll im Anschluss auch in den tschechischen Nachbarregionen fortgeführt werden.

In der „Kulturstadt 2020“ werden im gesamten Sommerhalbjahr zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Einen ersten Überblick gaben die Leiterin des Centrums Bavaria Bohemia, Veronika Hofinger, und Mitarbeiter beim „Bayern-Böhmen-Fest“ auf dem Marktplatz.

Die Veranstaltungen gipfeln demzufolge in einer „Woche der Nachbarn“ vom 20. bis 24. Mai, bei der die sechs Nachbarregionen Oberfranken, Karlsbad, Oberpfalz, Pilsen, Niederbayern und Südböhmen ihre kulturellen und touristischen Highlights präsentierten. Rund um das Oberpfälzer Künstlerhaus und den Sperl-Stadel in Fronberg stehen dann Konzerte, Theateraufführungen, Kunsthandwerk sowie ein Festakt auf dem Programm, das zusammen mit vielen Helfern und Vereinsvertretern bei Workshops ausgearbeitet wurde.

Auch die Lage der Stadt als Eisenbahnknotenpunkt wird thematisiert: So wird es einen „Zug zur Kultur“ mit Programm geben. Vorgeschlagen wurden für das Sommerhalbjahr auch Stadtführungen, Radwanderungen ins Oberpfälzer Seenland, ein Kneipenfestival, Sportveranstaltungen oder Sprachkurse.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Literatur bei einem Poetry-Slam und einer Lesung. Einbezogen ins Programm werden auch das Marionettentheater und die Theaterbühne. Zum Ende der Reihe ist ein Philharmonie-Konzert auf dem Gelände der Firma Horsch geplant.

Im kommenden Jahr wird Schwandorf nicht nur „Kulturstadt 2020“ sein, sondern nach 1958 und 1970 zum dritten Mal auch das Kulturfest der Oberpfälzer – den Nordgautag – ausrichten. Termin ist vom 9. bis 12. Juli.

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