26.03.2020 - 17:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Landratsamt Schwandorf im Krisenmodus

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Wie zum Appell öffnen sich morgens um 8.30 Uhr die Bürotüren im Südflügel des Landratsamtes. Zeit für die erste Konferenz des Tages zur Sicherheitslage – und sicherheitshalber mit viel Abstand im Flur. Die Zeit drängt.

Ein Absperrband blockiert den Zugang zu den Räumlichkeiten im Sepp-Simon-Stadion. Dort soll ab Montag das lokale Testzentrum für das Coronavirus einsatzbereit sein - allerdings nur für Personen mit einem Termin, über den per Rückruf informiert wird.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Flurfunk" ist eigentlich ein umgangssprachlicher Ausdruck für den informellen Informationsfluss innerhalb eines Unternehmens oder einer Behörde. In Zeiten der Coronakrise wird der Flur im Landratsamt ganz offiziell zum Areal für formelle Besprechungen, denn das Virus fordert Distanz, das Arbeitspensum ist enorm, die Zeit knapp. Rund 25 Mitarbeiter tauschen sich im Erdgeschoss des Südflügels hier jeden Morgen über die Sicherheitslage aus. Schließlich sind hier die Räume der Abteilung "Öffentliche Sicherheit und Ordnung". Hier laufen viele Fäden zusammen. Aber auch weiter oben in den Räumen der Schwandorfer Behörde werden entscheidende Weichen gestellt. Im Raum "Blickpunkt" tagt täglich um 11 Uhr und nach Bedarf auch öfter die Führungsgruppe Katastrophenschutz unter Leitung von Landrat Thomas Ebeling. Dann gibt es einen Überblick über das, was in zahlreichen Untergruppen gemanagt werden konnte.

Schwerpunkt Testzentrum

Ein Schwerpunkt ist aktuell das geplante Testzentrum für Personen, die möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert sind. Viel zu erledigen gibt es auch in Bezug auf das in Oberviechtach geplante Behelfskrankenhaus. "Hier ist es beispielsweise nicht damit getan, nur Namen und Telefonnummer von Ärzten und Pflegekräften aufzunehmen, die dort arbeiten würden", erläutert Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt, der sich über die Resonanz nach einem Presseaufruf freut. "Keiner dieser Freiwilligen wird wohl fünf Tage die Woche arbeiten können, wird müssen die Zeiten deshalb koordinieren." Die Bestückungsliste für das temporäre Krankenhaus Oberviechtach wurde von der Asklepios-Klinik in Oberviechtach zusammengestellt. Der Arbeitskreis "temporäres Krankenhaus" ist am Donnerstag um 9.30 Uhr zusammengetroffen, um das weitere Vorgehen zu organisieren.

Generell fordert der Krisenmodus viel Kommunikation: "Ständig laufen Abfragen bei den Krankenhäusern", berichtet Prechtl, "wir müssen wissen, wie viele Betten zur Verfügung stehen, wie viele auf der Intensivstation, wie viele mit Beatmung. Täglich gilt es, Zahlen weiterzumelden, mal an die Regierung, mal an die Ministerien. Etwa 50 der 400 Beschäftigten am Landratsamt sind nach einer Schätzung des Pressesprechers nur mit dem Management der Coronakrise befasst. Doch auch die scheinbar weniger involvieren Abteilungen haben neben der üblichen Arbeit immer wieder Fragen zu klären, die das Virus betreffen: Das Jugendamt wird kontaktiert, wenn Eltern in der aktuellen Ausgangsbeschränkung mit der Kinderbetreuung überfordert sind.

Die Abteilung "Bau und Immissionsschutz" wird gefragt, wenn es um das Testzentrum oder das Behelfskrankenhaus geht, und das Gesundheitsamt steckt als Teil des Landratsamtes ohnehin mittendrin. "Die Veterinäre sind beispielsweise am Bürgertelefon eingesetzt, da sie ja auch etwas von Humanmedizin verstehen", berichtet Prechtl, "durchschlagen tut Corona auf alle Fachgebiete". Nicht einmal die Abteilung "Umwelt" bleibt unberührt, wenn jetzt, in der Phase der Ausgangsbeschränkung telefonische Gartentipps heiß gefragt sind. Nach Bedarf wird der Führungsstab Katastrophenschutz auch um externe Kräfte erweitert. Vertreter von Personalwesen, Gesundheitsamt, der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, je nach Thema beispielsweise auch von der Heimaufsicht, treffen hier zusammen und beraten manchmal auch mit externen Kräften von Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr, THW, BRK und Johannitern. Am Mittwoch, als es um das Testzentrum ging, war dieser etwas größere Kreis gefragt.

Konferenz mit Mundschutz

Inzwischen gehört ein Mundschutz zum Bild bei der Lagebesprechung, in der auch der Pressesprecher dabei ist. Wenn nötig, erkundet eine Gruppe auch mal Räume vor Ort, beispielsweise für das Behelfskrankenhaus in Oberviechtach. Doch vieles kann und muss auch per Telefon geklärt werden, und das ganz schnell. "Mit der Idee zum Behelfskrankenhaus in Oberviechtach sind wie schon seit 14 Tagen schwanger gegangen, aber die Idee zum Testzentrum im Sepp-Simon-Stadion war neu", so der Pressesprecher, der nicht verschweigt, wie schnell man hier das "erwartete Ja" für das Projekt bei der Stadt Schwandorf abgeholt hat. "Es darf eben nicht passieren, dass der Oberbürgermeister nicht zuerst gefragt wird, in solchen Fällen telefoniert der Landrat persönlich."

Mundschutz gehört dazu: Das gilt auch für die Führungsgruppe Katastrophenschutz. Im Bild: Pressesprecher Hans Prechtl.
Info:

Ins Testzentrum erst nach Rückruf.

Organisator und Träger des lokalen Testzentrums in den Räumen des Sepp-Simon-Stadions (neben der Oberpfalzhalle) ist das Landratsamt Schwandorf, Abteilung Katastrophenschutz. Von 25 Kräften des THW wird die Einrichtung bis Montag ertüchtigt. Betreiber des lokalen Testzentrums sind im tageszeitlichen Wechsel das Gesundheitsamt (also wiederum das Landratsamt) und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB), nicht aber Feuerwehr oder THW. Laut Pressesprecher Hans Prechtl haben inzwischen besorgte Bürger bereits beim THW nach Test-Terminen nachgefragt. "Das ist natürlich unsinnig", stellt er klar und macht deutlich, dass in diesem Fall ein anderes Vorgehen geplant ist. Getestet werden nämlich nur Personen, die Krankheitssymptome aufweisen und sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder in den letzten 14 Tagen in engen Kontakt mit Personen gekommen sind, bei denen das Coronavirus festgestellt wurde. Über die Auswahl dieses Personenkreises entscheiden Gesundheitsamt und KVB, erste telefonische Anlaufstellen sind Hausarzt oder ärztlicher Bereitschaftsdienst (Tel.: 116 117). Alle Personen, die ab Montag im lokalen Testzentrum getestet werden, werden vom Amt angerufen. Derzeit wird das lokale Testzentrum mit EDV-Technik ausgestattet. Security, Testlabor und Transport der Proben sind nur einige von vielen Details, die hier abzuklären sind. Ein Beispiels: Für die Testungen am Freitagnachmittag müssen die Proben - je nach Labor - bis zum Samstagmorgen zwischengelagert werden. "Also kaufen wir einen Kühlschrank", so die Schlussfolgerung. Außerdem ist geplant, die zu testenden Personen über die Terminvergabe so einzubestellen, dass sich möglichst wenige Menschen im Wartebereich begegnen müssen. Vorgesehen ist dabei auch ein getrennter Ein- und Ausgang.

Die leeren Ränge im Sepp-Simon-Stadion werden bleiben. Die Aufmerksamkeit richtet sich am Montag vielmehr auf das lokale Testzentrum Coronavirus/Covid-19, das sich hier etablieren soll.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.