Schwandorf
02.03.2020 - 14:47 Uhr

Landwirtschaft muss auf Klimaveränderung reagieren

Ein Pflanzenbau-Experte bereitet die Oberpfälzer Bauern auf ein Umdenken vor. Warum es notwendig wird, erklärt er bei einer Tagung der Viehvermarkter.

"Der Landkreis Schwandorf nähert sich klimatisch der Region Mailand an". Dr. Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Freising. Bild: Hirsch
"Der Landkreis Schwandorf nähert sich klimatisch der Region Mailand an". Dr. Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Freising.

Die NVG-bovex GmbH ist eine „Tochter“ der Viehvermarktungsgenossenschaft Nordbayern (VVG) und versteht sich als Partner für die nutztierhaltenden Betriebe in der Region. Die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung hat 3500 Mitglieder, davon 300 im Landkreis Schwandorf. Bei der Bezirksversammlung am Donnerstag im Tierzuchtzentrum erfuhren sie, worauf sie sich in Zukunft einstellen müssen.

Johann Mayer aus Schirndorf, VVG-Vorstandsmitglied und Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Regensburg, ist seit 35 Jahren „im Geschäft“ und stellt fest: „Die Stimmung unter den Landwirten war noch nie so schlecht wie zur Zeit“. Schuld gibt er hauptsächlich den Politikern, die sich bei ihren Entscheidungen „nicht von fachlichen, sondern von ideologischen Gesichtspunkten“ leiten ließen. „Die Landwirtschaft aber ist auf Nachhaltigkeit und auf die Weitergabe an die Nachkommen angelegt“, erklärt Mayer. „Die Politik“ aber erlaube den Landwirten derzeit keine langfristigen Planungen. „In der Oberpfalz wird momentan kein einziger Stall gebaut“, stellt der BBV-Kreisobmann fest. Die Landwirte würden vor der „Wucht und der Geschwindigkeit der Auflagen“ zurückschrecken.

In dieser schwierigen Zeit müssen sich die Futterbaubetriebe auch noch auf den Klimawandel einstellen. Dr. Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Freising, bereitet die Landwirte auf gravierende Veränderungen vor und prophezeit: „Der Landkreis Schwandorf nähert sich klimatisch der Region Mailand an“. Die Verschiebung der Klimazonen werde weniger Schnee- und Frosttage, eine Temperaturzunahme und Wasserknappheit mit sich bringen. Extreme Ereignisse wie Sturm, Hagel und Starkregen würden dagegen zunehmen. Der Wissenschaftler rechnet mit gleichbleibenden Erträgen beim Mais, aber mit rückläufigen Ernten bei Kartoffeln und Gräsern. Die Tiere würden einem „zunehmenden Hitzestress“ ausgeliefert sein. Peter Doleschel rät den Bauern, „auf wärmeliebende Pflanzenarten“ zurückzugreifen, weiß aber auch, „wie schwer dem auf Tradition bedachten Bauernstand Umstellungen fallen“.

Dr. Sebastian Hill ist Geschäftsführer der NVG-bovex GmbH, hat die sich verändernden Anforderungen des Marktes im Blick und entwickelt Vermarktungskonzepte für die Mitglieder. Als gemeinsames Tochterunternehmen der VVG Nordbayern eG und der Viehzentrale Südwest GmbH (VZ) könne die NVG-bovex GmbH auf bewährte Strukturen zugreifen, wenn es um die Aufzucht und Mast von Schweinen, Rindern oder Lämmern, um die Beratung bei der Produktion, um Fragen der Finanzierung oder um die Vermarktung von Nutz- und Schlachttieren gehe.

Die NVG-bovex GmbH vermarktete im vergangenen Jahr 52 000 Rinder, 234 000 Schweine und 13 000 Lämmer. Der Geschäftsführer spürt einen weltweiten Bedarf an Fleisch, vor allem bedingt durch die angespannte Marktlage in China. Die Schweinemäster bekommen derzeit 2,02 Euro für das Kilo Fleisch. „Ein sehr guter Preis“, wie Dr. Sebastian Hill bemerkt. Dennoch sei in Bayern die Produktion von Schweinen und Ferkeln rückläufig. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft schreite unaufhaltsam voran.

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