29.11.2019 - 15:15 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Der lange Weg zur Elektrifizierung

Bessere Anbindung, aber auch mehr Verkehr: Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg wird für Schwandorf einige Änderungen bringen. Zwei Bahn-Verantwortliche stellen am Planungsausschuss den Sachstand vor.

Die Bahnstrecke Hof-Regensburg (im Bild der Abschnitt zwischen Irrenlohe und Schwandorf) wird elektrifiziert. Dabei sind aufwändige Umbauten nötig, auch zusätzliche Gleise und neue Brücken.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg beschäftigt die Politik seit Jahrzehnten, nun sind die Planer am Werk. Vorerst noch mit der Grundlagenermittlung, wie Marion Fink und Horst Leißner von der DB Netz AG am Dienstag dem Planungsausschuss des Stadtrates erläuterten. Da ist einiges zu tun.

Die Strecke gehört zum Ostkorridor von Hamburg über Leipzig und München weiter nach Südosteuropa und soll die Klassischen Nord-Süd-Routen (Rhein-Strecke) entlasten. Das bedeutet nicht nur die Anbindung Schwandorfs an den Fernverkehr, etwa mit einer vorgesehenen IC-Verbindung zwischen München und Dresden. Auch die Nahverkehrsangebote könnten ausgebaut werden, so Fink. Gleichzeitig wird sich aber auch der Güterverkehr drastisch erhöhen: Wo bisher sechs Güterzüge pro Tag unterwegs sind, werden das künftig zehnmal so viel sein.

Die Planer prüfen Brücken, Stellwerke, Bahnübergänge und Bahnhöfe, inwieweit sie für den Ausbau tauglich sind. Die Strecke stammt in Teilen aus den 1870er-Jahren. "Wir haben einige Brücken auf der Strecke, die sind zu eng oder zu niedrig", sagte Leißner. "Das Schwandorfer Stellwerk wird sicher erneuert werden". Überholgleise für lange Güterzüge (bis 740 Meter) müssen her. Außerdem wird analysiert, ob eventuell zusätzliche Gleise verlegt werden müssen, um den künftigen Verkehr abwickeln zu können. Etwa zwischen Irrenlohe und Schwandorf, wo die Strecken Hof-Regensburg und Nürnberg-Furth im Wald zusammenlaufen.

Wichtiges Thema für die Anwohner ist der Lärmschutz. Nach einer Entscheidung des Verkehrsministeriums wird die Elektrifizierung wie ein Neubau der Strecke behandelt, was die Lärmvorsorge anbetrifft. Das bedeutet: Kilometerweise Lärmschutzwände. Auch wenn ab 2020/21 nur noch "leise" Güterzüge mit neuen Bremsbelägen in Deutschland verkehren dürfen: "Wir werden um klassische Lärmschutzwände nicht herumkommen", sagte Leißner. Sie sollen so nahe wie möglich ans Gleis, die DB Netz AG will möglichst auf eigenem Grund bauen. Weil der Damm der bestehenden Strecke relativ schmal und steil abfallend ist, werde das teils eine Herausforderung. In der Böschung lassen sich die Maste für den Fahrdraht und die Schallschutzwand nur kompliziert gründen. Außerdem müssen hier noch Randwege samt Entwässerung und Kabelschächte Platz finden. Auch manche Brücken sind wohl zu schmal, um dort Fahrdraht und Schallschutz anbringen zu können. Schallvoruntersuchungen und Berechnungen für die künftige Belastung gehören zu den Aufgaben der Vorplanung wie der Schutz vor Erschütterungen. Die Anwohner werden eingebunden, sobald konkretere Pläne vorliegen. Informationen gibts auch im Netz.

Für SChwandorf werde der Ausbau einige Aufgaben bedeuten, sagte Oberbürgermeister Andreas Feller, und nannten diverse Brücken, Überführungen und Übergänge, etwa in Klardorf. "Da müssen wir noch eine Menge Hirnschmalz reinstecken." Auch finanziell könnte der Ausbau für die Stadt zur Belastung werden, etwa wenn Brücken oder Unterführungen an- oder umgebaut werden.

CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer gelang es, Leißner zumindest einen groben Zeitplan zu entlocken. "230-X" gab Leißner als Realisierungsziel an, "das X eher größer als kleiner". Fest steht aus seiner Sicht, dass die alte Linie nach Burglengenfeld reaktiviert wird. Ob weitere Haltestellen wie in Klardorf geben werde, sei Sache der Bayerischen Eisenbahngesellschaft.

Bleibt das leidige Thema "barrierefreier Bahnhof": Wenn der Fernverkehr kommt, wird das zum Grundsatz. Grundsätzlich sei ein barrierefreier Ausbau aber auch im Vorlauf möglich, sagte Leißner, also vor "203X". Dann müssen aber auch die Vorplanungen für den Bahnhof stehen, also klar sein, wo die Gleise laufen und ob Bahnsteige umgebaut werden müssen. Vorher macht ein Ausbau wenig Sinn. Der sei dann aber Sache von Bund oder/und Freistaat.

Manfred Schüller (SPD) sagte, der Lärmschutz sei zunächst einmal das wichtigste Thema. Die Bahnlinie laufe in vielen Bereichen nahe an der Wohnbebauung. Für den Klardorfer Bahnübergang werde es auch eine vernünftige Lösung brauchen. Angesichts steigender Zugzahlen werde das Dorf sonst regelrecht zerschnitten. Die Krux: An einer Brücke oder einer Unterführung wäre die Stadt gegebenenfalls mit hohen Kosten beteiligt. Auch Marion Juniec-Möller nannte den Lärmschutz als Priorität. Kurt Mieschala (UW) forderte, alles daran zu setzen, einen barrierefreien Ausbau des Schwandorfer Bahnhofs so schnell wie möglich zu realisieren. Weitere Informationen www.bahnausbau-nordostbayern.de

Horst Leißner und Marion Fink erläuterten dem Ausschuss die Planungen der DB Netz AG.
Eckdaten der Strecke:

Zahlreiche Bauwerke

Die Strecke Hof-Regensburg ist Teil des Ostkorridors von Hamburg über Leipzig nach München und weiter nach Südeuropa. Mit der Elektrifizierung sollen die bestehenden Nord-Süd-Routen entlastet werden. Horst Leißner (DB Netz AG) nannte einige Eckpunkte zum Abschnitt Marktredwitz-Schwandorf-Regensburg:

Die Strecke ist 135 Kilometer lang und führt über 127 Eisenbahnbrücken. Die Gleise werden von 59 Straßenbrücken überquert. 26 Bahnübergänge und 18 Bahnhöfe liegen an dem Abschnitt. 13 Stellwerke sorgen für geregelten Bahnverkehr. Für den Güterverkehr sollen sieben neue Überholgleise gebaut werden, die dann Platz für bis zu 740 Meter lange Güterzüge bieten.

Die Grundlagenermittlung und Vorplanung soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Dann wird das Projekt erneut im Bundestag beraten.

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