25.04.2019 - 05:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Lesefutter für ein paar Groschen

In dem Anbau an die Stadtbibliothek drängen sich die Menschen. „Die ersten zwei Stunden ist am meisten los“, weiß Annemarie Pösl und lacht. Es ist Flohmarkt-Tag und tolle Bücher, Filme und CDs gehen für ein Trinkgeld über ihren Tisch.

Bibliotheks-Mitarbeiterin Annemarie Pösl hat an Flohmarkt-Tagen alle Hände voll zu tun. Manche Kunden kaufen Bücher im Dutzend.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Auswahl ist schier überwältigend. „Manche kaufen 40 Bücher und mehr“, berichtet Pösl, die mitten im Geschiebe mit guten Nerven die Stellung hält. Die Mitarbeiterin der Schwandorfer Stadtbibliothek hat den Überblick. Sie weiß nicht nur, welche Bücher in welchem der drei Räume zu finden sind, die den äußeren Rahmen des Flohmarkts bilden, sie führt auch eine Liste mit den Verkäufen. Im Schnitt, sagt sie, kaufen hundert Besucher des Flohmarkts dort auch ein. Ein Buch, oft noch neuwertig scheinend, kostet 50 Cent, ein Film einen Euro. Das ist nicht viel Geld und so wundert es nicht, dass nahezu jeder Käufer mit einem Arm voller Bücher und anderen Medien den Flohmarkt wieder verlässt.

Für die Stadtbibliothek sind die regelmäßigen Abverkäufe eine gute Gelegenheit, in den Regalen wieder etwas Platz zu schaffen und ein paar Euro einzunehmen. „Heute ist es sehr eng hier“, konstatiert auch Leonie Flachsmann erfreut, die seit einem guten dreiviertel Jahr die Bücherei leitet und demgemäß noch nicht so viele Flohmarkt-Tage erlebt hat. „Wir machen das zwei Mal pro Jahr“, sagt die Chefin, die beim Aussortieren der Bücher zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen ganz „klassisch“ vorgeht, wie sie sagt. „Ich bin am Regal und sehe mir die Bücher an: Wie sieht es äußerlich aus, erfreut es noch das Auge?“ Dabei ist die äußere Beschaffenheit nur ein Kriterium, das zählt. Es geht auch darum, wann das Buch (respektive die DVD oder die CD) angeschafft wurde, wie oft man es ausgeliehen hat - und wann zum letzten Mal. „Wenn ein Medium 15 Jahre im Bestand ist und nur ein- bis dreimal ausgeliehen wurde, heißt das, dass die Leute sich nicht dafür interessieren.“ Solche „Ladenhüter“ wandern dann nach hinten in den verschlossenen Anbau an die Stadtbibliothek, wo im Laufe der Monate eine zweite „Mediensammlung“ wächst, die den Augen der Bibliothekskunden verborgen ist. Bis dann beim Flohmarkt die Türen geöffnet werden.

Dass die ausrangierten Bücher oft noch einiges hermachen, zeigt schon ein oberflächlicher Blick. Es finden sich viele Kinderbücher, viele Romane – unter ihnen frühere Bestseller, die ihren Zenit überschritten haben - aber auch viele Sachbücher. „Was gut geht, sind Kochbücher“, erläutert Annemarie Pösl, die mit ihren Kolleginnen Ordnung hält – auch und besonders in dem Angebot des Flohmarkts. Sie weiß auf den ersten Blick, wo die Musikbücher stehen, die Reiseführer, die Kochbücher, die historischen Werke und all die anderen, die den Weg in den Hintergrund antreten mussten. Bei der Belletristik, die ebenfalls gesondert steht, darf man nicht farbenblind sein. Denn bunte Punkte auf den Buchrücken geben das Genre an. „So steht beispielsweise rot für Liebesromane“, erklärt Pösl. Dass die Kundin neben ihr gerade ein Buch mit einem roten Punkt wieder zurückstellt, hat, wie die Frau versichert, nur mit diesem speziellen Buch zu tun. „Denn ich mag Liebesromane gern“, versichert sie schmunzelnd. Der Bücherstapel, den sie im Arm trägt, belegt das – rote Punkte dominieren.

Im Hauptbau, beim regulären Bestand, muss immer wieder Platz geschaffen werden. „Manche Regale sind so voll, da müssen die Mitarbeiterinnen Bücher auf die anderen drauf legen.“

Aussortieren und Neukauf sollten sich in etwa die Waage halten. Geschätzt 2500 Medien kommen jedes Jahr neu hinzu, das muss alles verstaut werden. Dass die Stadtbibliothek neuere und größere Räume bräuchte, ist in Schwandorf ein offenes Geheimnis. Auch die Stadträte beschäftigen sich immer wieder einmal mit dem Thema. Was auf jeden Fall neu wird, ist der Internet-Auftritt der Einrichtung, an dem Leonie Flachsmann derzeit tüftelt. Im Juli oder August soll die Seite online gehen. Das wäre dann ein kleines Geschenk zum „Einjährigen“ der Leiterin. Die setzt im übrigen in ihrer Arbeit vor allen auf Kinder, für die es zwischenzeitlich spezielle Angebote gibt – Stichwort „Tiger Books“, Stichwort „Tonies Figuren“. Sie präsentieren das gedruckte Wort multimedial. „Das kommt gut an“, versicherte Flachsmann, die an das „gedruckte Wort“ glaubt. „Aber ich habe natürlich keine Glaskugel“, schränkt sie lächelnd ein.

Bei Annemarie Pösl ist es zwischenzeitlich etwas ruhiger geworden, die ersten zwei Stunden mit ihren Andrang sind vorüber. Ein neuer Verkaufsrekord ist noch nicht in Sicht – aber der Tag ist ja noch lang.

Bibliotheks-Leiterin Leonie Flachsmann: „Ladenhüter“ wandern nach hinten in den verschlossenen Anbau.
Ein separater Eingang zur Stadtbibliothek ist dem Flohmarkt vorbehalten.
Stöbern beim Bücherflohmarkt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.