30.08.2018 - 14:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Liebesroman auf dem Nachtkästchen

Generationenwechsel: Leonie Flachsmann leitet seit Anfang August die Stadtbibliothek. Sie ist Nachfolgerin des Urgesteins Alfred Wolfsteiner. Die 30-Jährige hat sich von ihm wertvolle Tipps abgeholt, verfolgt aber auch eigene Ideen.

Leonie Flachsmanns Arbeitsplatz ist seit einigen Wochen der zwischen den Büchern der Stadtbibliothek Schwandorf.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

(doz) Es ist augenscheinlich, dass eine neue Bibliothekarin in Schwandorf ihre Arbeit aufgenommen hat. Im Büro von Leonie Flachsmann stehen einige Regale. Ein paar von ihnen sind gefüllt, der Großteil leer. Bei Wolfsteiner haben sich die Bücher einst gestapelt - ein Arbeitsplatz zwischen Hunderten von Buchdeckeln. Wolfsteiner hatte aber auch Jahrzehnte als Bibliothekar hinter sich. Da kommt eben schnell eine Sammlung an Werken zusammen, die er immer um sich haben wollte. Die 30-jährige Flachsmann hat also noch Zeit, die Regale mit Büchern und Leben zu füllen. Immerhin spricht sie von einem "Wohlfühlort Bibliothek". Im Interview erklärt sie, welche Fettnäpfchen sie vermeiden möchte und welche Bücher bei ihr auf dem Nachttisch liegen.

ONETZ: Seit Anfang August sind Sie Leiterin der Schwandorfer Stadtbibliothek. Wie waren die ersten Wochen und wie gefällt Ihnen Schwandorf?

Leonie Flachsmann: Die ersten Wochen habe ich noch gemeinsam mit Herrn Wolfsteiner gearbeitet. Seit diesem Monat ist er in seiner Freizeitphase. Die Zeit mit Herrn Wolfsteiner war sehr lehrreich. Er hat mir wirklich sehr viel in der Zeit mitgegeben. Jeden Tag habe ich enorm viel gelernt, Tipps bekommen, Tricks, wie man etwas am besten macht. Manchmal bin ich wirklich mit einem dicken Kopf nach Hause gekommen. Aber die Zeit war so reich an Infos.

ONETZ: Was holt man sich konkret für Tipps ab?

Leonie Flachsmann: Sehr wertvoll waren die Tipps, wie man am besten vorgeht und am besten Fettnäpfchen oder Anfängerfehler vermeidet ...

ONETZ: … welche Fettnäpfchen zum Beispiel?

Leonie Flachsmann: ... dass man bei der Planung einer Veranstaltung auf den Veranstaltungskalender der Stadt schauen muss. Nicht, dass sich irgendetwas überschneidet. Das ist ein Beispiel. Aber auch, wie man hier vorgeht, wie man alles managt. Sei es vom Bestand, vom Personal, dem Etat, dem Veranstaltungsmanagement - wirklich viele gute Tipps und Wissen.

ONETZ: Wie groß war der Respekt davor, in die Fußstapfen von Vorgänger Alfred Wolfsteiner zu treten?

Leonie Flachsmann: Man fragt sich gerade am Anfang: Holla, das Haus ist toll aufgestellt - kriege ich das auch so hin? Aber man wächst mit der Zeit hinein. Tätigkeiten und Abläufe werden zur Routine. Man kann auch Stück für Stück über den Tellerrand schauen. Dadurch gewinnt man an Sicherheit. Natürlich ist klar: Es wird immer Herausforderungen geben und es werden immer wieder neue Sachen kommen, aber das macht es auch spannend.

ONETZ: Um daran anzuknüpfen: Mit Ihnen als junge Bibliothekarin kommt natürlich frischer Wind in das Haus. Wollen Sie denn Vieles neu machen oder eher an Bewährtem festhalten?

Leonie Flachsmann: Beides! Das Bewährte ist auf jeden Fall gut und erprobt. Ich meine, die Bibliothek steht gut da. Deswegen kann man nicht hierherkommen und alles auf den Kopf stellen. Das will ich auch gar nicht. Natürlich verändert die Zeit einiges. Wir sind im digitalen Zeitalter.

ONETZ: Können Sie konkret festmachen, was Sie am Bewährten besonders gut finden oder was Sie Neues machen wollen?

Leonie Flachsmann: Die Abläufe und wie die Bibliothek gemanagt wurde, finde ich in jedem Fall gut. Da wird zum großen Teil daran festgehalten. Auch wie die Medien zusammengesetzt sind. Das kommt gut an bei den Nutzern. In Richtung Digitalisierung möchte ich noch mehr machen.

ONETZ: Können Sie konkret festmachen, was Sie am Bewährten besonders gut finden oder was Sie Neues machen wollen?

Leonie Flachsmann: Veranstaltungen mit Kindern. Es sollen Apps und Trickfilme eingesetzt werden, aber auch im Prozessbereich der Bibliothek. Ich würde gerne ein paar Akzente im Bereich der Leseförderung setzen. Das ist sehr wichtig für Kinder. Wir wollen das weiter ausbauen. Auch mit den Grundschulen. Ich kann mir Lesungen mit Kindern vorstellen. Natürlich wollen wir auch die Angebote für Erwachsene weiter beibehalten. Das ist ja toll gefragt, zum Beispiel die Krimi-Nacht.

ONETZ: Musik und Filme werden immer mehr gestreamt. E-Books sind schon seit vielen Jahren auf dem Markt. Was bedeutet die Digitalisierung für ihre Arbeit?

Leonie Flachsmann: Ich habe den Eindruck: Manche Menschen mögen eher digitale Medien und wollen nur noch das. Aber manche Menschen hängen trotzdem noch am gedruckten Buch. Ich habe das Gefühl, dass es diese beiden Gruppen gibt. Inwieweit es das Buch in Zukunft nicht mehr geben wird, kann ich nicht sagen. Natürlich gewinnen digitale Produkte an Bedeutung und das betrifft die Bibliothek, wenn die physischen Medien ein bisschen schwinden sollten. Allerdings sehe ich die Bibliothek als Begegnungsort. Und deswegen finde ich Veranstaltungen relativ wichtig. Und es ist auch wichtig, dass im puncto Leseförderung viel gemacht wird.

ONETZ: Sehen Sie Netflix und Spotify als Konkurrenz?

Leonie Flachsmann: Gute Frage. Eigentlich nicht. Unser Angebot ist ja auch kostenlos.

ONETZ: Wie ist es mit Ihrem persönlichen Medienverhalten? Ich habe gehört, Sie lesen viel. Gedruckt oder digital?

Leonie Flachsmann: Beides, je nachdem: Pdf-Dateien am PC, Bücher lese ich meistens gedruckt.

ONETZ: Welche Bücher liegen gerade auf Ihrem Nachttisch?

Leonie Flachsmann: Viele Sachbücher. Vieles, das mich weiterbringt. Wenn ich entspannen will, dann auch Liebesromane. Auf dem Nachttisch liegen gerade von Cecelia Ahern "P.S. Ich liebe dich" und daneben das neueste Buch von Isabelle Allende: "Ein unvergänglicher Sommer".

ONETZ: Zum Abschluss der Klassiker aller Fragen, wenn es um Bücher geht: Wenn Sie auf eine einsame Insel nur drei Bücher mitnehmen dürften, welche wären das?

Leonie Flachsmann: Isabelle Allende finde ich schon sehr gut - deshalb würde ich von ihr ein Buch mitnehmen. Was ich auch gerne gelesen habe, ist der Hirschhausen (Dr. Eckart von Hirschhausen, unter anderem "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben"; Anm. d. Red.). Also was Ernsteres, ein bisschen etwas Lustigeres - man muss für alles gerüstet sein. Das dritte Buch könnte dann etwas fürs Herz sein. Ein Liebesroman von Jojo Moyes oder Cecelia Ahern.

Zur Person:

Leonie Flachsmann ist in Emmendingen bei Freiburg geboren, dort lebte sie auch bis zu ihrem neunten Lebensjahr. Anschließend zog sie in die Heilbronner Gegend. In Stuttgart studierte sie Bibliotheks- und Informationswesen von 2011 bis 2015, anschließend machte sie in Betriebswirtschaft und Marketing bis 2017 den Master-Abschluss. Es folgten Reisen durch Europa und nach Chile. Im Juli trat die 30-Jährige ihre Stelle als Bibliothekarin in Schwandorf an. (doz)

Die neue Leiterin der Stadtbibliothek Schwandorf, Leonie Flachsmann

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