11.06.2021 - 15:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Lindenlohe: Asklepios lagert Physiotherapie aus

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Die Gewerkschaft Verdi läuft gegen die Pläne, die Physio-Abteilung aus der orthopädischen Klinik Lindenlohe auszugliedern, Sturm. Der Konzern gibt sich gelassen.

100 Mitarbeiter solidarisierten sich Mitte der Woche mit dem Physio-Team. Die geplante aktive Mittagspause fiel zwar aus, doch die Gewerkschaft Verdi ist weiterhin unzufrieden mit den Plänen der Geschäftsführung.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Schlechte Laune bei Verdi: Der Asklepios-Konzern, dem unter anderem die orthopädische Klinik Lindenlohe gehört, will die dortige physiotherapeutische Abteilung auslagern. Übernehmen soll laut Klinik-Chef Daniel Weiß die Firma Vispo. Unter dem Motto "Unsere Physios gehören zu uns" wollte die Gewerkschaft am Mittwoch den Plänen widersprechen. Doch zu der Protestaktion kam es nicht, erklärte Weiß am Donnerstagnachmittag. Für den Moment, hieß es, habe man sich geeinigt.

Der Gewerkschaft scheint das nicht zu genügen. Mitte der Woche hatten sich 100 Beschäftigte an einer Fotopetition für den Verbleib der zehn Mitarbeiter beteiligt. "Diese Aktion zeigt sehr deutlich, dass die Beschäftigten gegen die Auslagerung der Physiotherapie sind", kommentierte Betriebsratsvorsitzende Margit Berkmann.

Beziehung schon länger schwierig

Doch warum will Asklepios die Auslagerung? "Profitorientierung", sagt Marina Mühlbauer, Gewerkschaftssekretärin für Gesundheit bei Verdi Oberpfalz. "Qualität spielt keine Rolle mehr." Einen weiteren Grund für die Ausgliederung sieht Mühlbauer beim Betriebsrat. „Es schmeckt dem Konzern nicht, dass das Haus gewerkschaftlich so stark ist.“ Eine Möglichkeit, diese Macht zu beschränken: Je weniger Mitarbeiter der Betriebsrat vertrete, desto weniger Instrumente stünden ihm zur Verfügung. „Die Physios waren immer eine Abteilung, die viel für ihre Arbeitnehmerrechte gekämpft hat. Dieses Team reißt man jetzt raus und setzt dabei praktischerweise dem Betriebsrat zu“, ätzt Mühlbauer. Eine Position, die Rune Hoffmann, Leiter der Unternehmenskommunikation beim Klinikkonzern, nicht teilt: "Den Vorwurf halten wir für abwegig und können ihn auch nicht nachvollziehen. Durch die Ausgliederung ändert sich nichts an der Anzahl von neun Betriebsratsmitgliedern."

Die Beziehung zwischen Arbeitnehmervertretern und Klinik-Konzern sei schon länger angespannt, sagt Marina Mühlbauer. Den jüngsten Krach habe es gegeben, als die Geschäftsführung während der Pandemie auf Kurzarbeit gedrängt habe. „Das ist ein sinnvolles Instrument in Kinos oder in der Gastronomie – aber nicht in einem Krankenhaus während einer Pandemie in einer Region mit vielen Fällen.“ Asklepios, so Mühlbauer, sei ein Heuschreckenbetrieb.

Konzentration auf Kerngeschäft

Abgesehen davon drohten dem Physio-Team unter dem neuen Arbeitgeber schlechtere Arbeitsbedingungen. Hätte das Team momentan rund 30 Minuten pro Patient, werde sich diese Zeit auf 15 Minuten halbieren. „Wir reden von Fließbandarbeit. Wenn sich ein orthopädisches Haus keine eigene Physiotherapie mehr leistet, ist das bedenklich.“ Klinik-Chef Daniel Weiß widerspricht: Dass die Einheiten sich von 30 auf 15 Minuten verkürzten, sei zwar korrekt. Allerdings bedeute das nur, dass Patienten von nun an eben zwei anstelle von einer Einheit pro Sitzung erhielten.

Bei Asklepios sieht man die Lage generell anders. "Unser erstes Ziel ist, unseren Patienten die bestmögliche Versorgung zu ermöglichen", erklärt Rune Hoffmann. Die Ausgliederung der Physiotherapie stehe dazu in keinem Widerspruch – im Gegenteil: Der externe Dienstleister arbeite bereits erfolgreich mit anderen Kliniken zusammen und ermögliche es Asklepios so, sich auf das eigene Kerngeschäft zu konzentrieren: die medizinische und pflegerische Kompetenz. Davon sollten am Ende die Patienten profitieren.

Auch für die Angestellten soll es keine Verschlechterungen geben. Die Arbeit fände weiterhin vor Ort statt, als Team zusammen mit Ärzten und Pflegekräften. Die Unsicherheit der Mitarbeiter halte er zwar für nachvollziehbar, so Hoffmann, aber unbegründet. "Alle Rechte des bestehenden Arbeitsverhältnisses bleiben bestehen." Die Auslagerung sei einvernehmlich, fair und konstruktiv mit dem Betriebsrat verhandelt und beschlossen worden. "Weitere Auslagerungen sind aktuell nicht geplant."

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"Asklepios ist ein Heuschreckenbetrieb. Qualität spielt keine Rolle mehr."

Marina Mühlbauer, Gewerkschaft Verdi

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