17.05.2020 - 16:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nach dem Lockdown: Müllkraftwerk wird überrollt

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Wer sich fragt, was die Nordbayern in den Lockdown-Wochen getan haben, muss nur einen Blick in die Bunker des Müllkraftwerks werfen. Die Erfahrung der vergangenen beiden Wochen lässt sogar ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll staunen.

Auch Privatanlieferer können ihren Abfall wieder ans Müllkraftwerk bringen. Die Nachfrage hat selbst den ZMS überrascht.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

In den 40 Jahren seines Bestehens hat der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) schon einiges mitgemacht. Überquellende Müllbunker in Zeiten des Wirtschaftsbooms, beinahe gähnende Leere während Krisenzeiten. Die beiden Wochen vom 20. April bis zum 1. Mai brachen dennoch Rekorde. Das hat einen Grund, der heißt auch hier: Corona.

Am 20. März schloss der ZMS die zwölf Müllumladestationen für Privatleute und Gewerbetreibende, die Kleinmengen anliefern - also etwa im Kofferraum oder im kleinen Anhäger. Erlaubt waren nur Fahrzeuge, die kippen können. Der Verband wollte so eine weitere Verbreitung des Virus einschränken. Die Entsorgung des Hausmülls aus der Tonne war immer gesichert, auch Gewerbekunden mit Kippfahrzeugen konnten anliefern. Während der Pause lief eine Kurzrevision an Ofenlinie 4. Die ist mittlerweile abgeschlossen. Das ist auch gut so.

In der 13. und 14. Kalenderwoche (23. März bis 4. April) zählte ZMS so grade mal 390 Anlieferer. "Da kamen etwa 180 Tonnen Müll zusammen", sagt Knoll im Gespräch mit den Oberpfalzmedien. Seit 20. April haben die zwölf Stationen wieder für alle geöffnet. Der ZMS bat darum, die Umladestationen nicht gleich an den ersten Tagen zu überrollen. Was dann ablief, "das hat alle Erwartungen gesprengt", berichtet Knoll. Denn die Bürger im Verbandsgebiet zwischen Hof und Landshut haben den Lockdown offenbar genutzt, zu Hause richtig klar Schiff zu machen.

"Wir haben jetzt die Ergebnisse aus der 17. und 18. Woche", so Knoll. Das ist die Zeit vom 20. April bis zum 1. Mai. "Es kamen 14100 Anlieferer", so der Verbandsdirektor, "das haben wir auch noch nie gehabt". 14100 - das sind 36 Mal so viel wie in den Vergleichswochen. Rund 2400 Tonnen landeten in den Bunkern der Anlieferstationen zwischen Hof und Landshut. Die Wochen dazwischen wurde anscheinend alles aus Kellern, Schuppen und Wohnungen geräumt, was schon lange weg sollte. "Wir haben alle 200 Presscontainer draußen", erläutert Knoll. Das sind die grünen Zigarren, in denen auf Eisenbahnwagons der Müll nach Schwandorf zum Kraftwerk gebracht wird. Weil sich der Abfall der Kleinanlieferer nicht so komprimieren lässt wie "normaler" Hausmüll, passt mengenmäßig weniger in die Container als sonst. Beim Blick in die Bunker hat Knoll einige Besonderheiten entdeckt: Überraschend viele Regentonnen, leere (Wand-)Farbkübel, Gartenmöbel, "sehr viel Kunststoff."

Das macht den Abfall hochkalorischer. Bei höherem Heizwert kann das Kraftwerk technisch bedingt gewichtsmäßig weniger verbrennen. Das Limit setzt nicht das Gewicht, sondern der Energiegehalt. Statt 2000 laufen derzeit rund 1900 Tonnen Müll pro Tag über die Roste. Auch die Hausmüllmengen sind gestiegen. Das Kraftwerk läuft in Vollast. "Es geht sich grad so aus", berichtet Knoll. Obwohl aus der Gewerbeschiene 80 Prozent weniger Abfälle kommen als üblich. Normal wären etwa 9000 Tonnen im Monat, derzeit kommen rund 2000 Tonnen.

Der riesige Andrang führte zu Verkehrsproblemen an den Umladestationen. In Bayreuth musste die Polizei einschreiten: Die Anlieger kamen wegen des Müll-Staus nicht mehr zu ihren Hauseinfahrten. Halteverbote wurden angeordnet. Auch in Regensburg und Weiden bildeten sich Staus, im Müllkraftwerk selbst heißt es auch: Geduld haben. Die Verantwortlichen rechneten damit, dass der Andrang relativ schnell nachlässt. Weit gefehlt. Denn der Strom reißt kaum ab. "Die Müllbunker sind fast wieder so voll wie im vergangenen Jahr", sagt Knoll. Da erließ der ZMS einen Gewerbemüll-Stopp für diejenigen, die keinen Vertrag mit dem ZMS haben. Kommende Woche erwartet der Verbandsdirektor nochmal einen großen Schwung: Am Freitag nach dem Vatertag. Da herrscht immer Hochbetrieb. "Irgendwann muss es aber leichter werden. Dann sind die Keller leer", meint Knoll. Draußen an der Einfahrt rangiert da grade das nächste Auto samt Anhänger in die Abladebucht des Bunkers.

An den Müllumladestationen, wie hier in Weiden, geht es rund.

Das hat alle Erwartungen gesprengt.

Thomas Knoll, ZMS-Verbandsdirektor

Thomas Knoll, ZMS-Verbandsdirektor

An der Umladestation in Regensburg bildeten sich lange Staus.

Revision im Kraftwerk

Schwandorf
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