11.07.2021 - 19:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mexikanische Krankenschwester arbeitet in Schwandorf

Es ist ein mutiger Schritt, den Barbara Moreno Leyva vor zwei Jahren unternimmt. Er führt die junge Mexikanerin direkt nach Schwandorf ans Krankenhaus. Dort gibt es jetzt einen Anlass, zu feiern - mit viel Kuchen.

Zwei Frauen mit Power: Ute Hilpert (links), die Stationsleiterin in der Fachabteilung Gynökologie und Geburtshilfe des Krankenhauses St. Barbara, und die aus Mexiko stammende Schwester Barbara Moreno Leyva.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Dass Schwester Barbara und das St.Barbara-Krankenhaus ihren Namen der gleichen Heiligen verdanken, ist nur Zufall. Dass sich die freundliche 33-Jährige von jenseits des Atlantiks und die moderne Klinik in der Oberpfalz gefunden haben, ist hingegen das Ergebnis einer gezielten Aktion. Es gibt nämlich ein Projekt zur Gewinnung mexikanischer Pflegekräfte, das die Bundesagentur für Arbeit fördert. Es ermöglicht Fachkräften aus Mexiko eine Weiterentwicklung ihrer fachlichen und berufspraktischen Kenntnisse. Und hilft, in deutschen Einrichtungen den Pflegenotstand zu mildern.

Stationsleiterin Ute Hilbert weiß als Vorgesetzte von Schwester Barbara, dass das Quartett aus Übersee die ersten Mexikaner sind, die im St.Barbara-Krankenhaus eingestellt wurden. Das war vor zwei Jahren. Der Mann und die drei Frauen mussten aber erst einen Anerkennungslehrgang absolvieren, denn die Kenntnisse von zuhause waren nicht Eins zu Eins auf das deutsche Pflegesystem übertragbar. Und dann müssen die Neuen ja auch noch in den Teams gut aufgenommen werden: "Das ist das A und O, dass sie die Sprache gut lernen und integriert werden." Schwester Barbara sei das "total super gelungen", freut sich Ute Hilpert und spart nicht mit Lob: "Sie ist eine echt gute Mitarbeiterin geworden."

Vor zwei Jahren sei das noch gar nicht so klar gewesen, wie es sich entwickelt. "Da war alles sehr fremd für die Barbara - und auch für uns war alles Neuland." Für Barbara Moreno Leyva war die Beschäftigung im Schwandorfer Krankenhaus hingegen kein Neuland. Sie hat in Mexiko Pflege studiert und dann acht Jahre lang als Kinderkrankenschwester gearbeitet, zuletzt beidseits der mexikanisch-kalifornischen Grenze, also in den Städten Tijuana und San Diego.

Zwei Probleme meistern

Wie die Leiterin erklärt, gibt es einen Unterschied, ob jemand aus einem EU-Staat oder jemand aus einem Drittstaat wie Mexiko im Krankenhaus arbeiten möchte. Letzterer brauche erst eine staatliche Anerkennung, alle anderen nicht. Barbara Moreno Leyva war sogar eher überqualifiziert, als sie nach Deutschland gekommen ist, nachdem sie zu Hause bereits ein Pflegestudium absolviert hatte. "Trotzdem war für sie die deutsche Pflege völlig neu, denn hier leisten wir auch Grundpflege - das gibt es im Ausland nicht," erläuterte Ute Hilbert. Im Ausland mache keiner Grundpflege: "Keiner wäscht die Leute, das erledigen Helfer." Die Schwestern seien drüben eher "die rechte und die linke Hand des Arztes". Sie seien daher mehr betraut mit Medikamenten, mit Diagnosen und ähnlichem.

Wenn die ausländischen Kräfte dann in die deutsche Pflege kommen, gebe es zwei Probleme, so Hilpert: "Sie werden erstens zurückgestuft in die Pfleghelferrolle, bis sie ihre Anerkennung geschafft haben. Dann dürfen sie wieder als Pflegefachkraft arbeiten, wie jetzt Schwester Barbara." Und sie müssen in Deutschland die Grundpflege erlernen, mit Prophylaxe, mit allem Drum und Dran - "und das möchten manche, manche aber auch nicht." Die vier Mexikaner in St. Barbara hätten es gewollt und seien jetzt in der Grundpflege erfahren.

Will in Deutschland bleiben

Für die 33-jährige Barbara hat Deutschland einige Vorteile. "Hier ist das Arbeiten besser und auch der Lohn," versichert sie. In Mexiko fehle in Krankenhäusern immer wieder Material, außerdem gebe es viel mehr Patienten zu betreuen. "Und ich wollte einfach die Gelegenheit nicht verpassen, die dieser Aufenthalt darstellt." 2019 sei sie in Deutschland angekommen und direkt nach Schwandorf gefahren. "Zuerst habe ich im Schwesternwohnheim gelebt, aber zwischenzeitlich habe ich eine schöne Wohnung, nur fünf Minuten Fußweg zum Krankenhaus."

Dass sie so gut Deutsch spricht hat mit einem sechsmonatigen Kurs in Mexiko und nach der Ankunft noch einem sechsmonatigen Kurs in Regensburg zu tun. Bereut hat sie den Schritt nicht. "Es sind alle sehr nett hier und wenn die Patienten erfahren, dass ich aus Mexiko bin, heißt es immer Tequila." Die Schwester muss lachen und man merkt, dass sie sich angenommen fühlt. So denkt sie auch daran, in Deutschland zu bleiben, noch dazu, wo sie ihre Urkunde erhalten hat. Das war vor einer Woche, und dort steht, dass sie jetzt staatlich anerkannte "Gesundheits- und Krankenpflegerin" ist.

Auch wenn sie Schwandorf schön findet und das Umland schon gut erkundet hat, stellt sich doch die Frage nach dem Heimweh. "Ich telefoniere jeden Tag mit meinen Eltern und Geschwistern und im März bin ich sogar in Mexiko gewesen." Aber zurück will sie nicht mehr, das scheint klar. Dieser Entschluss dürfte ihren Kolleginnen und Kollegen auch aus einem ganz bestimmten Grund gefallen. Schwester Barbara ist nämlich eine begnadete Zuckerbäckerin. Sie in den Reihen zu haben beschert immer wieder leckere Momente. "Ich backe Kuchen, seit ich zwölf Jahre alt bin," verrät sie. Und natürlich bringt sie ihre Kuchen auch mit in die Arbeit. Bis auf jenen Tag, als bekannt wurde, dass sie die Anerkennung erhält. Da haben Stationsleiterin Ute Hilpert und das Team selbst zum Rührlöffel gegriffen und ihre Barbara mit Leckereien überrascht.

Nur das Krankenhaus St. Barbara Schwandorf bietet im Landkreis eine Geburtshilfestation

Schwandorf
Zur Aufgabe von Schwester Barbara gehören auch viele vorbereitende und dokumentierende Arbeiten. Mit Patientinnen und Kolleginnen auf der Station kommt sie gut zurecht, weil sie gut Deutsch spricht.
Stationsleiterin Ute Hilpert (Fünfte von rechts) und das Team der Gynäkologie und Geburtshilfe haben nach dem bestandenen Anerkennungslehrgang zum Rührlöffel gegriffen und Schwester Barbara (sitzend) mit Leckereien überrascht.
Hintergrund:
  • Barbara Moreno Leyva ist eine von bereits 1000 Frauen und Männern aus Mexiko und Brasilien, die ihr berufliches Glück in Deutschland suchen und hier im pflegerischen Bereich tätig sind.
  • Die 33-Jährige arbeitet als Krankenschwester in der Fachabteilung Gynökologie und Geburtshilfe.
  • Am Schwandorfer Krankenhaus finden sich noch drei weitere Landsleute von Schwester Barbara: Carlos Verdeja, der in der Kardiologie (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) beschäftigt ist, Alejandra Ugarte (Geriatrie) und Ilse Renteria (Intensivstation).

"Da war alles sehr fremd für die Barbara - und auch für uns war alles Neuland."

Stationsleiterin Ute Hilpert über die Anfänge vor zwei Jahren

Stationsleiterin Ute Hilpert über die Anfänge vor zwei Jahren

 

 

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