01.04.2020 - 15:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Minderjährige mit Rauschgift versorgt

Er ist gerade mal 22 Jahre alt. Der junge Mann kommt mit neun Vorstrafen, gilt als drogenabhängig und hat etwas getan, das als Verbrechenstatbestand im Gesetzbuch steht: Abgabe von Rauschgift an Minderjährige.

Weil er Drogen an Minderjährige verkaufte, wurde ein 22-Jähriger zu 20 Monaten Haft verurteilt. Den Großteil der Strafe wird er in Therapie zubringen.
von Externer BeitragProfil

Polizeibeamte führten den Schwandorfer gefesselt vor das Amberger Schöffengericht. Er verbüßt gegenwärtig eine Gefängnisstrafe und wäre gern "mit der kleinen Tochter und der Lebensgefährtin" zusammen. Doch bis aus den dreien eine Familie wird, kann es dauern.

Bei Schwandorfer Polizisten ist der 22-Jährige seit langem als Rauschgiftkonsument bekannt. Es gab Kontrollen. In drei Fällen fanden Beamte bei dem jungen Mann Portionen von Crystal Speed und sogenannte Kräutermischungen. Das war unerlaubter Drogenbesitz. Allerdings hätte das nicht zu einem Prozess vor dem Schöffengericht geführt.

Was den 22-Jährigen auf die Anklagebank brachte, waren Verbrechenstatbestände, bei denen der Gesetzgeber strenge Ahndungen vorgesehen hat. Der Mann war offensichtlich in Schwandorf als einer bekannt, bei dem man Drogen bekommen konnte. Ein 17-Jähriger und ein 16-Jähriger wandten sich an ihn. Einer erhielt Cannabis, der andere eine Portion illegaler Kräutermischungen. Wichtig dabei im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen: Beide waren minderjährig – und exakt da hat die Justiz den Auftrag, ohne Pardon einzuschreiten. Allerdings stellte sich im Prozess heraus: Die beiden mit Rauschgift belieferten jungen Männer waren keine Neulinge beim Drogenkonsum. Auch sie kannten die Behörden bereits.

Zeugen konnte sich das Schöffengericht sparen. Auf Anraten seines Verteidigers Gunther Haberl gab der 22-Jährige alles zu, was in der Anklageschrift stand. Der medizinische Sachverständige Rainer Miedel bestätigte ihm die wohl schon seit langem bestehende Drogenabhängigkeit und empfahl eine mindestens 18 Monate dauernde Entzugstherapie.

Miedels Gutachten schlug sich im Urteil nieder. Der 22-Jährige bekam zwar 20 Monate Haft ohne Bewährung. Doch den Großteil dieser Zeit kann er, wie ihm die Gerichtsvorsitzende Kathrin Rieger mitteilte, in der Therapie zubringen. Die Staatsanwaltschaft hatte 23 Monate ohne Bewährung verlangt, sich aber ebenfalls für eine Therapie in geschlossener Anstalt ausgesprochen. Danach will der Schwandorfer eine Ausbildung machen und "nur für die Familie da sein."

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