Schwandorf
30.09.2018 - 13:07 Uhr

Modenschau für fairen Handel

Auch "faire Kleidung" kann chic und bequem sein, ist aber etwas teurer. Die Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Josef wollen in der Mehrheit ihr Kaufverhalten ändern. Das ergibt eine anonyme Umfrage.

"Warum nicht Fairtrade-Klamotten tragen?" sagten sich die jungen Damen bei der Modenschau in der Mädchenrealschule. Anlass war die zentrale Veranstaltung zur Fairtrade-Woche. Bild: Hirsch
"Warum nicht Fairtrade-Klamotten tragen?" sagten sich die jungen Damen bei der Modenschau in der Mädchenrealschule. Anlass war die zentrale Veranstaltung zur Fairtrade-Woche.

"Weniger ist mehr". Nach diesem Motto werden die jungen Damen in Zukunft weniger Klamotten in ihren Schrank hängen, dafür aber Kleidung aus dem "fairen Handel". Dr. Helmut Kollhof glaubt es den Schülerinnen. "Die Jugend hat sich verändert, ist kritischer und nachdenklicher geworden", beobachtet der Leiter des "Eine-Welt-Ladens" in Amberg. Der Erfinder des Unterrichtsfaches "Zukunft" geht in die Schulen und füllt die Stunden, die sonst ausfallen würden. Dort erklärt er den Schülern den "mörderischen Effekt" der westlichen Wirtschaftspolitik. "Die Folgen unseres Handelns bezahlen täglich 50 000 Menschen in Afrika mit dem Tod", erklärt Dr. Helmut Kollhoff.

Der Referent bezieht sich auf Aussagen von Entwicklungsminister Gerd Müller, wonach 100 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern nicht mehr länger dort leben könnten. Dr. Helmut Kollhoff beschwört die aktuellen und die nachfolgenden Generationen, alles zu unternehmen, "damit sie dennoch in ihrer Heimat bleiben können". Der faire Handel leiste dazu einen wichtigen Beitrag. "Wir haben alle so viele Klamotten im Schrank, da reicht die Hälfte auch", ist der Fairtrade-Vertreter überzeugt. Dafür sollten die Leute mehr ausgeben für Kleidung und den Herstellern in den Entwicklungsländern die Chance zum Überleben ermöglichen.

Frage der Gerechtigkeit

Dr. Helmut Kollhoff glaubt an die Bewusstseinsveränderung in der Gesellschaft und hofft auf die Einsicht der Jugendlichen. Bei ihnen hat er zumindest mehr Hoffnung als bei den Politikern, wenngleich Entwicklungsminister Gerd Müller genau wisse, "was auf Europa in den nächsten Jahrzehnten zukommt". Die Schüler forderte der Referent auf, ein Gegengewicht zu jenen Kräften zu bilden, die nach dem Prinzip "weiter so" verfahren.

"Gemeinsam für ein gutes Klima - unsere Verantwortung für die Menschen und die Schöpfung." Der Sprecher der Fairtrade-Lenkungsgruppe, Alfred Damm, griff das Thema der Aktion auf und betonte: "Der Klimaschutz ist für die Menschheit eine Überlebensfrage." Gleichzeitig sei er eine Frage der Gerechtigkeit, denn: "Von den sozialen, ökologischen und ökonomischen Folgen des Klimawandels sind diejenigen am meisten betroffen, die am wenigsten dazu beigetragen haben".

Dazu gehörten auch die Partner des "fairen Handels", die Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Für viele von ihnen sei der Klimawandel bereits bittere Realität. Während die Landwirte in der EU Zuschüsse erhielten, seien die Kleinbauern in den Entwicklungsländern in ihrer Existenz bedroht.

Von der Politik, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft erwartet Alfred Damm gemeinsame Anstrengungen zur "Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad". Die CO2-Emissionen lagen im Jahr 2015 pro Kopf weit über dem Durchschnittswert von zwei Tonnen pro Jahr, der für das Weltklima verträglich wäre. Aus der Sicht des "fairen Handels" müsse sich die Bundesregierung international für mehr Klimagerechtigkeit und für die Rechte und Bedürfnisse der Betroffenen einsetzen, fordert Alfred Damm. Auch der Verbraucher könne sich täglich für Produkte entscheiden, "die unter gerechten und ökologisch nachhaltigen Bedingungen hergestellt werden". Das wachsende Sortiment an Lebensmitteln, Handwerksprodukten und Kleidung sei "eine gute Option".

Zahlreiche Ehrengäste

Dritte Bürgermeisterin Martina Englhardt dankte Alfred Damm, "dem Kämpfer für die Sache", der vor sieben Jahren den Fair-Trade-Gedanken ins Spiel gebracht und umgesetzt habe. Seit 2016 sei die Mädchenrealschule "Fairtrade-Schule" und trage die Idee ebenfalls voran. Die Bürgermeisterin ermunterte die Schülerinnen und deren Eltern, für "Fairtrade-Produkte" etwas mehr Geld auszugeben. Direktorin Marlies Hoffmann hieß zur zentralen Veranstaltung die Schulfamilie und zahlreiche Ehrengäste willkommen. Bei einer Modenschau zeigten die jungen Damen, wie chic "faire Klamotten" sein können. Leonie Schicha spielte Klarinette, Simone Zinnbauer Querflöte und Emily Jakobi Klavier.

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