27.02.2020 - 16:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Modernes Fasten

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Während am Rosenmontag und Faschingsdienstag richtig auf den Putz gehauen wird, soll man am Aschermittwoch demütig sein und ab jetzt 40 Tage auf etwas verzichten, meist Alkohol oder Süßes. Fasten im Jahr 2020 hat aber viele andere Facetten.

Weniger Fleisch, weniger Zucker, mehr Obst und Gemüse: Das sind die typischen Fastenvorsätze. Doch man kann auch schlechte Gedanken fasten.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Verzicht ist "in", auch außerhalb der Kirche oder der Fastenzeit: Heilfasten, bewusst eine Auszeit von den sozialen Medien nehmen, vegane Ernährung. Auch die Geistlichen in der Region definieren Fasten im Jahr 2020 anders, als noch vor einigen Jahrzehnten.

Für Pater Georg Parampilthadathil markiert der Aschermittwoch den Anfang einer besonderen Zeit. "Es ist wie Neujahr. Wir beginnen eine neue Zeit mit Fasten und Beten", sagt der katholische Pfarrer aus Pfreimd. Traditionell geht es beim Fasten um Verzicht, nicht unbedingt darum zu hungern. Heute sind die Fastenvorsätze ganz unterschiedlich. "Den Kindern sage ich immer sie sollen Schokolade oder Fernsehen fasten." Diese sind noch empfänglich für den Glauben und Gott. "Uns geht es gut, wir haben von allem genug. Da denkt man nicht so an Gott." Das merke er auch daran, dass die Beichtstühle - bis auf ein paar Spinnen - leer bleiben, wie Pater Georg erzählt. Ganz traditionell Fasten würden nur noch wenige Menschen, auch wenn die 8-Uhr-Messe am Aschermittwoch gut gefüllt war und Pater Georg an diesem Tag alle Hände voll zu tun hatte. Er ist überzeugt: Beim Fasten geht es nicht nur darum, kein Fleisch zu essen, keinen Alkohol zu trinken oder den ganzen Tag zu beten. Verzicht kann auch bereichernd sein, weiß der Geistliche, der aus Indien stammt.

Ich stelle mir in der Fastenzeit die Frage: Was kann ich mehr für andere Menschen tun?

Pater Georg Parampilthadathil, Pfreimd

Pater Georg Parampilthadathil, Pfreimd

Zeit des Reflektierens

Es gehe darum, nachzudenken: Wer bin ich? Wie ist mein Leben? Wie war mein Leben bis zu diesem Punkt und wie soll es weitergehen? Pater Georg stellt sich in dieser Zeit zusätzlich die Frage: Was kann ich mehr für andere Menschen tun? Diese Art des Reflektierens in einer Zeit der Ruhe tut vielen - gerade in dieser schnelllebigen Welt - sehr gut und fühlt sich gar nicht nach Verzicht an. Am Ende der 40-tägigen Fastenzeit wird von den Christen am Ostersonntag die Auferstehung Jesu gefeiert. "Doch auch ich und meine Mitmenschen erstehen an diesem Tag auf", sagt der Pater. Ein kraftvoller Neuanfang also für jeden, der dafür offen ist.

Auf Pessimismus verzichten

In Schwarzenfeld verfolgt die evangelische Gemeinde einen weiteren interessanten Fasten-Ansatz. Unter dem Motto "Sieben Wochen ohne Pessimismus für mehr Zuversicht", soll auf Dinge verzichtet werden, die einem nicht gut tun, wie zum Beispiel negative Gedanken. "Diese Aktion ist für mich seit Jahren sehr wichtig", erzählt Pfarrerin Heidi Gentzwein.

Sie persönlich will in der Fastenzeit weniger Zucker und Fleisch konsumieren. "Sofern das mein Mann zulässt. Der kocht nämlich", sagt die Pfarrerin und lacht. Das feste Datum helfe ihr dabei, ihre Vorsätze einzuhalten. Für sie liege der Sinn im Fasten darin, einen Gang zurückzuschalten und sich auf das Osterfest vorzubereiten. "Wenn ich länger auf Schokolade verzichte, freue ich mich doch gleich viel mehr auf Ostern und weiß auch ein kleines Stück wieder zu schätzen." Das gelte für viele Lebensbereiche. Zum Beispiel könne man das Auto öfter mal stehen lassen. Der Trend zum einfachen Leben sei längst überfällig, findet Gentzwein. "Es geht immer höher, immer weiter." Verständlich, dass viele Menschen mal die Bremse drücken müssen. Die Geistliche freut es, dass Dinge, die kirchlich waren, wieder in den Alltag der Menschen einziehen. Ein bisschen traurig sei es, dass manche gar nicht mehr wüssten, dass ein religiöser Ursprung dahintersteckt.

Wir fasten unter dem Motto "Sieben Wochen ohne Pessimismus für mehr Zuversicht".

Pfarrerin Heidi Gentzwein, Schwarzenfeld

Pfarrerin Heidi Gentzwein, Schwarzenfeld

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