01.03.2020 - 10:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Möglichst natürliche Geburt

In Bayern kommt knapp jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt, am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf nicht einmal jedes Fünfte. Warum ist das so?

Iris Rothenbacher (rechts) und Lena Jehl-Hüttner zeigen gerne, dass Gynäkologinnen und Hebammen am Krankenhaus St. Barbara ein eingespieltes Team sind – zum Wohle von Mutter und Kind.
von Externer BeitragProfil

Mit einer Kaiserschnitt-Rate von nur 17,6 Prozent bei knapp 700 Geburten liegt das Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara weit unter dem bundesdeutschen und bayerischen Durchschnitt. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge ist in den vergangenen 20 Jahren weltweit ein starker Anstieg der Kaiserschnittgeburten zu verzeichnen, auch in Deutschland: So wurden 1997 in der Bundesrepublik noch 18,5 Prozent aller Schwangerschaften mit einem Kaiserschnitt beendet, 2017 waren es 30,5 Prozent.

In Bayern kommt nach einer Mitteilung des Schwandorfer Krankenhauses fast jedes dritte Baby (31,9 Prozent) per Kaiserschnitt zur Welt. Laut der Pressesprecherin des Hauses, Marion Hausmann, wünschen nur aber zwei von hundert werdenden Müttern eine geplante "Sectio", wie der Kaiserschnitt medizinisch heißt. Es gibt zwingende Gründe für einen Kaiserschnitt: Etwa eine geburtsunmögliche Lage oder während der Geburt auftretende Komplikationen.

Für Iris Rothenbacher, Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus, stellt sich die Frage nach dem Grund für die steigende Sectio-Zahl. Eine Erklärung: "Durch die rasche Entwicklung der Medizin erscheint der Kaiserschnitt heutzutage als ein sehr risikoarmer Eingriff. Damit wird der Kaiserschnitt auch jenseits absoluter medizinischer Notwendigkeiten als Alternative zur normalen Geburt angesehen." Das Alter der Schwangeren, ein vorausgegangener Kaiserschnitt oder eine künstliche Befruchtung seien jedoch genauso wenig ein zwingender Grund wie bestimmte mütterliche Erkrankungen oder eine befürchtete Beckenbodenschwäche.

Was macht das Team um Chefärztin Dr. Susanne Merl in Schwandorf anders? "Durch eine an das individuelle Risiko angepasste und zugewandte Medizin, regelmäßige Schulungen zu Notfällen im Kreißsaal sowie die hervorragende Zusammenarbeit von Hebammen und Ärztinnen im Haus konnte diese Traumrate von 17,6 Prozent an Kaiserschnittgeburten im Krankenhaus St. Barbara erreicht werden", berichten Dr. Susanne Merl und Iris Rothenbacher.

2019 kamen im Schwandorfer Kreissaal 676 Kinder zur Welt - davon lediglich 54 Babys per geplantem Kaiserschnitt und 65 Mädchen und Jungen mittels einer notwendigen Sectio aufgrund von Komplikationen während der Geburt. "Dabei", betont die Oberärztin, "geht diese niedrige Rate keineswegs mit einem erhöhten Risiko für das Neugeborene einher." Dies untermauere auch die niedrige Verlegungsrate (3,1 Prozent) von Neugeborenen in ein Perinatalzentrum, also eine Spezialklinik zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen.

"Eine große Bedeutung hat im Krankenhaus St. Barbara die sogenannte risikoadaptierte Geburtshilfe", erklärt die Chefärztin. Dabei stellen sich Schwangere ungefähr in der 35. Schwangerschaftswoche zur Geburtsplanung in der Schwangerenambulanz vor. Hebamme und Ärztin klären dann in einem persönlichen Gespräch und bei einer Ultraschalluntersuchung, ob und welche Risiken bestehen.

Wichtig sei, die Schwangere und ihren Partner in ihrem Selbstvertrauen in eine natürliche Geburt zu bestärken. "Unser Ziel ist es, die ´Zeit der guten Hoffnung´ und die Vorfreude auf die Geburt eines Kindes als besonderes Erlebnis im Leben eines Paares zu bestärken", fasst Iris Rothenbacher zusammen.

Das Hebammenteam an St. Barbara zeichnet sich durch eine enge Betreuung der Gebärenden im Kreißsaal aus. Diese wird durch die doppelte Hebammenbesetzung sowohl tagsüber als auch nachts gewährleistet. Die Hebamme begleitet die Schwangere engmaschig. Dadurch ergibt sich auch eine niedrige Quote für eine Periduralanästhesie von nur elf Prozent. Werdende Mütter werden unter den Wehen mit anderen schmerzstillenden Maßnahmen versorgt.

"Jede Geburt ist einzigartig, deshalb braucht jede Schwangere auch eine an sie persönlich angepasste, individuelle Betreuung - ob bei der Behandlung der Geburtsschmerzen oder dem Wunsch nach verschiedenen Geburtspositionen", betont Hebamme Lena Jehl-Hüttner. Das vertrauensvolle Miteinander von Hebammen und Ärztinnen bezeichnet auch sie als großen Pluspunkt des Schwandorfer Kreißsaals.

Während der Geburt wird das Ungeborene regelmäßig mittels Herztonaufzeichungen beobachtet, sodass im Bedarfsfall schnell eingeschritten werden kann - wenn es sein muss, eben auch per Kaiserschnitt. Der Vater darf - solange es sich nicht um einen Notfall handelt - immer mit in den OP. Und gleich nach der Geburt wird das Baby der Mutter zum Kuscheln auf den Bauch gelegt. Fazit der Oberärztin: "Es ist möglich, die hohe Kaiserschnittrate mit einfachen Mitteln zu senken, wie das Krankenhaus St Barbara erfolgreich zeigt."

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